Tonnenschwere Medizin-Technik
Künzelsau - Wie er so am Haken des Krans hängt, erinnert der Kernspintomograf ein bisschen an eine Waschmaschine − nur viel größer und schwerer. Rund fünfeinhalb Tonnen schweben am Montagmorgen vor dem Ärztehaus Medikün gleich beim Hohenloher Krankenhaus durch die Luft.

Künzelsau - Wie er so am Haken des Krans hängt, erinnert der Kernspintomograf ein bisschen an eine Waschmaschine − nur viel größer und schwerer. Rund fünfeinhalb Tonnen schweben am Montagmorgen vor dem Ärztehaus Medikün gleich beim Hohenloher Krankenhaus durch die Luft. "Der Magnet allein wiegt schon sehr viel", erklärt Jürgen Witt, Radiologe aus der Radiologischen Gemeinschaftspraxis Neckarsulm, wie dieses Riesen-Gewicht zustande kommt, und verfolgt gespannt die Ankunft des neuen Magnet-Resonanz-Tomografen (MRT) fürs Künzelsauer Krankenhaus.
Millimeterarbeit
"Das ist wie für den Bauherrn das Richtfest", schmunzelt der Mediziner und fügt hinzu: "Mit ein bisschen Bangen ist man da aber schon dabei." Schließlich ist es durchaus schon vorgekommen, dass das Gewicht des MRT falsch berechnet wurde und der Kran mitsamt der millionenschweren Medizin-Hightec umgekippt ist, weiß Witt. Das passiert hier in Künzelsau nicht. Vorsichtig wird das mit Plastik ummantelte Gerät abgelassen. Direkt vor dem Medikün kommt es zu Stehen, exakt vor dem Einlass. Der ist nicht gerade riesig. Rechts und links sind noch etwa zwei Zentimeter Spielraum − da ist Millimeterarbeit nötig. Von da aus ist der Weg bis zum endgültigen Standort nicht mehr weit. Noch eineinhalb Meter nach vorn rein ins Gebäude und weitere drei Meter nach links. Doch bis der MRT angeschlossen und betriebsbereit ist, wird der Tag vergehen.
"Morgen ist das Gerät am Netz", sagt Witt. Bevor es soweit ist, muss der MRT-Standort zum Hochfrequenzkäfig umgerüstet werden. Der ganze Bereich rund um das Gerät wird − "wie in einem Faraday"schen Käfig" − mit Metallplatten verkleidet. Sie schützen nicht nur Menschen, die beispielsweise einen Herzschrittmacher tragen und auf der Straße am Medikün vorbei gehen, vor den Hochfrequenzen des MRT. Auch der Kernspintomograf selbst ist geschützt vor störenden Frequenzen von außen. Denn jeder Lkw, der vorbeifährt, produziert ein elektromagnetisches Feld und könnte die hochsensible Medizintechnik stören. Um störungsfrei zu arbeiten, braucht der MRT zudem ein Kühlsystem. Das ist auf der Parkhausebene im Untergeschoss des Medikün untergebracht und kostete zwei Parkplätze. Denn nur wenn das Betriebssystem auf 273 Grad unter Null herabgekühlt wird, arbeitet der MRT optimal.
Patienten
Ab dem 1. Juli können Patienten in Künzelsau mit dem MRT untersucht werden. Dann nimmt die Radiologie Franken-Hohenlohe ihre Arbeit auf. Unter diesem Namen schließen sich die radiologische Praxis von Dr. Michael Marx in Öhringen und die Radiologische Gemeinschaftspraxis Neckarsulm zu einer überörtlichen Betriebsgemeinschaft zusammen und betreiben gemeinsam den MRT in Künzelsau. In der Anfangsphase werden pro Tag rund 20 bis 40 MRT-Untersuchungen möglich sein.
"Wir beginnen mit einem sieben- bis achtstündigen Betrieb pro Tag", so der Radiologe Witt. Das werde aber noch mehr, wenn das Team erst aufgebaut und eingespielt sei. Die beiden Praxen versorgen mit ihren Fachärzten auch die Krankenhäuser in Öhringen, Künzelsau und Löwenstein rund um die Uhr mit CT-Diagnostik.
MRT im Medikün
Der Künzelsauer MRT ist ein 1,5-Tesla-Gerät der Firma Siemens mit allen technischen Optionen dieser Geräteklasse und der Fähigkeit zur kardiologischen MRT-Diagnostik auch für Herzpatienten. Der Hauptanteil der Untersuchungen wird mit voraussichtlich 40 Prozent im Bereich der Orthopädie liegen. Die Wartezeiten für die Patienten schätzt Jürgen Witt zwischen zwei bis acht Wochen ein. Pro Tag wird in Künzelsau ein Viertel der Gerätekapazität für Notfälle freigehalten. Nach der Untersuchung wird der Befund immer in einem Arzt-Patienten-Gespräch geklärt. bug

Stimme.de
Kommentare
am 15.06.2010 12:57 Uhr
Mal sehen, wer am Ende die Zeche zahlt. Wäre interessant von der AOK Hohenlohe in einem Jahr zu erfahren, um wieviel Prozent sich die Kernspinuntersuchungen und Kosten für derartige Untersuchungen erhöht haben.