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Kupferzell

Mit Wasser ein Gefühl verbinden

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Kreisweite Bach-und-Fluss-Aktion für Kindergartenkinder gestartet − Kosten trägt Akademie für Naturschutz

Von unserer Redakteurin Juliane Renk
Kindergartenleiterin Margarete Kühn (Mitte) mit ihren Schützlingen aus dem Kindergarten Westernach. Der fünfjährige Jonathan (links) hält einen Stein, auf dem sich ein Tier befindet, das in die Becherlupe soll. Fotos: Juliane Renk
Kindergartenleiterin Margarete Kühn (Mitte) mit ihren Schützlingen aus dem Kindergarten Westernach. Der fünfjährige Jonathan (links) hält einen Stein, auf dem sich ein Tier befindet, das in die Becherlupe soll. Fotos: Juliane Renk

Ihr müsst gucken, ob ihr Scheren seht, dort können auch Krebse sein", ruft die fünfjährige Ronja. Sie gehört zu den 14 Kindern des Kindergarten Westernachs, die in Kupferzell in der Kupfer waten und an der Aktion "Bach- und Flusstage" teilnehmen. Die Kindergartenkinder tragen Gummistiefel und sind von Waldpädagogin Christine Neuweiler-Lieber mit Pinseln und Becherlupen ausgestattet worden, denn sie wollen Tiere, die in der Kupfer leben genauer ansehen. Sie fangen und in ihren Gläsern beobachten.

Es ist der Auftakt der Aktion Bach- und Flusstage im Einzugsgebiet des Neckars mit Nebengewässern im Hohenlohekreis. 19 weitere in Kindergärten in Ingelfingen, Schöntal, Mulfingen, Weißbach, Ernsbach, Forchtenberg und andernorts wird Neuweiler-Lieber bis in den Herbst besuchen, um dort ebenfalls mit den Kindergartenkindern Gewässer zu untersuchen.

Die Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg aus Stuttgart finanziert die Aktion, die mehrere tausend Euro kostet, erklärt die Waldpädagogin. Das Geld stamme von Spenden der Nummernlotterie Glücksspirale.

Vorsichtig "Ihr dürft die Tiere nicht mit den Fingern wegmachen, denn sie sind ganz weich, deshalb nehmt ihr sie mit einem Pinsel ab und dann müsst ihr versuchen, sie ganz vorsichtig vom Stein in die Becherlupe zu geben", erklärt Neuweiler-Lieber. "Hier ist ein Fisch", ruft Ronja. "Er ist hellbraun mit schwarzen Punkten", beschreibt sie. Doch ehe die Fünfjährige ihn erwischt, ist er verschwunden. Später hat sie eine Schnecke und ein weiteres Tier in ihrer Becherlupe. "Das ist ein Blutegel. Das weiß ich, weil meine Mama mir schon mal einen gezeigt hat", sagt sie stolz. Jonathan (5) fängt ebenfalls ein Tier: "Es sieht wie eine grüne Raupe im Wasser aus", sagt der Junge.

Für Bäche und Flüsse gibt es ein richtiges Bestimmungssystem erklärt Neuweiler-Lieber. "Je höher die Dichte an Tieren ist, desto höher ist die Wasserqualität", sagt sie. Eine Art Häuschen an einem Stein, in dem eine Eintagsfliegenlarve lebt, einen Gelbrandkäfer, eine Schnecke und eine Zuckmückenlarve finden die Kinder. Die Fachkraft folgert daraus: "mäßige Wasserqualität. Gewisse Arten wie Bachflohkrebse oder Muscheln gibt es gar nicht", stellt sie fest. Margarete Kühn die Leiterin des Westernacher Kindergartens freut sich, dass ein Teil ihrer 60 Schützlinge an dem Projekt teilnehmen kann.

Emotionen Im Alter zwischen vier und fünf Jahren ist es möglich, einen emotionalen Bezug zu einem Erlebnis im Wasser zu entwickeln. Wenn die Kinder Freude im Wasser haben, versprechen sich Kühner und Neuweiler-Lieber, dass sie später als Jugendliche und Erwachsene anders mit Gewässern umgehen werden. "Es ist auch wichtig die Hemmschwelle abzubauen", meint Kühner. Ins Freibad würden die meisten Kinder gehen, doch nur wenige würden in Flüsse wie die Kupfer steigen und Blutegel anfassen.

Die Tierwelt im Wasser kennenlernen, den Verlauf der Gewässer der Heimat zu kennen und Ahnung von dem Wasserkreislauf zu haben, sind einige Ziele der Aktion. Sie ist nicht neu. Seit etwa zehn Jahren gibt es sie in verschiedenen Landkreisen. Der Hohenlohekreis ist jedoch in diesem Jahr erstmals dabei.

Die kleinen Mädchen betrachten aufmerksam, was sie gefangen haben.
Die kleinen Mädchen betrachten aufmerksam, was sie gefangen haben.
Rollblutegel gehören auch zu den Tieren, die die Kinder finden.
Rollblutegel gehören auch zu den Tieren, die die Kinder finden.
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