Vergipst und zugenäht

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Ein Unfallchirurg hat es mit vielen unterschiedlichen Patienten und mit so mancher Kuriosität zu tun

Von unserer Mitarbeiterin Aileen Hornung
Vor kurzem behandelte Oliver Böhm, Mediziner in der Künzelsauer Unfallpraxis, an einem Tag gleich mehrere verstauchte Füße. Dem Chirurgen gefällt seine Arbeit, bei der er vielen Verletzten helfen kann.Foto: Aileen Hornung
Vor kurzem behandelte Oliver Böhm, Mediziner in der Künzelsauer Unfallpraxis, an einem Tag gleich mehrere verstauchte Füße. Dem Chirurgen gefällt seine Arbeit, bei der er vielen Verletzten helfen kann.Foto: Aileen Hornung

Künzelsau - Menschen humpeln zur Tür herein, Krücken kollidieren mit Krücken und nicht selten ist gar ein ächzendes Stöhnen zu hören. Wer in die Unfallpraxis von Dr. Oliver Böhm kommt, hat definitiv eines: Schmerzen. Hier soll der Chirurg Böhm Abhilfe schaffen. Viele Patienten kommen nach Arbeits- oder Schulunfällen, oft sind es aber auch chronische Schmerzen, die die Menschen den Weg in die Praxis finden lassen.

Beweggründe wie auch Patientenzahl variieren dabei täglich. "Es ist schon verrückt", sagt Böhm, der seit elf Jahren die Unfallpraxis in Künzelsau betreibt. "Neulich war ich den ganzen Vormittag nur am Gipsen. Gestern kamen dann gleich mehrere mit verstauchten Füßen." Man wisse nie, was einen erwarte. Die häufigsten Verletzungen seien aber an den Fingern. "Sie glauben gar nicht, wie viele Kinder oder Erwachsene einen Ball auf den Finger bekommen", berichtet der Chirurg.

Tagesablauf Ein typischer Morgen sieht für ihn folgendermaßen aus: Ab acht Uhr werden kleinere Operationen vorgenommen, ab neun Uhr beginnt dann die Sprechstunde und damit der Ansturm auf die Praxis. Der ist manchmal größer, manchmal kleiner. So könne es sein, dass an einem Tag 60 Leute kommen, an einem anderen 120. "60 Leute sind ganz angenehm", befindet Böhm schmunzelnd.

Für ihn ist die Arbeit nach der eigentlichen Arbeit aber längst noch nicht getan. Abends steht für den 47-Jährigen noch "die ganze Bürokratie" auf dem Programm. Wie viel Bürokratie das sei, das könne sich kaum einer vorstellen. Schließlich wollen Hausärzte, Berufsgenossenschaften und Krankenkassen ihre Berichte haben. "Wir schreiben etwa 2000 Arztbriefe im Quartal", gewährt Böhm einen kleinen Einblick.

Fragt man den Arzt nach etwaigen Kuriositäten in seiner Laufbahn als Unfallarzt, fällt die Antwort deutlich aus: "Es gibt grundsätzlich nichts, was die Leute nicht anstellen", sagt der Mediziner lachend. So sei neulich eine Frau in der Praxis gewesen, die bei der nächtlichen Jagd auf Spinnen in die Badewanne gestürzt war. Doch Böhm hat noch mehr auf Lager: "Es gab schon Leute, die einen Angelhaken in ihre besten Teile gebracht haben." Kein Witz, beteuert er. Beim Auswerfen des Angelhakens sei dieser an der falschen Stelle hängengeblieben. Böhms Kompetenz war gefragt, um ihn wieder zu entfernen.

Bei aller Routine mischt sich aber oft auch eine große Portion Mitleid bei. Vor einigen Tagen sei ein Patient nach einem Fahrradunfall in der Praxis gewesen, beide Ellenbogen und ein Handgelenk waren gebrochen. "Den musste ich komplett eingipsen. Mit zwei Gipsen am Oberarm kann man nicht mehr viel allein machen, das tut einem dann schon leid", meint Böhm.

Heilung Ganz besonders freue ihn, wenn er den Patienten langfristig helfen kann und "sie hinterher sagen, wie gut es ihnen wieder geht". So hektisch es in seiner Praxis auch oft zugeht − tauschen möchte der Chirurg mit niemandem. "Die Arbeit macht Spaß", sagt Böhm. "Ich wüsste nicht, was ich sonst tun soll." Bei seiner Arbeit schätzt er auch die Vielfalt an Patienten. "Das ist das Schöne an der Chirurgie: Vom Baby bis zum Greis kommt alles zu mir", erzählt er schmunzelnd.

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