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Krautheim

Steine sorgen für Strömung

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Ein Teil der Jagst zwischen Krautheim und Klepsau soll schneller und natürlicher fließen.

von Nadine Nowara
Der Bagger muss durchs tiefe Wasser, um Steine und Pflanzen umzusetzen. Die Steine klopft er mit einem Stoß fest, denn sie sollen nicht im Flussbeet herumrollen, sondern die Jagst in Schwung bringen.
Fotos: Nadine Nowara
Der Bagger muss durchs tiefe Wasser, um Steine und Pflanzen umzusetzen. Die Steine klopft er mit einem Stoß fest, denn sie sollen nicht im Flussbeet herumrollen, sondern die Jagst in Schwung bringen. Fotos: Nadine Nowara  Foto: Nowara, Nadine

Ruhig ist es an der Jagst beim Radweg zwischen Krautheim und Klepsau, doch bald wird es etwas belebter werden. Der Fluss soll an dieser Stelle schneller fließen. Und dafür braucht es ökologische Nachhilfe.

Mit einem Bagger wurden in der vergangenen Woche auf der linken Uferseite in Fließrichtung auf einer Länge von 150 Metern Steine abgetragen und in den Fluss als sichelförmige Buhne versetzt, erklärt Petra Kuch, Technikerin für den Bereich Gewässerökologie. Da die Jagst dadurch weniger Platz hat, drücken sich die Wassermengen an den engeren Stellen schneller voran. In Wasserpflanzen und Wurzelstöcken sollen die Fische laichen können.

Der Fischnachwuchs soll sich im Kies verstecken können

Durch die Varianz der Strömungen und der Wassertiefe soll ein attraktiver Lebensraum für Fische und andere Flusslebewesen entstehen. So kann sich der Nachwuchs im Kies verstecken, Fischarten wie die Barbe, brauchen hingegen ein sprudeligeres Gewässer. Die Groppe andererseits ist schwimmschwach und braucht es ruhiger. "Wir geben der Jagst Starthilfe", sagt Kuch. Wie sich die Eigendynamik des Flusses entwickelt, und ob sich vermehrt Fischarten ansiedeln, wird in Jahren erst sichtbar werden.

Das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Regierungspräsidium Stuttgart, ist zuständig für die Maßnahme, die Teil des Aktionsprogramms Jagst ist. Die Kosten liegen bei voraussichtlich 10 000 bis 15 000 Euro. Doch bevor es ans Baggern ging, mussten die Fische und Muscheln aus dem Arbeitsbereich entfernt werden. Dafür wurden die Fische mit einem Gerät elektrisch betäubt und dann mit einem Köcher eingefangen, erläutert der Biologe Benjamin Honner.

Buhnen verengen die Flussbreite. Dadurch kommt die Jagst in Schwung.
Buhnen verengen die Flussbreite. Dadurch kommt die Jagst in Schwung.  Foto: Nowara, Nadine

In dem Jagstabschnitt leben unter anderem Barbe, Aale und Welse. Darüber hinaus lassen sich auch Süßwassermuscheln wie die Bachmuschel oder die asiatische Körbchenmuschel finde. "Hier ist ein Flora-Fauna-Gebiet und damit ein Naturschutzgebiet", so Honner. Die schützenswerten Lebewesen sollen nicht gestört werden. Da aktuell weder Laich- noch Schon- oder Brutzeit ist, konnte die Maßnahme jetzt im Herbst stattfinden. Im Winter wäre der Wasserstand mit bis zu zwei Metern für die Arbeiten zu hoch, fügt Koch hinzu. Der Bagger schafft noch die aktuellen 1,30 Meter.

Der Jagst weist eine gute Artenvielfalt auf

Ein ökologisch gutes Gewässer zeichnet sich aus durch ausreichend Wasserpflanzen, Fische, tierische und pflanzliche Kleinstlebewesen und die chemische Gewässerqualität. Den von der EU-Wasserrahmenrichtline geforderten Zustand erreichen die meisten Flüsse in Baden-Württemberg nicht. "Die Jagst ist mäßig belastet", sagt Honner. "Sie weist erhöhte Phosphat und Nitratwerte wegen der Landwirtschaft aus." Trotzdem sei die Jagst eine "Perle" wegen der hohen Artenvielfalt, hebt der Biologe hervor. An und in ihr leben neben den verschiedenen Fisch- und Muschelarte unter anderem auch Eisvögel, Graureiher, Weißstörche und Fledermäuse. Ein Biberbau ist gleich nebenan.

"Die Jagst ist durch die Begradigung in ein Korsett gezwängt geworden", sagt Koch. Denn würde man der Natur freien Lauf lassen, würde sie entlang der Landstraße laufen.

 
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