Bademeister Alfred Ziegler: Sein halbes Leben hat er im Freibad verbracht
Nach fast 45 Jahren in Untersteinbach geht Bademeister Alfred Ziegler geht in Ruhestand. Rückblickend stellt er fest: "Früher war der Bademeister eine Respektsperson." Warum Ziegler sich mit Wehmut verabschiedet.

Schlägereien, Pöbeleien oder Belästigungen in Freibädern auch in der Region: Man könnte meinen, Alfred Ziegler atmet auf, wenn die diesjährige Freibadsaison zu Ende geht und der Untersteinbacher Bademeister in den Ruhestand gehen darf. Doch davon kann keine Rede sein. "Ich gehe mit Wehmut" bekräftigt der 64-Jährige: "Ich habe es gerne gemacht und selbst wenn es mal Stress gab war jeder Tag anders und schön." Es sei fast schon sein Bad, meint seine Partnerin und Helferin Heidi Krull-Maid. Schon alleine weil es seine 45. Saison ist und vor allem weil er sich mit viel Herzblut eingesetzt habe.
Geholfen hat er vielen, doch seine erste Rettung war nicht im Untersteinbacher Bad. "Einmal im Jahr wurde der Gleichener Feuersee geputzt und wir haben dort immer Molche gefangen", erklärt der gebürtige Gleichener. Als ein Schulfreund - "damals waren wir vielleicht zwölf oder 13 Jahre" in den See rutschte, zog Ziegler ihn heraus.
Bademeister erinnert sich: "Ich wollte als Rettungssanitäter zum Roten Kreuz"
Bevor der Pfedelbacher am 1. Juni 1979 seinen Dienst im Freibad antrat, wechselten dort oft die Bademeister. Der damals frisch ausgelernte Maurer wollte die Bademeistertätigkeit nur übergangsweise ausüben. "Ich wollte als Rettungssanitäter zum Roten Kreuz", erinnert er sich. Bei der Arbeit mit Menschen ist es geblieben, allerdings hat er die Badekluft seitdem nicht mehr an den Nagel gehängt. "Ich habe sehr schnell Kontakte geknüpft", schildert er. Die Einheimischen hätten ihn schnell aufgenommen.
Besonders zu den Campern, die neben dem Freibad ihre Zelte aufgeschlagen haben, hat er schnell Kontakt geknüpft; es sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten. Denn das Leben zwischen Mai und September spielte sich eben im Bad ab. Ein freier Tag die Woche, mehr nicht, so ein Leben muss man wollen und auch die Familie muss es mittragen. Dafür werde man von den Kindern auch mal zum Bürgermeister oder Waldmeister erkoren, erzählt er lachend.
Schwimmausbildung für Generationen von Badegästen
Als Quereinsteiger hat er sich das Wissen vor allem rund um die Technik in rund 40 Lehrgängen angeeignet. Die Bademeistertauglichkeit wird regelmäßig überprüft, genauso wie die Erste-Hilfe-Kenntnisse. Das Bad ist seitdem zweimal renoviert worden, vor allem, was die Technik angeht. Die Liegewiese ist beachtlich gewachsen und die Umgebung ums Freibad mit dem Biergarten und dem Spielplatz hat das ganze Gebiet belebt. Geblieben ist das Publikum, das sich kennt. "Dieses Jahr sind auch einige Besucher aus Michelbach dazugekommen, weil dort das Freibad geschlossen hat", ergänzt Ziegler, aber auch jene lerne man schnell kennen.
Zu seinem Steckenpferd ist die Schwimmausbildung geworden. Viele Untersteinbacher, die ihre ersten Schwimmzüge bei ihm gemacht hätten, kämen inzwischen mit ihren Kindern. Ob er ein strenger Lehrer sei? Der Untersteinbacher überlegt. Er glaubt nicht, doch Regeln sind wichtig, damit eben niemand zu Schaden komme. Auch im Bad. "Es sind Sachen passiert, aber niemand ist im Bad gestorben", ergänzt er und macht eine Pause. Man weiß, wo man aufpassen müsse und entwickele auch ein Gespür auf welche Gäste man achten muss. Wichtig für jemanden, der den Überblick über rund 1500 Badegäste am Tag behalten muss. Das ist mehr als in den vergangenen Jahren, aber weniger als früher. PC, viele Hobbys und natürlich die Pools zu Hause, all das habe das Badeverhalten verändert.
Kein Sicherheitsdienst nötig
Auch bei so vielen Besuchern lief die Saison weitestgehend friedlich. Von einem Sicherheitsdienst, wie er an vollen Tagen nun in Öhringen eingesetzt wird, ist man noch weit entfernt. Dennoch: Die Stimmung hat sich gewandelt. "Früher war der Bademeister eine Respektsperson. Ein Blick hat gereicht", so der 64-Jährige. Nun wird oft diskutiert - nicht nur unter Jugendlichen. "Dabei meint man es nur gut", sagt er schulterzuckend. Wenn ein Kind alleine die Rutsche runterklettert und auf den Kopf fällt, sei es eben gefährlich, nennt er ein Beispiel.
Ganz kann er es aber doch nicht lassen. So wird man ihn in Zukunft zum Teil als Aushilfe sehen. Und auch nach der Badesaison, bleibt er seinem Element treu. Mallorca ist das Ziel: "Ich brauche halt das Wasser." Und auch dort hat er immer ein wachses Auge, verrät Lebensgefährtin Heidi Krull-Maid. Wer einmal ein Bademeister ist, der ist eben immer Bademeister.
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