Kinder kamen zehn Tage kostenlos ins Öhringer Freibad
Kostenlos ins Freibad gehen: Das konnten Kinder und Jugendliche zehn Tage lang im H2Ö in Öhringen. Den Eltern gefällt die Premiere dieser Familienförderung, aber ausgerechnet die treuesten Kunden profitieren nicht davon. Die Aktion zog auch jugendliche Störenfriede an.

Kostenlos ins Freibad gehen: Das konnten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zehn Tage lang im H2Ö in Öhringen. Die Sonderaktion der Stadtverwaltung sollte eine kleine Entschädigung dafür sein, dass im Winter das Hallenbad geschlossen gewesen war - und auch wieder mehr Kinder, die noch schwimmen lernen müssen, unter den wachsamen Augen der Bademeister ans Wasser führen. Die HZ hat sich am Samstagnachmittag umgehört, wie der freie Eintritt unter Familien und Jugendlichen ankam.

Gleich dreifach vertreten ist die Kinderschar von Pascal und Sophie Grund aus Neuenstein-Eschelbach: Merle (7) kann schon schwimmen, Aaron (5) und Frieda (3) plantschen. Eigentlich besuchen sie gerne das Freibad in Michelbach, aber das hat dieses Jahr zu. Vom freien Eintritt in Öhringen profitieren sie aber nicht: "Wir haben eine Jahreskarte, deshalb ist das an uns vorbeigegangen", betont der 37-jährige Familienvater. Allerdings begrüßt er die Aktion und hält sie für ausbaufähig: "Ich finde, dass man Familien mehr fördern kann." Das Schwimmenlernen ihrer ältesten Tochter "war schwierig zu gestalten" in der Corona-Zeit. Letztlich haben sie es ihr selbst beigebracht, ohne Schwimmkurs. Doch seitdem es wieder geht, schwimmt Merle im Verein bei der TSG.
Eine Clique Jugendlicher spart kräftig
Richtig gespart haben Said und seine Kumpel: Die Clique hat mit 15 Jugendlichen die Liegewiese geentert. Manche haben auch Dauerkarten, aber Said ist extra aus Schwäbisch Hall angereist. Er lobt die "schöne Umgebung" des H2Ö und findet das Angebot "schön für Leute, die es sich sonst nicht leisten können." Er fragt sich: "Warum macht man es nicht für immer so?"
Im Laufe des Gesprächs wird allerdings deutlich, dass sich die Gruppe weniger dem Wassersport widmet als diversen Aktivitäten auf der Liegewiese, die nicht unbedingt immer im Einklang mit der Hausordnung des Schwimmbads stehen: Viermal waren sie schon hier während des Aktionszeitraums - und bislang sind sie jeden Tag noch vor Badeschluss rausgeflogen.
Für die Bademeister ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten
"Es kommen gerade jetzt hauptsächlich Störenfriede, die man sonst nicht hat", führt ein Bademeister aus. "Die, die was taugen, haben eine Saisonkarte." Das Aufsichtspersonal sei am Limit des Leistbaren, Verstärkung im Aktionszeitraum gab es nicht. Da gehe es ja nicht nur um die Disziplin, sondern auch um Aufmerksamkeit fürs Geschehen im Wasser: Kinder schwimmen noch nicht so sicher wie Erwachsene. So kümmert sich der Schwimmmeister rührig darum, zwei Kindern aus Moldawien und der Ukraine den Kopfsprung am Startblock beizubringen. Sie profitieren sehr vom freien Eintritt. Auch für Touristen sei er verlockend. Eine Familie aus Karlsruhe habe Luftsprünge gemacht vor Freude, erzählt die Frau im Kassenhäuschen.
Viktoria Aman-Puscas, Hüterin der Öhringer Stadtkasse, weiß aus privater Beobachtung: "Das Polizeiaufkommen war erhöht." Für ihre Kinder sei das spannend. Besorgniserregend fand sie es nicht: Oft ging es um Kleinigkeiten. Und die Polizei sei immer schnell da. "Und das gab es ja schon immer." Ihre Kinder haben jedenfalls von der Aktion profitiert: Samuel (12) und Alissa (10) haben keine Dauerkarte - und die Kinder waren jeden zweiten Tag da, hatten sich extra mit Freunden verabredet.
Teilnehmer der Aktion wurden nicht gezählt
Wie viele Kinder haben denn nun in den zehn Tagen kostenlos Zugang zum Öhringer Freibad gehabt? Das hat niemand gezählt, gibt Betriebsleiter Christian Hanselmann zu. "Wir haben es so einfach gemacht wie möglich: Wer den Ausweis oder Schülerausweis gezeigt hat, kam rein." Der Bademeister resümiert: "Am Anfang hat die Aktion viele angezogen, insgesamt dann aber nicht mehr so" - wobei auch Tage mit schlechtem Wetter dazwischen lagen und gegen Mitte der Sommerferien häufig die meisten Leute verreist seien. Am Kassenhäuschen heißt es: Die Besucherzahlen entsprachen grob dem üblichen Wert.
Eines kann Bäderbetriebs-Leiter Christian Hanselmann versprechen: Hallenbad und Sauna öffnen wieder im Winter. "Da gebe ich Ihnen 100 Prozent Garantie." Im vergangenen Winter blieb das Rendelbad aus Energiespar-Gründen geschlossen. Am Dienstag nach den Sommerferien geht es los, 12. September. Zuvor hat das Freibad am Sonntag, 10. September, seinen letzten Öffnungstag. Saisonkarten für das Hallenbad gibt es nicht mehr, für Stammgäste werden aber Mehrfachkarten mit zehn und 30 Besuchen angeboten.
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