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Künzelsau

Verlängerung der Stadtbahn? Zugfahrt ins Ungewisse

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Bis neuartige Elektro-Hybridzüge zwischen Öhringen, Künzelsau und Schwäbisch Hall rollen, müssen dicke Bretter gebohrt werden. Christian von Stettens Plan stößt in der Region auf Zustimmung. Doch die Umsetzung wird schwierig.

Von Thomas Zimmermann
Fährt die Stadtbahn irgendwann einmal bis zum Carmen-Würth-Forum? Erste Ideen gibt es bereits.
Foto: Archiv/Montage Hst
Fährt die Stadtbahn irgendwann einmal bis zum Carmen-Würth-Forum? Erste Ideen gibt es bereits. Foto: Archiv/Montage Hst  Foto: Marijan Murat

Auf den ersten Blick wirkt der Vorschlag brilliant. Eine Stadtbahn, die von Waldenburg bis nach Künzelsau-Gaisbach und Schwäbisch Hall-Hessental mit Elektro-Hybridzügen fährt. Bahnen mit leistungsstarken Batterien, die eine aufwendige und teure Elektrifizierung der Strecken überflüssig machen.

"Die Akkus laden sich während der Fahrt auf der elektrifizierten Strecke auf und überbrücken dann die kurzen Stücke bis Gaisbach und Hessental", heißt der Plan von Christian von Stetten, den er vor zwei Wochen öffentlich gemacht hat (wir berichteten). Doch bis dieser Plan realisiert werden kann, müssen dicke Bretter gebohrt werden.

Förderung für Modellprojekt?

Für das Modellprojekt erhofft sich der CDU-Abgeordnete Geld vom Bund. Er schielt auf die Fördertöpfe, die die Regierung beim Dieselgipfel Anfang September eingerichtet hat. Dort sollen eine Milliarde Euro für Projekte bereitgestellt werden, die den emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr fördern.

Der Vorschlag stößt in der Region auf viel Zustimmung. Neben dem Landrat des Hohenlohekreises Dr. Matthias Neth will auch der Schwäbisch Haller Landrat Gerhard Bauer die Idee unterstützen. "Es klingt vielversprechend, zwischen Schwäbisch Hall und Waldenburg Elektro-Hybrid-Züge einzusetzen und ich würde mich freuen, wenn die Technik bald soweit fortgeschritten ist, dass dies gelingt", betont Bauer.

Klippen müssen umschifft werden

Unterstützung kommt auch vom Grünen-Politiker Harald Ebner, der wie Stetten sein Bundestagsmandat verteidigt hat. "Selbstverständlich setze ich mich für den Ausbau der Stadtbahn ein. Unabhängig davon, wer künftig in Berlin mit wem regiert", unterstreicht der Politiker aus Kirchberg an der Jagst. Bis es soweit ist, müssen einige Klippen umschifft werden.

Die erste ist die Elektrifizierung der Strecke von Öhringen-Cappel bis Waldenburg. Das Stück ist wirtschaftlich zu betreiben und damit förderfähig. Die zweite Klippe sind die fehlenden Schienen auf der Strecke Waldenburg-Künzelsau. Die Trasse wurde allerdings freigehalten, so dass die Gleise schnell zu verlegen wären.

Die dritte Klippe ist die Technik. Denn die batteriebetriebenen Elektro-Hybridzüge gibt es noch nicht. "Ich denke, dass die Züge, die wir brauchen, in vier Jahren serienmäßig lieferbar sind. Die in dieser Woche beschlossene Fusion von Siemens und Alstom ist dabei hilfreich", schätzt Christian von Stetten.

Alternative ist teurer

Kurz vor der Marktreife stehen bereits emissionsfreie Wasserstoff-Brennstoffzellenantriebe, die die Firma Alstom produziert. Sie wären eine Alternative und sollen bereits ab 2022 auf der Ortenaubahnstrecke fahren. "Die Ausschreibung läuft, der Zuschlag erfolgt voraussichtlich im zweiten Quartal 2018, dann sollen die Fahrzeuge produziert und die benötigte Ladeinfrastruktur errichtet werden", sagt der Pressesprecher im Umweltministerium Edgar Neumann. Die Brennstoffzellentechnologie ist allerdings teurer als die Akku-Lösung.

Eine weitere Klippe ist nach der Wahl hinzugekommen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt, der den Plänen positiv gegenübersteht, gehört der neuen Regierung nicht mehr an. Er übernimmt den Vorsitz der CSU-Landesgruppe im Bundestag. "Das ist schade, weil ich jetzt abwarten muss, wer mein neuer Ansprechpartner ist", bedauert von Stetten diese Entwicklung.

 

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