Ohrnberger haben ein Händchen fürs Grüne
dem Öhringer Ortsteil, wo Kocher und Ohrn zusammenfließen, ist die Natur ganz nah

Vor sechs Jahren sind Karin und Siegfried Friedmann von Reutlingen nach Ohrnberg gezogen. Für die Städter in mehrfacher Hinsicht ein Eintritt in totales Neuland. 644 Einwohner zählt der kleine Öhringer Stadtteil am Kocher. „Es ist sehr, sehr ruhig hier in Ohrnberg“, zieht Karin Friedmann ein knappes Fazit. Während sie der Beschaulichkeit viel Positives abgewinnt, vermisst sie vor allem grundsätzliche Einkaufsmöglichkeiten. „Wir haben keine Post, keinen Friseur, keinen Bäcker, keinen Metzger - nur einen kleinen Getränkeladen gibt es hier.“ Dafür hat sie sich in ihrem Garten ein kleines Paradies geschaffen. Dahlien, Astern und Margeriten blühen. Im Gemüsebeet strecken erntereife Karotten ihre Köpfe aus der Erde, und das Kräuterbeet verströmt aromatische Düfte. Stolz erklärt die Hobbygärtnerin: „Der Unterschied zum Supermarktgemüse ist unbeschreiblich.“
Wirtschaft Ortsvorsteher Alfred Hirth bedauert das handwerkliche Ausbluten des Ortes als Folge des Strukturwandels der letzten Jahrzehnte. „Wir hatten früher Schuster, Schmied, Schneider und Wagner“, sagt Hirth. Umso mehr freut er sich über die heute rund 30 Selbstständigen in Ohrnberg vom Abkantmaschinenhersteller bis zum Designermöbelschreiner. „Sehr froh sind wir, dass wir seit letztem Winter wieder eine Wirtschaft haben, das Sonnenstüble.“
Kinderparadies Als Paradies für Kinder erlebt Olga Rung den über 1200 Jahre alten Ort. Rund 40 Kinder besuchen den städtischen Kindergarten in Ohrnberg. Spielen und unterwegs sein im Freien, sagt die 43-jährige Erzieherin, sei für die Kleinen das Größte. Das goldene Oktoberwetter der letzten Tage wird für viele Abenteuer in der Natur genutzt. „Diese Woche werden wir noch Kastanien sammeln, Apfelsaft pressen steht auf dem Programm, und wir basteln Drachen.“
Rohrbruch Überhaupt zeigt sich Ohrnberg in den ersten Herbsttagen ausgesprochen geschäftig. Der alte Ortskern ist eine einzige Baustelle und eine weitere Grube wird hinzukommen, erklärt Eugen Illi vom Wasserwerk Öhringen. Der Grund ist eine undichte Wasserleitung, die Illi unterhalb der Sindringer Straße geortet hat. 30 Kubikmeter Wasser versickern so täglich im Erdreich. „Da führt kein Weg dran vorbei“, sagt er, „die Straße wird aufgemacht.“
Mosten Auf die letzte Runde im diesjährigen Mosten stellt sich Emi Blanck ein. Im Keller des einstigen Rathauses steht die Presse an den Wochenenden nicht still. Ohrnberger und etliche Auswärtige verarbeiten hier ihre Apfel- und Birnenernte. „Sechs Zentner haben wir bereits zu 200 Litern Apfelsaft vermostet“, erzählt sie. Die Resternte ist fürs 100-Liter-Fass und die Vergärung bestimmt. „Das reinste Paradies“, sagt sie. „Aber es kommt nicht von allein. Man muss auch dafür schaffen!“




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