Mit Tempo auf den Criesbacher Sattel
Beim 5. Bergzeitfahren um den Titel „Sattelkönig“ ging es nicht um Taktik. Fahren immer am Anschlag lautete die Devise.
Was heißt hier Taktik? Beim Bergzeitfahren hoch zum Criesbacher Sattel kann es kein Taktieren geben. 1,9 Kilometer lang ist die Strecke. Das ist vergleichsweise kurz. Aber er hat es in sich, dieser Anstieg. 130 Höhenmeter müssen erradelt werden, die durchschnittliche Steigung beträgt sieben Prozent. Keine Taktik also, sondern immer Volldampf, das ist das Motto.
Der Weißbacher Gemeinderat Volker Kerl war einer der 83 Starter, die am Samstag die Herausforderung anpackten. „Absolut hart. Alles übersäuert. So etwas habe ich noch nie gemacht. Aber nächstes Jahr wieder“, sagte er, als er nach der Zieleinfahrt wieder bei Atem war und sprechen konnte. Und er war auch schon wieder zu Scherzen aufgelegt: „Ich habe extra viel gegessen, damit es mich nach unten zieht.“ Erst vor Ort habe er festgestellt, dass es nur aufwärts, aber nie abwärts geht, so der Fahrer der „Weißbacher Bugglbiker“.
Zuwachs bei den Teilnehmerzahlen und erstmalig Wertung für Mountainbikes
Mit der Größe des Teilnehmerfeldes zeigte sich Achim Bauer vom TSV Ingelfingen sehr zufrieden. Im Vorjahr waren es 60 Starterinnen und Starter gewesen. Erstmals gab es eine eigene Wertung für Mountainbikes. Die überwiegende Zahl der Teilnehmer war aber mit schnittigen Rennrädern unterwegs. So auch Tim Fleckenstein, der für den TSV Crailsheim startete.
Sein Rennrad verfügt sogar über eine eingebaute Leistungsmessung. Im Prinzip, so erklärt er, funktioniert das wie auf einem Ergometer im Fitness-Studio. Das Gerät misst, wie viel Watt der Sportler gerade produziert. Er kam auf durchschnittlich 416 Watt und benötigte für die Strecke gerade mal 5:15 Minuten. Damit gehörte er zum Spitzenfeld. Er fuhr zum ersten Mal bei diesem Bergzeitfahren mit, bei dem es um den Titel „Sattelkönig“ geht. „Die Temperatur von 20 Grad ist optimal, alles ist schön gesperrt“, lobte er die Bedingungen.
Tatsächlich musste die Strecke hoch zum Criesbacher Sattel vor dem Start aber noch von den Folgen des Unwetters am Freitag gereinigt werden. „Unten im Ort haben die Bürger gefegt“, sagte Achim Bauer. Den weiteren Streckenverlauf reinigten die Helfer des TSV und die TSV-Jedermänner.
Herausforderung auch für durchtrainierte Triathleten
Auch für Simone Kuhn vom Team Tria-TV Bad Mergentheim hatte sich die Frage nach der taktischen Einteilung des Rennens rasch geklärt: „Alles, von Anfang an, Vollgas. Hoch und überleben.“ Im Ziel angekommen meinte sie: „Anstrengend. Aber so soll es sein.“ Ihre erst 13-jährige Teamkameradin Hannah Kücherer trainiert seit einem Jahr Triathlon. „Die ersten Meter denkt man, alles ist okay. Aber je länger man fährt, desto härter wird es.“ Zum Umfeld sagte sie: „Hilfsbereite Leute. Ich bin sehr zufrieden mit der Organisation.“
Am Triathlon, der eigentlich ihre Sportart ist, schätzt sie die vielfältigen, unterschiedlichen Belastungen. Schwimmen und Radfahren belasteten zudem nicht die Gelenke. Bei ihrer extremen Sportart gehe es „um die ganzen Emotionen, die man durchlebt“.
„Du musst am Limit fahren“, fasste Gotthard Obernosterer aus Niedernhall zusammen. Der 70-Jährige, der noch immer fit ist wie der sprichwörtliche Turnschuh, war kurzfristig vom Team AWS Waldzimmern angeheuert worden, dem ein Fahrer ausgefallen war.
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