Tscheburaschka lieben alle
Evangelisches Jugendwerk und Kirchengemeinde bieten gemeinsam Kinderclub auf Russisch an

Ganz vernarrt sind Stella, Nicole, Michelle, Diana und Willi ins Tscheburaschka. Munter plappern die fünf Kinder in Russisch auf die knuddelige Plüschfigur mit den übergroßen Ohren und den Kulleraugen ein. "Das Tscheburaschka war wirklich die bekannteste Zeichentrickfigur der Sowjetunion. Das kannten wirklich alle. Und es ist das freundlichste Wesen, das man sich vorstellen kann", erzählt Jasmin Söhner. Die Promotionsstudentin ist Mitarbeiterin beim evangelischen Jugendwerk Öhringen. Gemeinsam mit Olga Khviadchnia (26), einer Weißrussin, die ihren Freiwilligendienst in Öhringen leistet, leitet die 27-jährige Söhner den Tscheburaschka Club.
Club-Maskottchen An diesem Freitagnachmittag ist Viktorija Tamusquskiene (27) ins Kostüm des Club-Maskottchens geschlüpft. Während die ehemalige Praktikantin mit den Kindern spielt, erläutert Jasmin Söhner die Idee des Kinderclubs auf Russisch. "Wenn man die Möglichkeit und den Bezug zu einer Sprache hat, dann darf das doch nicht verkümmern", ist Söhner der Überzeugung. Jasmin Söhner, die osteuropäische Geschichte studiert und ein Jahr lang Freiwilligendienst in der Ostukraine geleistet hat und deshalb auch Russisch spricht, gefällt der Gedanke, den Kindern die Muttersprache der Eltern und Großeltern nahe zu bringen. "Alle Kinder, die hierher kommen, sprechen viel besser Deutsch als Russisch", sagt Söhner, und das sei auch in Ordnung so. Aber die Möglichkeit, spielerisch eine Sprache zu pflegen, dürfe man nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Kooperation Aus diesem Grund hat vor mehr als zwei Jahren das evangelische Jugendwerk Öhringen den Kinderclub gegründet. Heute findet der in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde Öhringen im Archegemeindehaus statt. Zwischen fünf und 20 Kinder besuchen den Club, bei dem gespielt, getobt, miteinander gekocht und gebastelt wird. Ab und an gucken die Knirpse auch Kinderfilme an − alles aber, was die Sechs- bis Zehnjährigen gemeinsam mit den Clubleitern machen, geschieht auf Russisch.
"Das Russisch bringen die Kinder hier ja schon mit", freut sich Birgit Rügner. Auch der Öhringer Pfarrerin gefällt der Gedanke, dass die Kinder neben dem Deutschen eine zusätzliche Sprache pflegen. Rügner findet es prima, dass durch den Club Kinder ins Arche-Gemeindehaus kommen. Ab und an ist die Pfarrerin bei den freitäglichen Treffen auch selbst vor Ort: Sie macht die Kids dann spielerisch mit kirchlichen Festen oder Bräuchen bekannt.
Inklusion "Die Kinder sollen wissen, woher ihre Eltern kommen. Und sie sollen dadurch stark gemacht werden", betont Jasmin Söhner. Auch wenn zuhause Deutsch gesprochen werde, könnten die Kinder ein Gefühl für die russische Sprache entwickeln. Für Söhner ist das Projekt eine Form von Inklusion. Olga Khviadchnia ist sich sicher: "Sprache ist eine Möglichkeit, die eigenen Familientraditionen zu bewahren." Und die 26-jährige ist auch der Überzeugung: "Es ist gut, wenn man ein Vaterland hat, aber es ist besser, wenn man zwei hat."
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