Nach Kritik erweitert der neue Wertstoffhof in Beltersrot die Öffnungszeiten

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Große Einsicht nach großem Ärger: Der zentrale Wertstoffhof des Hohenlohekreises erweitert die Öffnungszeiten. Selbst nach dem teuren Umbau herrschten dort teilweise chaotische Zustände. Der zweimonatige Probebetrieb förderte noch andere Schwächen zutage, die nun beseitigt wurden.

Beim virtuellen Baustellenstammtisch zeigte die Abfallwirtschaft in einem Video, wie der neue zentrale Wertstoffhof des Kreises in Beltersrot funktioniert.
Foto: Ralf Reichert
Beim virtuellen Baustellenstammtisch zeigte die Abfallwirtschaft in einem Video, wie der neue zentrale Wertstoffhof des Kreises in Beltersrot funktioniert. Foto: Ralf Reichert  Foto: Reichert, Ralf

Der zentrale Wertstoffhof des Kreises in Beltersrot wurde komplett neu konzipiert, um bei gleichbleibenden Öffnungszeiten mehr Platz und Ordnung zu schaffen - und damit genauso viele Müllanlieferer schneller abfertigen zu können, ohne dass sie lange warten müssen. So weit die Theorie. Der praktische Probelauf im Dezember und Januar hat gezeigt: Das funktioniert nur bedingt - und vor allem samstags bisweilen gar nicht. An Weihnachten und am 31. Januar war es besonders schlimm. Etliche Anlieferer mussten sogar heimgeschickt werden, was großen Ärger verursachte.

Anlieferungen sollen zeitlich entzerrt werden

Jetzt ist klar: Nur wenn die Öffnungszeiten erweitert werden, kann der Betrieb reibungslos funktionieren. Nicht nur an den Wochenenden, die vor allem privaten Anlieferern vorbehalten bleiben sollen, sondern auch unter der Woche, um Gewerbetreibenden noch mehr Spielraum zu verschaffen, ihren Müll loszuwerden. Oberstes Ziel ist es nun, die Anlieferungen zeitlich so zu entzerren, dass in Stoßzeiten möglichst keiner mehr bis weit vor das Eingangstor Schlange stehen oder unverrichteter Dinge umkehren muss. Statt 14,5 Stunden wird der Wertstoffhof deshalb ab 1. April 25,5 Stunden pro Woche geöffnet sein.

Verantwortliche geben Mailaise unumwunden zu

Die Prozesse wirken nach dem Umbau des Hofes zwar strukturierter, doch bei der Anfahrt und beim Abladen herrschten in der zweimonatigen Probephase bisweilen ähnlich chaotische Zustände wie davor. Die Abfallwirtschaft (AWH) hatte stets beteuert, dass solche Missstände durch die neue Konzeption endgültig behoben sein sollen. Immerhin muss der Eigenbetrieb des Kreises für den Umbau, der im April 2019 begann und im November 2020 abgeschlossen war, stolze 2,3 Millionen Euro hinblättern. Zumindest reden die Verantwortlichen nicht um den heißen Brei herum, sondern geben die Malaise unumwunden zu. Auch beim virtuellen Baustellenstammtisch, der die Umgestaltung des Deponiegeländes abermals in den Blick nahm, war dies Thema.

Die Lehren des Testlaufs

"Während des Probebetriebs haben wir gemerkt, dass es vor allem freitags und samstags Engpässe gibt", sagte Bereichsleiter Joachim Bahr. Der Testlauf habe gezeigt, dass an einer Erweiterung der Öffnungszeiten kein Weg vorbeiführe. Etliche Abläufe seien im Sinne der Anlieferer verbessert worden und weitere Optimierungen möglich.

Was Stammtischgäste monieren

Stammtisch-Gast Peter Lemke kritisierte die Anordnung der Abladeboxen für Sperrmüll und Bauschutt. Jakob Joos monierte, dass die Kreuzung nach Löcherholz immer noch "regelmäßig mit Anlieferverkehr zugeparkt" sei. "Wann wird der Zufahrtsbereich zur Deponie endlich ausgebaut?", fragte er. AWH-Chef Sebastian Damm versprach: "Wenn alles wie geplant läuft, wollen wir die Spur dieses Jahr erweitern." Mehr sei ansonsten kaum möglich, auch zusätzliche Verkehrsschilder, wie von Joos vorgeschlagen, brächten nichts. "Es ist nicht verboten, durch Löcherholz zu fahren", erklärte Bürgermeister Christoph Spieles, der ebenfalls digital anwesend war. "Das ist ein offizieller Gemeindeverbindungsweg."

Am 31. Januar ist die Lage eskaliert

Im Nachgespräch mit der Hohenloher Zeitung erwähnte Joachim Bahr vor allem die Situation um Weihnachten sowie ganz konkret am 31. Januar, als die Wertmarken der AWH-Servicekarte abliefen. "Da ist die Lage eskaliert, an diesem Samstag hatten wir 207 Besucher und mussten 40 wieder nach Hause schicken." Spätestens da stand fest: So kann es nicht weitergehen. "Das war peinlich, da haben wir kein gutes Bild abgegeben, danach gab es sehr viele Beschwerden", erklärte Bahr.

Auch Rolf Kircher ärgerte sich

Auch Rolf Kircher aus Neuenstein hatte sich vor Ort maßlos geärgert, war aber positiv überrascht, als er nach seiner Beanstandung von einem AWH-Mitarbeiter angerufen wurde, "der rundum einräumte, dass so etwas nicht passieren dürfte", und sich dafür "ohne Umschweife entschuldigt" habe. Natürlich: 207 Besucher sind eher die Ausnahme als die Regel, einen Tag vorher waren es 120 und unter der Woche 118 und 87. Trotzdem wundern sich viele, warum ein derart moderner, wohl geordneter und raumgreifender Wertstoffhof solche Spitzen nicht abfangen kann. Schließlich zielte der Umbau darauf ab, Anlieferer so schnell wie möglich durchzuschleusen.

Das wurde bereits umgestellt

Während des Probebetriebs ist etliches verändert worden: Die Prüfung wurde weiter nach vorne verlegt, der Entladeverkehr geändert, die Beschilderung optimiert. Container wurden aufgestockt oder umgestellt, Wurfboxen hinzugefügt oder umgebaut. Den größten Effekt erzielt man indes über die Erweiterung der Öffnungszeiten. Diese simple Erkenntnis hat sich jetzt mit einiger Verspätung durchgesetzt.

 

Ab 1. April elf Stunden länger geöffnet

Der Wertstoffhof Stäffelesrain auf dem Gelände der Mülldeponie in Beltersrot ist für den Hohenlohekreis von zentraler Bedeutung. Dort können die meisten Müllarten und größten Müllmengen entsorgt werden. Ab 1. April ist der umgebaute Hof elf Stunden länger geöffnet: 25,5 statt 14,5 Stunden pro Woche. Dienstags ist von 8 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr offen (bisher 8.30 bis 12 Uhr), mittwochs von 13 bis 18 Uhr (bisher 14 bis 18 Uhr). Freitags und samstags kann man seinen Abfall von jeweils 8 bis 12 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr abladen (bisher 8.30 bis 12 Uhr). Montags und donnerstags bleibt der Hof geschlossen. Gewerbemüll sollte nur unter der Woche entsorgt werden, damit das Wochenende für private Anlieferer frei bleibt. 

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