Stimme+
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Nachtwanderer im Skaterpark

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Bretzfeld - In Öhringen gibt es sie schon, die Nachtwanderer. In kleinen Gruppen ziehen seit zwei Jahren Erwachsene zwischen 20 und 74 Jahren durch die Stadt und die Grünanlagen, versuchen mit den Jugendlichen, die sich dort aufhalten, ins Gespräch zu kommen.

Von Yvonne Tscherwitschke

Bretzfeld - In Öhringen gibt es sie schon, die Nachtwanderer. In kleinen Gruppen ziehen seit zwei Jahren Erwachsene zwischen 20 und 74 Jahren durch die Stadt und die Grünanlagen, versuchen mit den Jugendlichen, die sich dort aufhalten, ins Gespräch zu kommen. Nun sollen Nachtwanderer auch in der Gemeinde Bretzfeld aktiv werden. Jugendreferent Bernd Megerle und Günter Reustlen stellten dem Gemeinderat das Projekt vor.

Günter Reustlen war jahrelang Jugendpolizist beim Revier Öhringen. Er kennt die Belange der Jugendlichen sehr gut. Er war es auch, der zusammen mit dem Öhringer Jugendreferent Hans-Jürgen Saknus das aus skandinavischen Ländern kommende Projekt der Nachtwanderer in Öhringen realisierte.

Reustlen stellte die Arbeit und die Intention der Nachtwanderer vor. Reustlen betonte, dass die Nachtwanderer ehrenamtlich unterwegs seien. Sie selbst bestimmen Häufigkeit und Dauer der Wanderungen. Erstaunlich einfach sei es gewesen, in Öhringen ausreichend Freiwillige für das Projekt zu finden. Momentan, so Reustlen, engagieren sich 27 Personen bei den Nachtwanderern.

Probleme

Ziel der Nachtwanderer sei es nicht, die Jugendlichen von ihren Treffpunkten zu vertreiben, erklärte Reustlen. Ziel sei es vielmehr, Vertrauen aufzubauen und falls nötig, Hilfe anzubieten. Parkdecks und der Hofgarten seien beispielsweise in Öhringen beliebte Treffpunkte von Jugendlichen. Mittlerweile, erzählte Reustlen, werden die Nachtwanderer regelrecht schon erwartet. Die Jugendlichen wenden sich mit ihren Anliegen und Problemen an die Menschen, die ihnen zuhören und notfalls Rat anbieten. "Es kann schon sein, dass man mal den Krankenwagen rufen muss, weil ein leichtbekleidetes Mädchen mit zu viel Alkohol im Winter gefunden wird", erklärte Reustlen. Die Nachtwanderer hätten auch schon erlebt, dass Mädchen dankbar auf ihr Kommen reagierten, um sie vor aufdringlichen Verehren zu beschützen. Einmal pro Monat, erklärte Reustlen, treffen sich die Ehrenamtlichen, um das Erlebte zu diskutieren und die neuen Wanderpläne festzulegen.

Brennpunkte

Rund ums Bildungszentrum und um den Skaterpark, beim Brunnen Waldbach und der Schwabbacher Halle treffen sich in der Großgemeinde Bretzfeld die Jugendlichen. Das geht nicht immer ohne Konflikte ab. Auch Vandalismus und Müll sind ein Problem. "Es ist Zufall, wenn ich die Jugendlichen da mal antreffe. Denn nachts bin ich eben eigentlich nicht mehr in der Gemeinde", verwies Megerle auf seine Arbeitszeiten. "Wir sind nicht so blauäugig zu glauben, dass sofort alles gut wird", sagte Bürgermeister Thomas Föhl. "Aber wir würden das Projekt gerne angehen." In Öhringen belaufen sich die Kosten für die Nachtwanderer einzig auf die Ausrüstung mit Jacken und Taschenlampen. Ähnlich soll es in Bretzfeld laufen, wenn erst einmal die Ehrenamtlichen für das Projekt gefunden sind.

Projekt Nachtwanderer

Nachtwanderer sind weder Hilfspolizisten noch Jugendsozialarbeiter. Es sind ehrenamtlich tätige Erwachsene, die sich ihr eigenes Leitbild geben, erklärte der frühere Jugendpolizist Günter Reustlen. Er koordiniert seit etwa zwei Jahren die Nachtwanderer in Öhringen. Sie sind vor allem an den Wochenenden unterwegs, um Jugendliche an beliebten Treffpunkten aufzusuchen. Im Winter beginnen die Nachtwanderer ihre Runden gegen 21 Uhr, im Sommer um 22 Uhr. von
 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben