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Künzelsau

Täglich ein Klistier

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Theater AG des Schlossgymnasiums Künzelsau beeindruckt mit Molières eingebildetem Kranken

Von Renate Mutschler-Schüz
Der eingebildete Kranke: "Mir geht"s so schlecht, dass mir die Worte dafür fehlen", klagt Hypochonder Argan.
Foto: Mutschler-Schüz
Der eingebildete Kranke: "Mir geht"s so schlecht, dass mir die Worte dafür fehlen", klagt Hypochonder Argan. Foto: Mutschler-Schüz  Foto: Mutschler-Schüz

Junge Leute und eine klassische Komödie? Das will im ersten Augenblick nicht so recht zusammenpassen. Im zweiten wohl.

Jüngstes Beispiel ist eine ambitionierte Aufführung der Theater AG des Schlossgymnasiums. Nach den Sommerferien neu zusammengefunden, haben junge Darsteller und Statisten, aber auch Souffleure, Bühnenhilfen und Licht- und Tontechniker unermüdliches Einstudieren und manches Probenwochenende auf sich genommen. Sie wollten eines der bekanntesten Lustspiele Molières auf die Bühne zu bringen: Der eingebildete Kranke.

Rührig

Unter den Fittichen der rührigen Kunstlehrerin Wichtrud Haag-Beckert ist ein zweistündiges komödiantisches Vergnügen voller Wortwitz und Situationskomik entstanden. "Für mich ist die Theater AG eine pädagogische Aufgabe. Die Schüler lernen dabei Dinge, die sie im ganzen Leben brauchen: Durchhaltevermögen, Verantwortungsbewusstsein und absolute Verlässlichkeit", erklärt Haag-Beckert.

Mit sicherem Gespür verteilt die erfahrene Pädagogin Rollen, kümmert sich um die Ausstattung und treibt originelle Requisiten auf, wie ein historisches Klistier aus dem Apothekenkeller. Ob Bühnenbild oder stilechte Kostüme: die Regisseurin sorgt bis ins Detail für eine stimmige Atmosphäre, in der sich das junge Ensemble nach Herzenslust ausbreiten kann.

"Mir geht"s so schlecht, dass mir die Worte dafür fehlen", klagt Hypochonder Argan (von Hauptdarsteller Leonardo Moll anerkennenswert gespielt) und man glaubt es ihm auf Anhieb. Der Leib schmerzt, die Galle drückt, Leber und Lunge plagen den sterbenskranken Mann, der einen Arzt nach dem anderen konsultiert. Quacksalbernd bereichern sich Scharen von Ärzten und Apothekern an Argan (Johannes Ehmann, Mara Nüllen, Kevin Klein) und verordnen allerlei wundersame Dinge.

Um die medizinische Betreuung zu gewährleisten, ist Argan entschlossen, seine Tochter Angélique (Franziska Kräutle) mit einem Arzt (einem absoluten Trottel) zu verheiraten. Ihr Herz aber ist bei Cléante (Francesca Rieger).

Kess

Als eifersüchtige, hinterhältige Erbschleicherin entpuppt sich Argans zweite Frau Béline (Ana Katarina Anric), die einzig das Vermögen des Ehemannes im Auge hat.

Mit gesundem Menschenverstand ausgestattet lenkt das kesse Hausmädchen Toinette (hervorragend von Lara Zeller gespielt) schlitzohrig die eigentlichen Geschicke. "Gnädiger Herr, vergesst nicht, dass ihr ohne Stock nicht gehen könnt", ironisiert sie und rettet schließlich das Familiendrama.

Die ansteckende Spielfreude der Darsteller (auch von Roman Kupper und Tara Madeleine Kotian) fasziniert und wird von den Zuschauern immer wieder mit kräftigem Szenenapplaus quittiert.

Erlebnis

Wie von einer ordentlichen Komödie erwartet, wendet sich auch auf der Schulbühne letztendlich alles zum Guten: Argan wird sein eigener Arzt und Angélique bekommt ihren Angebeteten. Aber nur unter einer Bedingung: dass auch er Arzt wird.

Ein Theatererlebnis, das niemand missen möchte.

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