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Mulfingen

Theaterpremiere: Rein ins Gemüse, raus aus dem Gemüse

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Das Theater Hollenbach hat mit der Premiere von "Ab in den Container" mit Situationskomik und guter Darstellung überzeugt. Gleichwohl behandelt das Stück ein ernstes Thema.

Von unserem Redakteur Henry Doll
Tee und Kekse will Rentnerin Hermine zu den unmöglichsten Zeiten kaufen. Foto:
Tee und Kekse will Rentnerin Hermine zu den unmöglichsten Zeiten kaufen. Foto:  Foto: Henry Doll

Seit annähernd 40 Jahren wird in Hollenbach Theater gespielt. Die Entstehungsgeschichte des Theaters ist vergleichbar mit der anderer Laiengruppen: Einst sollte es leichte Unterhaltung für die Vereinsweihnachtsfeier geben. Das Theater Hollenbach ist dabei aber nicht stehen geblieben. Man hat sich selbst ein gewisses Niveau verordnet und greift auf die Hilfe professioneller Regisseure zurück. Dies verschafft der Gruppe, die jährlich wechselnd unter dem organisatorischen Dach des Liederkranzes und des FSV Hollenbach steht, eine gewisse Sonderstellung in der Szene. Unter der Regie von Hannes Hirth entstand in diesem Jahr eine Komödie mit viel Situationskomik und mit wohl gesetztem Sprachwitz.

"Ab in den Container" von Jutta Golitsch behandelt gleichwohl ein ernstes Thema, es geht um den Verteilungskampf in der Gesellschaft, um die immer weiter aufgehende Schere zwischen Arm und Reich.

Sautrog

Franz (Gerhard Sprügel) ist verliebt, Marlene (Sandra Weiß) gefällt das. Foto:
Franz (Gerhard Sprügel) ist verliebt, Marlene (Sandra Weiß) gefällt das. Foto:  Foto: Henry Doll

Klinkt spröde und moralinsauer, lässt sich aber lustig verpacken. Das gelingt durch Zuspitzung. Es geht um einen Container, der hinter dem Supermarkt von Filialleiter Andreas Mehlbichler (Heiko Rumm) aufgestellt ist. Dort hinein wandern Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Mit Bauer Anton Ripplinger (Rudi Schlecht) hat der Filialleiter einen Deal vereinbart: Der Bauer transportiert abends den vollen Container ab, verfüttert den Inhalt an die Schweine oder wirft ihn in seine Biogasanlage und stellt den Container gereinigt wieder zurück.

Das Hollenbacher Ensemble 2016/2017: Die Altersstruktur der Darsteller umfasst drei Generationen. "Ab in den Container" wird noch sieben weitere Male gezeigt. Foto:
Das Hollenbacher Ensemble 2016/2017: Die Altersstruktur der Darsteller umfasst drei Generationen. "Ab in den Container" wird noch sieben weitere Male gezeigt. Foto:  Foto: Henry Doll

Rentner Franz (Gerhard Sprügel), der dem Filialleiter als Hilfsarbeiter zur Hand geht, mag das nicht ohne Weiteres gutheißen: "Es hat Zeiten gegeben, da hätte man sich nicht vorstellen können, dass so ein gutes Essen im Sautrog landet", gibt er zu bedenken. Aber letztlich respektiert er die Entscheidung und nennt den Filialleiter, der vom Alter her sein Sohn sein könnte, unterwürfig "Chef". Der Zuschauer ist an dieser Stelle eingeladen, sich zu fragen, wieso einer, der 45 Jahre gearbeitet hat, als Rentner noch etwas dazuverdienen muss. Die Lebensmittel im Container locken über Nacht seltsame Vögel an. Da sind die beiden Ausreißerinnen Felicitas (Carla Hertlein) und Chantal (Sina Herrmann), die Küken der Hollenbacher Truppe. 

Die Mädchen kommunizieren in einer auf wenige Textbausteine reduzierten Jugendsprache, die fast schon eine Karikatur derselben ist. Felicitas trägt sogar eine zum Container passende Haarfarbe: Sie gehören irgendwie zusammen. Den Ausreißerinnen auf der Spur ist Nonne Colette (Birgit Herrmann). Sie wird angesichts des Überflusses im Container beinahe zur Revoluzzerin. Hinreißend inszeniert ihr "Vespergottesdienst". Ärger droht dem Filialleiter auch in Gestalt der wütenden Nachbarin Annegret (Margot Bader), die den Container am liebsten abfackeln würde, weil er ihre Nachtruhe stört. Und immer wieder heißt es: Ab in den Container beziehungsweise ins Gemüse, weil sich die Darsteller verstecken müssen.

Abstieg

Das Premierenpublikum in der vollbesetzten Dreschhalle bedachte die Aufführung mit viel Beifall. Zu Lachen gab es auch reichlich. Foto:
Das Premierenpublikum in der vollbesetzten Dreschhalle bedachte die Aufführung mit viel Beifall. Zu Lachen gab es auch reichlich. Foto:  Foto: Henry Doll

Penner Charly (Jochen Hertlein) brüstet sich damit, einst Bankfilialleiter gewesen zu sein. Um den verarmten Adligen Otto von Treyspitz (Ulrich Hartmann) herum tänzelnd, sinniert er darüber nach, dass das heute schnell geht: Von der einen Seite auf die andere. Mittelstand, sei dir nicht zu sicher.

Otto von Treyspitz bewahrt im Verteilungskampf immerhin den guten Ton: "Wenn Sie mal von dem Lachs runtergehen würden, ich glaube, der wäre was für mich." Polizistin Marlene (Sandra Weiß) soll schließlich Ordnung schaffen, ist aber auch als Eheberaterin gefragt, weil Kassierin Ingrid (Margot Busch) von ihrem Gatten verprügelt wird. Es gibt zudem zwei ins Stück eingeflochtene Liebesgeschichten und als "Running Gag" Rentnerin Hermine (Anneliese Schmidt), die immerzu Tee und Kekse kaufen will. Für wen sie Tee und Kekse braucht? Die Antwort sorgt in der Dreschhalle für einen weiteren Lacher.


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