Mit der MS Ingelfingen auf dem Meer der Heiterkeit

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Ingelfingen - Bei der ersten Prunksitzung bescheren fünf Vereine dem Narrenvolk ein buntes Programm

Von Barbara Griesinger

Ingelfingen - Auf dem Ingelfinger Narrenschiff herrscht Ordnung. Bevor es zur Prunksitzung ins Meer der Heiterkeit sticht, schwört Kapitän und Elferratspräsident Achim Beck Crew und Passagiere auf die Bordstatuten ein: Regel eins: Es wird nur gelacht. Regel zwei: Die Antwort auf den Ruf Ingelfingen − Kreuzfahrt − Schiff ist ein dreifach Ahoi. Regel drei: Auf die Frage ,Solle mrn reilasse?" ist nur ein Ja erlaubt.

Hostessenklatsch

Das ist für die Ingelfinger Narren kein Problem. Bloß die Hostessen haben anfangs noch Sorgen: Der Pfarrer ist zu spät gekommen. Der TSV-Vorstand will gleich an die Bar, und der Bürgermeister fordert eine besser Kabine mit Meerblick und Balkon ein. Dennoch ist schnell klar: Im Vergleich zu den Zuständen an Land, wo eine Finanzkrise die nächste jagt und von Günther Oettinger über Margot Kässmann bis zu Horst Köhler ein Rücktritt auf den anderen folgt, herrschen an Bord paradiesische Zustände. "Bei uns auf dem Schiff wird niemand gegangen" sind sich die Hostessen Heike Wallner und Judith Blaschka einig.

An Bord tummelt sich eine bunte Gesellschaft: Von der Hartz IV-Familie mit vielköpfigen Nachwuchs, die sich die Weltreise "nach einigen Monaten des Sparens" erlaubt, bis zum Schiffskoch, der sich für Johann Lafer hält. Und natürlich gibt es auch blinde Passagiere.

Die Geschwister Lilli und Hannes alias Anna Lena Glock und Ralf Beck erzählen in der Kinderbütt aus dem Nähkästchen. Von Vater und Mutter, die ihrem Nachwuchs den Internetzugang verweigern, aber selbst bei Ballerspielen oder im Facebook versumpfen. Auch vom Date mit ihrem ersten Freund kann Lilli nur träumen, obwohl sie mit ihrem Bruder genau nachgerechnet hat, dass ihre Erzeuger viel früher beim anderen Geschlecht auf Entdeckungsreise gegangen sind. "Drum isch"s wie"s isch, mir sin da raus. Des hält man daheim einfach net aus", ist ihr Fazit. Aber schließlich zieht es sie doch wieder heim.

Auch ein Glückspilz ist unter den Kreuzfahrtgästen: Lotte Schneckendorfer hat die Fahrt auf der MS Ingelfingen mit ihrem Werbeslogan für die Konfektionsgröße XXL gewonnen. Dass der erste Preis in die Sechser-Kabine führt und sie im Speisesaal nur "eine Zahnfüllung voll Essen" auf dem Teller findet, ist zwar gewöhnungsbedürftig, tut ihrer Begeisterung für die Seefahrt aber keinen Abbruch. Sie freut sich schon aufs nächste Mal. Währenddessen diskutieren an Deck Axel Schulz und Hans-Martin Popp die gewichtige Lifestyle-Frage: "Trägt der Mann von heute unten Haar?"

Kracher

Für die erste Prunksitzung in der einstigen Fachingshochburg Ingelfingen haben sich gleich fünf Vereine zusammengetan: TSV, SCI, Gesangverein Criesbach, der Verband christlicher Pfadfinder und die Feuerwehr, und sie lassen es drei Stunden lang krachen.

Als Piraten entern die Metal-Sänger Criesbach das Kreuzfahrtschiff, übernehmen mit flotten Rhythmen das Kommando und ernten tosenden Beifall. "Wer erlebt schon einen Piratenüberfall, bei dem nach Zugabe gerufen wird", ist da selbst Kapitän Beck beeindruckt. Beim Landgang in New York verwandeln sich die Alten SCI-Herren in den YMCA. Und der Ausflug nach Malibu, bei dem ein Boot kentert, endet nur dank des beherzten Einsatzes der Feuerwehrmänner, die zu vollbusigen Baywatch-Retterinnen mutiert sind, nicht in der Katastrophe. So kann das Narrenvolk schließlich an der Bar getrost weiterfeiern und in den Sonntag hinein tanzen.

 

Bequem auf dem Deckchair herum lümmeln dürfen die Ingelfinger auf ihrer närrischen Seereise nicht. Stattdessen ist Fitness angesagt.
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Viel Spaß hatten große und kleine Fasnetsfans an Bord der MS Ingelfingen.
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Ohne Tanzmariechen geht es am Fasching nicht. Noch bevor das Schiff der Fasnetsfreunde in der Stadthalle ablegte, hatte die Prinzengarde ihren großen Auftritt. Ob Spagat oder Pyramide den Mädels war nichts zu schwer.Fotos: Barbara Griesinger
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