Traum vom Radler-Turm geplatzt
Gemeinderat stoppt Umbau des Säuturms − Brandschutz lässt Kosten steigen

Er sollte ein touristisches Schmuckstück werden. Doch nun ist die Zukunft des Säuturms in Niedernhall wieder ungewiss. Der Gemeinderat stoppt den Umbau des historischen Turms in eine Radlerherberge. "Es ist jammerschade, aber wir müssen die Reißleine ziehen", sagt Stadtrat Peter Lutz. Als Zünglein an der Waage hat sich letztlich der Brandschutz erwiesen.
Im Juli 2015 stellte Architektin Simone Kobel-Richter ein Konzept vor, das sofort im Gremium auf Gegenliebe stieß: Übernachtungsmöglichkeiten für acht Radler, ein Fahrradabstellplatz im Erdgeschoss mit E-Ladestation und das alles in historischem Ambiente direkt am Kocher-Jagst-Radweg gelegen. Die Kosten inklusive Brandschutzmaßnahmen und Möblierung schätzte die Architektin damals auf 286 000 Euro. Da der Säuturm zudem im Sanierungsgebiet "Altstadt III" liegt, wäre das Projekt mit rund 50 Prozent förderfähig.
Prognose Noch im April 2016 stimmte das Gremium dann einer geschätzten Kostensteigerung von 15 000 Euro zu. Grund für die Mehrkosten: Im Rahmen der Baugenehmigung forderte das Landratsamt Hohenlohekreis größere Fenster und eine Brandmeldeanlage. Letztere alarmiert bei einem Brand auch die Künzelsauer Feuerwehr mitsamt Drehleiter.
Doch damit war das Thema nicht vom Tisch. Weitere 12 000 Euro kämen nun hinzu. "Aber die sind nicht das Hauptproblem", erklärt Simone Kobel-Richter in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Wartung und die Instandhaltung der Brandmeldeanlage schlage mit Kosten von jährlich rund 3000 Euro zu Buche. Und dass es dabei nun tatsächlich bleibt, kann die Architektin auch nicht garantieren. "Wir bauen im Bestand, da weiß man nie, was noch kommt", sagt sie.
Damit ist die Schmerzgrenze bei Verwaltung und Ratsmitgliedern erreicht. "So ist die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben", folgert Peter Lutz. Man müsse sich zwar fragen, ob der Brandschutz nicht überzogen sei, aber ändern könne man es ja eh nicht. "Die laufenden Kosten schockieren mich", ergänzt Stadtrat Bernhard Gehlen mit einem Kopfschütteln. Und auch Bürgermeister Achim Beck ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: "Es ist bedauerlich. Mein Herz hängt an dem Projekt. Wir hätten ein gutes Konzept gehabt."
Schublade Die Baugenehmigung will Beck dennoch erstmal verlängern und abwarten. "Vielleicht können wir die Planung ja irgendwann wieder aus der Schublade holen", gibt er sich optimistisch. Für ein endgültiges Sterben der Radlerherberge scheint im Gremium keiner bereit, auch wenn letztlich alle für den Projektstopp stimmen. Doch jetzt muss die Verwaltung mit den bereits beauftragten Handwerkern das Gespräch suchen und den vorgesehenen Betreiber, das Gasthaus Rose, informieren.
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