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Künzelsau

Nach Klinik-Aus in Künzelsau: Darauf können sich Patienten einstellen

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Ende 2019 schließt das Krankenhaus in Künzelsau. 2020 soll das neue Gesundheitszentrum starten. Was steckt hinter den geplanten ambulanten Angeboten?

Von Ralf Reichert
In diesem mittleren Krankenhaustrakt soll das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) entstehen. Das Ärztehaus Medi-Kün daneben bleibt bestehen. Die Folgenutzung des angrenzenden Bettenblocks wird erst 2019 entschieden.
Foto: Dennis Mugler
In diesem mittleren Krankenhaustrakt soll das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) entstehen. Das Ärztehaus Medi-Kün daneben bleibt bestehen. Die Folgenutzung des angrenzenden Bettenblocks wird erst 2019 entschieden. Foto: Dennis Mugler  Foto: Mugler

Der Kreistag hat das ambulante Gesundheitszentrum in Künzelsau am 10. Dezember auf den Weg gebracht. Für Landrat Dr. Matthias Neth hat die Geschäftsführung der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK) "alle Fragen, die wir gestellt haben, beantwortet". Das Paket liege "weit über dem, was wir als Kreis alleine hätten schultern können". Was ist bis dato bekannt über die Angebote? Worauf können sich die Patienten einstellen, wenn Ende 2019 das Krankenhaus schließt und das Gesundheitszentrum 2020 an den Start geht?

Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ):

Seit 2004 dürfen Krankenhäuser solche ambulanten Behandlungszentren betreiben. Die BBT-Gruppe, seit Frühjahr neuer Mehrheitsgesellschafter der HK, fährt damit bis dato sehr gut in seinen Versorgungsgebieten. Das Prinzip: Der Klinikträger kauft bestehende Arztssitze ein und stellt die Mediziner an. Die Ärzte verlieren also ihre Selbstständigkeit, gewinnen aber mehr Freiraum. Und müssen sich auch nicht um ihre Nachfolge kümmern - was vor allem im ländlichen Raum oft sehr schwierig ist.

Außerdem sind verschiedene Ärzte und Disziplinen unter einem Dach vereint. Sie können sich austauschen und Geräte und Räume gemeinsam nutzen. Es gibt eine zentrale Eingangszone und verlässliche Öffnungszeiten. Und: Auf einem Sitz können auch zwei oder drei Ärzte praktizieren: was Teilzeitmodelle begünstigt, die immer beliebter werden - vor allem bei Frauen.

Das Angebot soll sich in keinem Fall gegen die Interessen und Bedürfnisse der niedergelassenen Ärzte richten. Das Facharztzentrum Medi-Kün bleibt bestehen: mit Ärztehaus, Apotheke und Sanitätshaus. Das gesamte Leistungsspektrum soll durch das MVZ ergänzt und erweitert werden. Gespräche mit interessierten Niedergelassenen laufen, diverse Fachrichtungen zeigen Interesse.

Wichtig: Das MVZ muss sich am Ende selbst finanzieren. Es ist Bestandteil des HK-Basismodells und somit für den Kreis inklusive. Dies gilt auch für das Konzept "Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis" (Vehra). Dahinter stehen medizinische Fachangestellte, die sich weitergebildet haben und Hausärzte unterstützen können: etwa bei Hausbesuchen, der Versorgung von Wunden oder Impfungen.

Kurzzeitpflege:

Patienten werden in der Regel immer früher aus Kliniken entlassen. In einer Kurzzeitpflege können sie danach für eine gewisse Zeit aufgefangen werden. Der Blick des Kreises richtet sich dabei vor allem auf ältere Bürger, also die geriatrische Versorgung. Sechs bis acht Wochen steht gesetzlich Versicherten diese Option offen, das Land forciert das Konzept - und fördert es womöglich in größerem Stil, sodass es Teil des Basismodells werden könnte, das den Kreis nichts zusätzlich kostet. Bei der sogenannten solitären Kurzzeitpflege könnten in Künzelsau maximal 30 Plätze vorgehalten werden.

Zentrum für integrative Medizin:

Ein Alleinstellungsmerkmal für Künzelsau zu etablieren, war eine der Forderungen des Kreises an die HK-Geschäftsführung. Mit der Idee eines Zentrums für integrative Medizin, das auf ganzheitliche Therapien setzt, hat sie den Kreistag überzeugt. In der Region Heilbronn-Franken wäre ein solches ambulantes Angebot einmalig.

Es bedient sich Naturheilverfahren, deren Wirkung empirisch nachgewiesen ist. Sie sollen vor allem Schmerz- und Krebspatienten helfen. Als Berater im Boot ist Professor Gustav Dobos, ein Internist und Naturheilkundler, der in Deutschland als Pionier auf diesem Gebiet gilt. Er leitet eine Klinik in Essen, in der unter anderem klassische Naturheilverfahren oder Therapien der Traditionellen Chinesischen oder Indischen Medizin zur Anwendung kommen.

Rettungsdienst:

Damit Krankenhäuser sich schnellstmöglich auf Patienten einstellen können, die im Rettungswagen erstversorgt werden, sollen diese Fahrzeuge mit telemedizinischen Anbindungen aufgerüstet werden. Alle wichtigen Daten können damit bereits auf dem Weg in die Klinik übermittelt werden.

Notfallversorgung:

Ein zusätzlicher "Sitzdienst" für Künzelsau soll dafür sorgen, dass auch nach dem Klinik-Aus die Notfallversorgung rund um die Uhr (24/7) gesichert ist. Dieser Dienst schließt die Lücke in der Nacht und an Wochenenden. Nach dem Wegfall der 24/7-Ambulanz im Krankenhaus stehen in Notfällen ansonsten das MVZ, die KV-Notfallpraxis, die niedergelassenen Ärzte und der Rettungsdienst weiterhin zur Verfügung.


Das wird geprüft

Den Rettungsdienst insgesamt zu stärken, ist dem Kreistag ein Anliegen. Deshalb begrüßt er, dass der Bereichsausschuss die Anschaffung weiterer "Rettungsmittel" prüft, das heißt: zusätzliche Rettungswagen und Einsatzfahrzeuge für Notärzte im Blick hat. Dabei geht es vor allem um das Thema Hilfsfristen, die in einigen Kreisgebieten heikel sind − und laut Landrat Neth um die Frage: "Wie schaffen wir es mit unserem Rettungsdienst, die Bevölkerung so gut zu versorgen, dass wir mit dem richtigen Rettungsmittel zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind?"

Weiter geprüft wird, wie die Versorgung sterbenskranker Menschen intensiviert werden kann (Palliativmedizin). Ein Fahrdienst für Patienten ist ebenso denkbar, wie die Öffnungszeiten des MVZ zu verlängern. Außerdem soll die Psychiatrische Tagesklinik an ihrem jetzigen Standort aufrechterhalten werden. Die HK gGmbH tritt hier nur als Vermieter auf, Träger ist das Klinikum am Weissenhof, Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Weinsberg.

 

 

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