Oberohrn schluckt die Fluten nicht

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Geplanter Hochwasserschutzdamm bei Cappel

Von Peter Hohl

Seit dem Jahrhunderthochwasser 1993 arbeitet die Stadt Öhringen an einem verbesserten Hochwasserschutz. Krönung und Schlussstein des Konzepts soll das Rückhaltebecken zwischen Cappel und Oberohrn werden. Weil Oberohrn Teilort von Pfedelbach ist, hat die Große Kreisstadt die Nachbargemeinde von Anfang an in die Planung eingebunden. Vor vier Jahren, im Januar 2000, bekamen die Oberohrner erstmals die Öhringer Pläne zu Gesicht - und seitdem gehen die Meinungen weit auseinander.

Die Oberohrner hätten sich einen so genannten Straßendamm gewünscht, der auch den Söllbach ins Staugebiet mit einbezieht. Der Öhringer Gemeinderat hingegen hat im Mai 2000 einen sechs Meter hohen Damm beschlossen, der von der Landesstraße in Höhe der Dachdeckerei Kahnt über Felder, Wiesen und die Ohrn hinweg verläuft.

Das Planfeststellungsverfahren wurde eingeleitet, die Gemeinde Pfedelbach war um ihre Stellungnahme gefragt. Auf dringlichen Wunsch aus dem Oberohrner Ortschaftsrat forderten die Pfedelbacher immer wieder Nachbesserungen an den Öhringer Plänen, zuletzt Anfang Juli 2003. "Aus unserer Sicht sind die Forderungen jetzt erfüllt", sagt Bürgermeister Torsten Kunkel: "Mein Ziel ist die Zustimmung."

Der Oberohrner Ortschaftsrat sieht dies ganz anders. "Ich würde niemals zustimmen", sagt Sigfried Weippert. Sein Ratskollege Klaus Meißner nennt den Grund: "Es geht hier um Flickschusterei und sonst gar nichts." Selbst Klaus Mayer, der sich um einen Kompromiss bemüht, ist überzeugt: "Unser Vorschlag war der bessere." Drei weitere Ortschaftsräte sind als betroffene Grundstücksbesitzer befangen und dürfen nicht mitdiskutieren.

Wichtigster Kritikpunkt der Oberohrner: Die Öhringer Pläne hätten sich gegenüber der ursprünglichen Konzeption wesentlich geändert. Die eingestaute Fläche sei von 13,6 auf 19,1 Hektar erweitert worden. Weitere Grundstücke seien in den Staubereich gekommen. Weil das Planfeststellungsverfahren jedoch weit fortgeschritten sei, hätten die Betroffenen keine Einspruchsmöglichkeit mehr. Ihnen bleibe nur noch der teure Klageweg zum Verwaltungsgericht.

Dem allerdings widerspricht Claudia Zierz: "Alle können noch Einwendungen erheben." Die Fachbereichsleiterin Umwelt und Bauen im Künzelsauer Landratsamt erläutert zugleich, weshalb sie der vom Oberohrner Ortschaftsrat geforderten erneuten Auslegung der Planunterlagen nicht zustimmt: "Es gab gegenüber den ersten Plänen nur marginale Veränderungen." Leicht gemacht habe sie sich ihre Entscheidung nicht: "Ich hab' das sehr gut geprüft. Denn das ist schon eine heikle Sache." Dies nicht nur aus juristischen Gründen. Claudia Zierz weiß um die menschliche Seite des Streitthemas: "Die Oberohrner fühlen sich von den Öhringern nicht ernst genommen."

Aber: Maßgeblich für die Pfedelbacher Stellungnahme im Planfeststellungsverfahren ist nicht der Oberohrner Ortschaftsrat. Der hat lediglich ein Vorschlagsrecht. Bürgermeister Kunkel: "Die Entscheidung liegt beim Gemeinderat."

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