Umzug der Zulassungstelle: Kein Aufschrei, nur ein Grummeln
Die Kfz-Zulassungsstelle des Hohenlohekreises in Öhringen wird 2019 nach Künzelsau verlagert. Die Kunden in Öhringen üben weiter Kritik an dem Beschluss.

Die Kfz-Zulassungsstelle des Kreises in Öhringen geht in der Künzelsauer Behörde auf. Was im Sommer 2016 ein Mega-Aufreger war, nervt jetzt scheinbar keinen mehr. Oder doch? Als der Kreistag die Zentralisierung am 16. April zeitlich auf das Jahr 2019 fixierte, regte sich bei den Räten null Widerstand. Auch die Öhringer Bevölkerung ist seitdem erstaunlich still.
Man muss schon aktiv nachfragen, um zu erkennen: Der Frust ist weiter da, vor allem bei den Autohändlern, aber irgendwie ist der ganz große Ärger verflogen. Er ist eher einem leisen Grummeln gewichen.
Anfang 2019 muss die Zulassungstelle raus
Zwar stand seit dem 30. September 2016 fest, dass der Kreis die Zulassungsstelle in Öhringen aufgibt und in das Künzelsauer Amt integriert. Aber nicht, wann genau dies geschehen wird. Und ob es vielleicht doch eine Interimslösung gibt.
Schließlich ist das neue Landratsamt weder ganz noch in Teilen neu gebaut (der erste Abschnitt wird wohl 2024 und der zweite 2028 fertiggestellt sein), noch sind die Online-Dienste bei der Kfz-Zulassung so verbessert worden, dass den meisten Bürgern und Autohäusern rund um Öhringen der Weg nach Künzelsau erspart bliebe: zwei wichtige Punkte, die dem damaligen Kreistagsbeschluss zugrunde lagen und letztlich den Antrag von OB Thilo Michler, womöglich eine Außenstelle in Öhringen einzurichten, vergessen machten.
Fakt ist: Die Kfz-Zulassungsstelle muss das Gebäude in der Hindenburgstraße Anfang 2019 auf jeden Fall räumen, weil es dem Klinikneubau weichen wird.
Autohändler sind unzufrieden

Die Hohenloher Zeitung sammelt an einem Vormittag Stimmen und Stimmungen vor Ort. "Die Zulassungsstelle ist nicht zu klein, ich fühle mich gut bedient", sagt Ibrahim Yavuz (30), dem ein Autohaus in Bretzfeld gehört. "Es wäre gut, wenn sie in Öhringen bleiben würde. Man hätte sie ja in ein anderes Gebäude verlegen können." Was ist mit den Online-Diensten? "Da mache ich noch gar nichts." Und er weiß auch nichts davon. Neuzulassungen sind online auf absehbare Zeit noch nicht möglich - dafür seit Januar 2015 Abmeldungen und seit Oktober 2017 Wiederzulassungen. "Wenn die Stelle nach Künzelsau kommt, werde ich mehr darauf zurückgreifen."
Allerdings seien Neuzulassungen "mit 99,9 Prozent unser Hauptgeschäft", sagt Thomas Neumann (56), Verkäufer beim Autohaus Ochs in Öhringen, der an diesem Tag selbst vor Ort ist. Sonst machten das in der Regel "Rentner auf 450-Euro-Basis". Vier bis fünf Mal in der Woche seien sie in der Öhringer Zulassungsstelle.
Das heißt: "Sie sind wegen der Fahrzeiten bis zu fünf Stunden länger im Einsatz, wenn sie nach Künzelsau müssen." Auch Extra-Schalter für Firmen und Online-Reservierungen von Terminen würden diesen Nachteil nicht aufwiegen. "Es ist sehr schade. Wir haben hier doch mehr Zulassungen und Autohäuser als in Künzelsau."
Lieber online als nach Künzelsau
Barbara Hoffmann (59), die einen Kurierdienst in Öhringen betreibt, sagt: "Das ist ein ganz großer Humbug." Fahrzeuge ummelden oder "Ab- und Auflastungen" neu eintragen lassen: "Für uns wäre es ein erheblicher Zeitaufwand, das alles in Künzelsau zu erledigen." Und Online? "Da habe ich keinen Plan und hege auch Zweifel." Ersetzen würde es den Gang zum Amt nicht: "Das Persönliche ist gerade in diesem Geschäft wichtig."
Findet auch Pierre Krehbiel (55), ein eingefleischter Öhringer, der sein historisches Motorrad soeben wieder zugelassen hat. "Ich gehe lieber in diesen Laden und schwätze mit den Leuten, die alle sehr nett sind." Zur Not würde er sich in den Online-Service "einarbeiten". Denn: Nach Künzelsau ziehe ihn so schnell nichts.
So sieht es der Landrat
Der Kreistag beschloss am 30. September 2016 die Verlagerung der Öhringer Kfz-Zulassungsstelle nach Künzelsau. "Die Idee war, dass dann ein neues Landratsamt oder Teile davon schon stehen könnten. Es stellt sich also die Frage: Passt der Beschluss noch?", sagte Landrat Matthias Neth bei der letzten Kreistagssitzung. Und erklärte im Hinblick auf die 2019 ins Auge gefasste Zentralisierung: "Ich befürworte es auch so. Mit einer Zulassungsstelle ist mehr möglich als mit zwei."
Klar sei: "Wir müssen noch einige Hausaufgaben machen: einen Extra-Schalter für die Autohäuser einrichten oder an die Öffnungszeiten rangehen." Neth gibt zu, "dass er 2016 die Stimmung unterschätzt hat und es bis heute nicht gelungen ist, dass beim Thema Digitalisierung die vollständige Zulassung von zu Hause aus funktioniert." Es zähle aber das "Gesamtpaket" ab 2019, es sei "ausgewogen und wirtschaftlich". Der Kreistag gab dafür einstimmig grünes Licht.
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Kommentare
Rüdiger Peters am 30.04.2018 18:31 Uhr
Immer wieder hört und liest man, dass Landrat Dr. Neth die Stimmung unterschätzt habe nicht nur beim unsäglichen Thema "Krankenhaus". Auch in den Kommentaren der HZ wird unterschwellig Kritik laut. Hat LR Neth am Anfang seines Amtsantritts mehr Bürgernähe "angemahnt"? . Nur wo ist diese? Von Bürgernähe erwarte ich dass Bedienstete auf Augenhöhe mit dem Bürger korrespondieren. Aber weit gefehlt. Bei vielen Ämtern ist teilweise Ignoranz an der Tagesordnung. Vor allem im Baurechtsamt werden Bürger so z.B. bei Baugenehmigungen mit unsäglichen, nicht nachvollziehbaren Forderungen und zeitlichen Verzögerungen konfrontiert. Da mischt sich das LRA in Planungshoheiten der Gemeinden ein,meine diesem nicht zustehen.,
Beschwerden werden sehr zögerlich bearbeitet bzw. Schreiben gar nicht beantwortet. So stellt man sich Bürgernähe nicht vor. Wenn Bürgerähe so in Gemeinden praktiziert würde, hätte die Verwaltung sicherlich ein Problem mit dem GR. Aber beim LRA kann man sich ja "hinter der Behörde" verbergen.
difoni Niedernhall am 30.04.2018 10:26 Uhr
Für die meisten Bürger des HOK ist das LRA in KÜN schwer erreichbar.
Ein Standort in Neuenstein (an der Autobahn) oder Autobahnauffahrt Kupferzell macht hier deutlich mehr Sinn. Auch im Hinblick auf eine mögliche Fusion mit dem Landkreis SHA. Dann wäre der Standort des gemeinsamen Landratsamts schon klar.