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Öhringen

Trompete spielen statt Tatort gucken

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Seit 70 Jahren ist der Öhringer Günther Hanselmann begeisterter Blasmusiker. Er spielte in mehreren Kapellen und Bands mit. Von 1983 bis 1988 war er Dirigent der Stadtkapelle Öhringen, bei der er am 1. Mai beim Schlosshofkonzert letztmals als Trompeter mitwirkt.

Von Renate Väisänen
Musik ist nach wie vor seine Leidenschaft: Täglich nach der Tagesschau spielt Günther Hanselmann auf seiner Trompete.
Fotos: Renate Väisänen/privat
Musik ist nach wie vor seine Leidenschaft: Täglich nach der Tagesschau spielt Günther Hanselmann auf seiner Trompete. Fotos: Renate Väisänen/privat  Foto: Renate Väisänen

Wäre aus Günther Hanselmann ein derart leidenschaftlicher Blasmusiker geworden, hätte er nicht an jenem frühsommerlichen Morgen im Jahr 1948 am "Kärchers Häusle", dem Übungslokal für Ohrnberger Blasmusiker, "diese bluesige Melodie" aus dem geöffneten Fenster gehört? Die Antwort darauf ist offen. Das schmissige Stück hatte jedoch auf den damals neunjährigen Buben großen Eindruck gemacht. "Das hört sich aber gut an", hätte er damals gedacht, erinnert sich der mittlerweile 80-Jährige. Da hätte er den Wunsch verspürt, es dem Nachbarssohn gleichzutun.

Beginn im Musikverein Ohrnberg

Ein Instrument für ihn wurde mit der Trompete aus dem Besitz von Bauer Gustav Fischer schnell gefunden und auch ein Lehrer: Denn auch Günthers Vater, Küfermeister Wilhelm Hanselmann, blies in seiner freien Zeit bei der Ohrnberger Musikkapelle die Trompete. Bald war der Junge immer mit von der Partie, wenn es galt, in seinem Heimatort Platzkonzerte vor dem alten Rathaus zu geben. Und seiner Heimatkapelle, die er später auch dirigierte, blieb der Trompeter auch noch lange, nachdem er seine berufliche Laufbahn als Drucker in Angriff genommen hatte, treu.

Tanzmusik und Swing

Volkslieder und Choräle wichen bald tanzbarer Unterhaltungsmusik à la Hazy Osterwald, als sich Hanselmann 1958 mit fünf weiteren Musikern zur Öhringer Kultband "Die Robertinos" zusammenschloss, Bis dann die Mitglieder der Band aus berufsbedingten Gründen nach drei Jahren eigene Wege gingen. Unter lauter Profis gesellte sich Hanselmann darauf als Trompeter der Schwäbisch Haller Fred-Frahm-Combo, mit der er die regionale Swing-Szene aufmischte.

Trompeter im TSG-Musikzug

Ob im Musikverein seines damaligen Wohnorts Karlsruhe oder in Öhringen: Von der Blasmusik konnte Hanselmann nie lassen. Ab 1966 engagierte sich der Trompeter im TSG-Spielmannszug, der gerade einen Neuanfang startete. Dort war er Mitglied im Ausschuss für Musik und Spielmannwesen im Turngau Hohenlohe und dem Schwäbischen Turnerbund ebenso wie Landeslehrwart für Blasmusik. Und immer hat sich der Öhringer auf Landes- wie Bundesebene fortgebildet. Und dass im damaligen TSG-Musikzug ordentlich was fürs Publikum geboten wurde, davon zeugen die Bilder der Jahresfeiern aus den 1970ern in Hanselmanns Fotoalbum: Darin ist die Blaskapelle vor aufwendiger Kulisse mal im Schottenlook, mal als fahrendes Volk zu sehen. Immer ließ man sich etwas Neues passend zum Musikprogramm einfallen.

Ausbildung zum Dirigent

Stets zu neuen Ufern strebte auch Hanselmann: 1980 bis 1981 absolvierte er ein Musikstudium und die Ausbildung zum Dirigenten am Heckler-Institut in Heidelberg. So konnte er 1983 den Dirigierstab des scheidenden Dirigenten der Stadtkapelle Öhringen, Engelbert Bohlander, übernehmen. Am Dirigentenpult des städtischen Blasorchesters stand er bis 1988, als ihn gesundheitliche Gründe dazu zwangen, den Taktstock an Stefan Gründler weiterzugeben.

Salonorchester Evergreens mitbegründet

Von da an unterstützte der leidenschaftliche Musiker das Trompetenregister der Kapelle. Sowie er auch als Trompeter und Flügelhornist im Kreisverband-Seniorenorchester, im Seniorenblasorchester Bad Friedrichshall und in dem von ihm mitbegründetem Senioren-Salonorchester Evergreens mitwirkte.

Oboe als Trauminstrument

Und wann fand sich in diesem umtriebigen Musikerleben noch Zeit für die Ehefrau und die drei Kinder? "Das ist alles eine Frage der Organisation", meint Hanselmann, der immerhin eines seiner Kinder für die Blasmusik begeistern konnte. Und was bedeutet ihm die Trompete als Instrument? "Ich hätte viel lieber Oboe gespielt. Das war immer mein Trauminstrument", antwortet Hanselmann spontan. Aber in den mageren Nachkriegsjahren sei das nicht möglich gewesen, fügt er hinzu. "Die Musik ist und bleibt meine Leidenschaft", bekennt der Jubilar, der eine beachtliche Sammlung an Notenbüchern, Musikinstrumenten sowie Bücher über Musik und Komponisten in seinem Hobbykeller vorweisen kann. Und auch dem Trompetenspiel widmet er sich noch jeden Abend - immer um dieselbe Zeit. "Nach der Tagesschau gibt"s bei mir Trompete statt Tatort", verrät der Senior mit einem Augenzwinkern.

Letzter Auftritt mit Stadtkapelle

Günther Hanselmann wird am 1. Mai 2019 zu seinem 70-jährigen Bühnenjubiläum beim traditionellen Schlosshof-Konzert des Stadtkapelle Öhringen, deren Ehrenmitglied er ist, seine musikalische Laufbahn bei der StaKa ausklingen lassen.

Die Öhringer Stadtkapelle im Jahr 1983, als Günther Hanselmann (re.) die musikalische Leitung innehatte. Am 1. Mai hat er mit der StaKa sein letztes Konzert.
Die Öhringer Stadtkapelle im Jahr 1983, als Günther Hanselmann (re.) die musikalische Leitung innehatte. Am 1. Mai hat er mit der StaKa sein letztes Konzert.  Foto: privat Günther Hanselmann
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