Süße neue Nische für Wengerter
Im Öhringer Stadtteil Michelbach haben Harald und Armin Jakob bereits mit der Tafeltrauben-Ernte begonnen.

Großbeerig, sonnengelb und reif - so lachen einen die Tafeltrauben an, die Harald und Armin Jakob an diesem Nachmittag auf einem ehemaligen Acker in Michelbach ernten. "Das sind Centenial", sagt Harald Jakob. Eine von rund 20 Sorten, die die beiden Brüder seit gut zehn Jahren im Nebenerwerb anbauen. Bereits am 11. August haben sie mit der Ernte begonnen. "Rund drei Wochen früher als sonst", sagt Harald Jakob.
Noch etwas Zeit lassen können sich die Wein-Wengerter. "Wir starten vermutlich in der ersten Septemberwoche mit der Lese früher Sorten", sagt Hartmut Reichert, Kellermeister der Weinkellerei Hohenlohe in Adolzfurt, "eine bis anderthalb Wochen früher als im letzten Jahr."
Selbstvermarktung
"Unser Grundgedanke war, ein eigenes Produkt zu haben, von der Erzeugung bis zur Vermarktung", bringt Armin Jakob die Motivation für den Tafeltrauben-Anbau auf den Punkt. Das ist den Brüdern gelungen. Mittlerweile haben sie ihre Einstiegsfläche auf gut 30 Ar verzehnfacht.
Ihre Trauben vermarkten sie ab Hof und über Dorf- und Hofläden in Michelbach, Neufels, Gaisbach, Weißbach, eine Gärtnerei in Neuenstein sowie Raiffeisenmärkte in Ingelfingen und Öhringen. Montags und donnerstags liefern sie die kurz zuvor und immer vollreif geernteten Trauben aus. "Das ist wichtig, weil die Trauben nicht nachreifen", betont Harald Jakob. Bei der Vermarktung haben sie ortsbezogene Trends festgestellt, die sie sich allerdings nicht erklären können. So würden "in Michelbach vor allem kernlose, in Kirchensall blaue und in Weißbach weiße Trauben verlangt".

Eingestiegen sind die Brüder 2007. Los ging"s mit "rund 200 Stöcken auf etwa drei Ar" im großen Garten hinterm Haus an der Neuensteiner Steige. "Wir haben erstmal geschnuppert und zum Ausprobieren sehr viele Sorten angepflanzt", weiß Harald Jakob. Darunter Sorten wie Arkadia, Alta, Evita, Exalta, Nero und Vera. "Wir haben aber auch Jakobsberger, weil wir Jakob heißen und am Berg wohnen", sagt Armin Jakob und schmunzelt.
Als Hauptsorten haben sich mittlerweile Muscat bleu, Palatina und die kernlose Centenial herauskristallisiert. Nachdem sich der Start gut angelassen hat, sind 2011 weitere fünfeinhalb Ar im Garten von Armin Jakob dazugekommen, plus in den zwei Folgejahren Schritt für Schritt ein 25 Ar großer Acker am Ortsrand von Michelbach. "Wenn"s weiter so läuft, werden wir das noch etwas ausweiten", sagt Harald Jakob. Je nach Sorte können sie im Schnitt bis zu 130 Kilo pro Ar ernten.
Mehraufwand
Für die beiden Nebenerwerbs-Wengerter ist der Tafeltraubenanbau eine auch wirtschaftlich interessante Nische und Alternative zu ihren zwei Hektar Weinbergen, deren Trauben sie bei der Weinkellerei Hohenlohe abliefern. Dort liegt das Traubengeld bei rund einem Euro pro Kilo. Für ein Kilo Tafeltrauben, die sie im SB-Kühlschrank ab Hof verkaufen, verlangen sie 2,60 Euro. "Wie unsere Abnehmer sie verkaufen, liegt in deren Hand", sagt Harald Jakob. Zusätzlich zu den Trauben verkaufen sie auch selbstgepressten Traubensaft.
"Man muss aber auch sehen, dass eine Tafeltrauben-Anlage dreimal so viel kostet wie ein normaler Weinberg und wir einen deutlichen Mehraufwand haben", betont Jakob. So sind alle ihre Anlagen mit einer drucklosen Tröpfchenbewässerung, Heizstäben und Schutznetzen ausgestattet. Dazu kommt der Mehraufwand für intensivere Laubarbeit, mechanische Unkrautbekämpfung, die selektive Ernte in bis zu sechs Durchgängen, um nur vollreife Trauben zu ernten, sowie der Aufwand für die Vermarktung.
"Unterm Strich werden wir für den Mehraufwand gut entschädigt, aber für mich ist das auch eine Art Hobby", sagt Harald Jakob. Probleme mit Traubenklau? "Eigentlich nicht, und auch die Kasse im Hof stimmt immer", freut sich Jakob. Auch die tierischen Gäste auf dem Traubenacker würden keine großen Schäden anrichten. "Ab und zu pickt der Fuchs ein paar Beerle, Rebhühner löschen an der Bewässerung ihren Durst und Waschbären spielen mit den Wespenfallen", sagt er und grinst. Noch einen "leckeren Tipp" hat Harald Jakobs Partnerin Brigitte Schierle parat: "Man kann einzelne Beerle einfrieren und damit Sekt und Cocktails aufpeppen."
Stimme.de
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