„Roter Ochse“ läuft künftig in neuem Geschirr
hall Im Museumsgasthof Wackershofen steht nach 20 Jahren ein Pächterwechsel an

Freiwillig gibt man so etwas nicht auf“, sagt Inge Scholz. Seit der Eröffnung 1986 ist sie die Wirtin im „roten Ochsen“, dem Gasthof im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen. Mit ihrem Mann Karl war sie damals aus Pfedelbach-Gleichen nach Wackershofen gekommen. Zum Jahresende 2006 hat sie ihren Pachtvertrag mit dem Museumsverein gekündigt.
Wenn sie nicht freiwillig geht: Wer oder was hat sie vertrieben? „Die hohe Pacht“, sagt Inge Scholz: „Pacht und Nebenkosten entsprechen nicht mehr der heutigen Zeit.“ Die Kosten und die gesetzlichen Auflagen seien stetig gestiegen, lautet ihr Argument. So habe sie bei der allgemeinen Preiserhöhung der Gastronomie nach Einführung des Euro im Januar 2002 nicht mitgemachtet, sagt die Wirtin und klagt: „Das kann man aber auf Dauer nicht halten.“
Außerdem: Was der Gast am „roten Ochsen“ schätze, bedeute für die Wirtin und ihr Personal zusätzlichen Aufwand. Zum Beispiel die langen Wege in dem historischen Gemäuer mit seinen vielen Räumen. „Mir bleibt kein Geld für Sonderinvestitionen“, zieht Inge Scholz Bilanz. Ob neue Kaffeemaschine oder moderne Warmhalteboxen fürs Catering - wichtige Anschaffungen seien nicht möglich.
Mit Museumsleiter Albrecht Bedal und dem Vorsitzenden des Museumsvereins, dem Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, habe sie über einen Nachlass verhandelt, berichtet Inge Scholz. Vergebens.
„Die Pacht ist durchaus im Rahmen“, hält ihr Museumsleiter Bedal entgegen. Der Vorwurf, der Museumsverein würde mit überzogenen Forderungen den Gastronomiebetrieb abwürgen, sei „völliger Unsinn“. Beleg dafür, dass er mit seiner Einschätzung richtig liegt, ist für Albrecht Bedal die Tatsache, dass es knapp 20 Interessenten für die Nachfolge von Inge Scholz gibt. Die Kandidaten kämen nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland.
Der „rote Ochse“ ist seit zwei Jahrzehnten eine feste Größe im Hohenloher Freilandmuseum - obwohl der Eingang zum Gasthof außerhalb des Museumsdorfs liegt und das Wirtshaus auch zu Zeiten geöffnet hat, wenn das Freilandmuseum geschlossen ist. „Gasthaus und Museum sind für die Wahrnehmung nach außen eine Einheit“, sagt Albrecht Bedal.
Dennoch habe sie bei den Menschen im unmittelbaren Haller Umland einen schweren Stand gehabt, berichtet Inge Scholz: „Die meisten Gäste kamen aus dem Raum Öhringen, Künzelsau und Heilbronn.“
Während die Wirtin noch nicht weiß, wie es für sie nach dem 1. Januar 2007 weitergeht, steht in Wackershofen schon in Kürze die Zukunftsentscheidung für den Museumsgasthof an. Anfang November werde der Museumsverein entscheiden, wer neuer Pächter wird, berichtet Museumsleiter Albrecht Bedal.
Im Januar und Februar bleibt der historische Gasthof wie in den Vorjahren geschlossen. Albrecht Bedal geht davon aus, „dass der ,rote Ochse’ im März unter neuer Leitung wieder geöffnet wird.“
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