Redner beim VR-Agrartag in Gaisbach machen Mut für kreative Ideen auf dem Hof
Beim VR-Agrartag in Gaisbach warnen die Redner vor einer Abkehr vom Transformationsprozess. Landwirte sollen ihr Tun transparenter machen.

Mutig und neugierig sein, neue Wege gehen, Dinge tun, für die man brennt, Fehler zulassen, achtsam kommunizieren - was sich anhört wie Sätze von einem Motivations- und Selfcare-Seminar ist Bestandteil des VR-Agrartags der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Carmen-Würth-Forum in Gaisbach. Rund 350 Landwirte und Vertreter der Banken waren gekommen, um über Nachhaltigkeit und die Zukunft der Landwirtschaft zu diskutieren.
Zuversichtliche Stimmung trotz der Krisen
Und trotz großer Herausforderungen wie Verfügbarkeit- und Bezahlbarkeit von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, vor dem Hintergrund hoher Energiepreise und gestörter Lieferketten ist die Stimmung im Saal eine zuversichtliche.
Referenten sprechen zu Nachhaltigkeit
Das liegt auch an den drei Impulsvorträgen der Referenten. Sie zeigen, dass Nachhaltigkeit viele Facetten hat. So spricht Thomas Karle, Land- und Energiewirt aus Kupferzell-Füßbach, von Kreislaufwirtschaft, die Ressourcen schont. Rolf Brauch, der über Jahrzehnte als Seelsorger und Ratgeber bäuerliche Familien in Konfliktsituationen beraten hat, zeigt Wege auf, wie die Hofnachfolge glücken kann.

Südtiroler zieht Parallelen
Aus Südtirol ist Alfred Strigl angereist. Er ist Dozent an der Universität für Bodenkultur Wien und ein mitreißender Visionär, nicht nur in Sachen Umweltmanagement, sondern auch mit Blick auf die Persönlichkeitsentwicklung der Landwirte. Den Weg vom Veredelungsbetrieb hin zu einer großen Biogasanlage und der Firma Agro Energie Hohenlohe, die aus den Reststoffen der Biogasanlage wertvollen Dünger für die Ackerflächen macht, beschreibt Thomas Karle. Wann es bei ihm Klick gemacht habe, dass er die ausgetretenen Pfade verlassen will, fragt der Moderator des Tags.
Eigenen Weg finden
Klick gemacht habe es nicht, erklärt Thomas Karle. Vielmehr sei es ein Prozess gewesen. Er habe viel mit seiner Frau diskutiert, habe Lust auf Neues gehabt. Bioenergie habe ihn schon immer fasziniert. Dazu der Gedanke, aus Abfall Energie zu machen. "Hört auf Euer Herz, findet heraus, was ihr gern macht", gibt er seine Erfahrung an die Zuhörer weiter und ergänzt: "Ich habe auch einige Zeit gebraucht, um mich freizuschwimmen." Regionale und ökologische Werte schaffen, das ist ihm ein Anliegen. Er gehe auch gerne auf Konferenzen. "Es gibt so tolle Beispiele, von denen man sich etwas abschauen kann."
Den Jungen vertrauen
Dass man der jungen Generation nicht erst mit 70 den Hof übergeben sollte, das machen Brauch und Strigl deutlich. Warum zögern, dem 28-Jährigen, der in vollem Saft stehe und den man nicht mehr vom Traktor bekomme, den Hof zu übergeben? Das will Brauch wissen und rät: Ihn sollte man in Verantwortung gehen lassen, ihn dabei beraten und unterstützen, aber auch einen großen Vertrauensvorschuss mit auf den Weg geben. "Wer sonntags noch pflügt, der hat zuviel Hektar", formuliert Brauch drastisch. Wichtiger als ständig zu schaffen sei, miteinander zu reden, gemeinsam Lösungen zu suchen.
Richtige Formen finden
Und noch ein Tipp des Experten: "Schaut Euch die Geschichte vom Ende an. Kalkuliert das Scheitern mit ein. Findet Rechtsformen für Eure Betriebe, die ihr durchschaut." "Wir sind Mitgestalter der Zukunft", erklärt Egon Busam, Vizepräsident vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband. Die Landwirte seien nicht länger Opfer des Systems, sondern wollten die Zukunft aktiv mit gestalten. Hauswirtschaft müsse künftig wieder ein Unterrichtsfach an Schulen sein, meint er.
Den Hof öffnen
Jürgen Maurer, Vorstand vom Landesbauernverband Baden-Württemberg, fordert seine Berufskollegen auf, die Höfe zu öffnen, mit Transparenz Verständnis zu schaffen. Die Konzepte müssten besser bekannt gemacht werden. Er selbst sei im Franz-Programm. Das sorgt für mehr Biodiversität auf den Feldern.
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