Modelleisenbahn-Ausstellung in Öhringen: Passionierte Lokführer und Mini-Landschaften
Rund 600 Menschen besuchen die Modellbahn-Ausstellung des Eisenbahn-Clubs Öhringen. Unter anderem diese in der Region bekannte Strecke wurde in Miniatur nachgebaut.

Noch hält sich der Besucherandrang im großen Saal der Kultura in Grenzen. Rund 40 Menschen bewegen sich zwischen den Modulanlagen, die im Saal aufgebaut sind, beobachten Streckenverläufe oder fachsimpeln mit den Fahrern bei der Modellbahn-Ausstellung des Eisenbahn-Clubs Öhringen (ECÖ).
Strecke der Jagsttalbahn in Miniatur nachgebaut
So wie Besucher Walter Werner aus Künzelsau. An der Rollbockanlage auf der Bahnstrecke im Maßstab 1 zu 32, die der ehemaligen Jagsttalbahn nachempfunden ist, beobachtet Werner, wie gerade der Spurenwechsel der Güterwaggons von Schmalspur auf Normalspur vollzogen wird. Oder wie es im Modelleisenbahner-Jargon heißt, "wie die Güterwaggons von Spur 1 auf Spur 1e gebracht werden". So erklärt es der Lokomotivführer und Schöpfer der Modulanlage, Thomas Pauli.
Vor allem Zuckerrüben, die hier aus eingefärbten Traubenkernen bestehen, werden auf Paulis nachgebildeter Jagsttalbahnstrecke transportiert. "Was hier in wenigen Minuten passiert, dauerte früher unter dem Einsatz von Arbeitern, die sich für das Umbocken unter die Güterwaggons begeben mussten, anderthalb Stunden", erklärt der Modelleisenbahner. "Wobei es für die Beteiligten keineswegs spaßig war, wenn es sich bei der Ladung um Vieh handelte", so Pauli. Dafür konnten sich die Eisenbahner vielleicht im nahen Dörzbacher Bahnhofsgebäude nach ihrem anstrengenden Arbeitseinsatz stärken: Reger Gastronomiebetrieb herrscht im Saal von dessen Obergeschoss. Eine Miniatur-Momentaufnahme, die den leidenschaftlichen Bastler Pauli unzählige Arbeitsstunden gekostet hat.
Austausch über Leidenschaft
"Als reine Phantasie" bezeichnet dagegen ECÖ-Fahrer Harald Lenz die Modulanlage im Maßstab 1 zu 160, die er betreibt. Hier reihen sich Kuhweiden, Autostraßen oder eine Windkraftversuchsanlage entlang der Bahnstrecke. Im Kindesalter hat der gebürtige Norddeutsche mit der kleinsten Spur im Maßstab 1 zu 87 angefangen. "Seit 30 Jahren bin ich wieder mit der Spur N dabei", erzählt der Wahl-Öhringer. Doch gleichzeitig ein Gespräch führen und den Bahnbetrieb auf der 25 Meter langen Strecke in Gang halten, geht auch bei Miniatur-Eisenbahnen schlecht vonstatten: Jetzt muss Fahrer Lenz erst einmal nach dem Fehler suchen, der den Streckenbetrieb gerade lahmlegt.
Die Gelegenheit ergriffen, sich in Öhringen mit Gleichgesinnten auszutauschen, hat auch Besucher Klaus Mandel, seines Zeichens Direktor des Regionalverbands Heilbronn-Franken. "Hier kann man die Vor- und Nachteile der jeweiligen Spuren diskutieren", weiß der passionierte Modelleisenbahner. Und: "Bei diesem Hobby gibt es nur heiß oder kalt."
Aufwand von 800 Arbeitsstunden
Von Kindheit an hat sich auch ECÖ-Vorsitzender Axel Gross der Leidenschaft zur Modelleisenbahn verschrieben. Als Kaufmann im Spielwaren-Fachhandel hat er sein Hobby quasi zum Beruf gemacht. Nur durch Leidenschaft zur Sache ist der enorme Arbeitseinsatz der ECÖ-Mitglieder für die Kultura-Ausstellung zu erklären. "Der Aufbau hat rund 800 Arbeitsstunden in Anspruch genommen", weiß der Neuensteiner.
Mittlerweile sind rund 80 Besucher im Saal unterwegs. Vor allem die Besucherkinder beobachten fasziniert, wie sich Züge oder Autos durch die facettenreich angelegten Miniatur-Landschaften schlängeln. Hier und da kommt ein Miniatur-Hund aus seiner Hütte heraus oder öffnet sich ein Micro-Garagendach auf Knopfdruck, wie Besucherkind Raphael Schön zu seiner Freude herausgefunden hat. Auf die Bitte des Vierjährigen hin steuert ECÖ-Mitglied Barbara Johne auch schon mal einen Lkw zur Tankstelle.



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