Solider Sommer
Die 31. Kultursommer-Saison endet am 1. Oktober. Warum das Musikfest auf Schloss Weikersheim das zweite Jahr in Folge schwächelt, darüber rätselt der Veranstalter.

Es war eine historische Kultursommer-Saison. Nicht, weil sie besser oder schlechter gelaufen ist als sonst. Im Gegenteil, 2017 blieb meist alles beim Alten: Besucherzahlen um die 13 500 und eine durchschnittliche Auslastung von rund 80 Prozent.
Doch eines gab es in diesem Jahr, das es in den vergangenen 25 Jahren Hohenloher Kultursommer nie gab - nämlich, dass das Hauptkonzert beim Musikfest auf Schloss Weikersheim abgebrochen werden musste.
Regen und Windböen
"Es hat schon um 18 Uhr genieselt", berichtet Marcus Meyer, Geschäftsführer der Kulturstiftung Hohenlohe. Starke Windböen haben es zudem nötig gemacht, eine Seite der Bühne offen zu lassen.
"Irgendwann hat der Regen richtig rein gepeitscht", sagt Meyer. Da sei einem der Violinisten der Russischen Kammerphilharmonie das Wasser nur so hinten am Frack runtergelaufen. Nach 50 Minuten Konzert war endgültig Schluss.
"Irgendwann musste das mal kommen", sagt Meyer, schließlich habe man 25 Jahre Glück gehabt. Entsprechend blieb aber auch der Besucherandrang hinter den Erwartungen zurück. Etwa 500 Zuhörer habe man im Vergleich zu guten Jahren eingebüßt.
Bereits 2016 schwächelte das Musikfest. Das hatten sich die Verantwortlichen mit dem EM-Viertelfinale der Deutschen Fußballnationalmannschaft und einer vorangegangenen Schlechtwetterphase erklärt.
Mozart soll es richten
"Kommendes Jahr wollen wir es mit einem sehr populären Programm versuchen", zeigt Meyer sich optimistisch. Bisher lautet der Arbeitstitel "Ein Fest mit den Mozarts". Bleibt abzuwarten, ob das einstige Wunderkind dem Musikfest zum Aufschwung verhilft.
Konzert und Kuchen
Einzelne Überraschungen gebe es aber immer wieder. So seien die Konzerte des Concertino Ensembles in Gaggstatt immer voll: Besucher kämen teils schon am frühen Mittag, um den selbstgebackenen Kuchen der Kirchengemeindemitglieder zu genießen, erzählt Meyer.
Das habe sich so weit rumgesprochen, dass inzwischen ganze Reisebus-Gruppen - dieses Mal aus Karlsruhe - zu Kuchen und Konzert in den Kirchberger Teilort kommen.
Überrascht habe Meyer aber auch, dass nur 40 Menschen Neobarock in Niederstetten hören wollten. Als das Ensemble das letzte Mal beim Kultursommer auftrat, sei die Kirche aus allen Nähten geplatzt. "Das kann man sich manchmal nur schwer erklären."
Brass als Überflieger
Überflieger 2017 waren für Marcus Meyer die Brass-Ensembles, die "sensationellen Zulauf" hatten. Allen voran Tine Thing Helseth & Ten Thing, die im August den Niedernhaller Kelterhof mit rund 400 Besuchern bis zum Anschlag füllten.
Dort möchte Meyer die noch junge Erfolgsgeschichte von Brass und Kelter - erst zum zweiten Mal war die Spielstätte dabei - weiter fortsetzen. Mit Canadian Brass soll eines der erfolgreichsten Bläserquintette weltweit an den Kocher kommen.
Marke knacken
Über kurz oder lang will Marcus Meyer die 15000-Besucher-Marke knacken. Aber nicht auf Teufel komm raus, betont er. "Mit großen Namen in großen Sälen könnte man das dahingehend steuern", sagt er. Aber wir wollen vor allem ein gutes Programm abliefern, das zum Konzept des Festivals mit seinen historischen Spielstätten passt.
Ausblick
Die nächste Kultursommer-Saison dauert voraussichtlich vom 2. Juni bis 30. September 2018. Der Vorverkauf startet Ende Januar.
Erste Künstler stehen bereits fest: Harfenistin Silke Aichhorn wird mit dem Württembergischen Kammerorchester musizieren, Blockflötist Stefan Temmingh soll mit Dorothee Mields und der Lautten Compagney Berlin auftreten und mit Herbert Schuch, Spark sowie Trompeter Gábor Boldoczki mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim kommen wohl weitere Bekannte zurück nach Hohenlohe.
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