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Minigolf: Die Eins mit Gefühl erzwingen

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In Ingelfingen trainiert die Bahnengolf-Interessen-Gemeinschaft (BIG) seit knapp zwei Jahren. Und der junge Minigolf-Verein hat Pläne. Schon jetzt ist der Club Zweitplatzierter in der Landesliga.

von Philip-Simon Klein
Mit dem richtigen Ball und Zielgenauigkeit auf dem Weg zum Loch. Der Verein Bahnengolf-Interessen-Gemeinschaft trainiert an den 18 Bahnen: Stephan Weißer, Stefan Hempel, Klaudia Körle und Angela Weißer (von links).
Mit dem richtigen Ball und Zielgenauigkeit auf dem Weg zum Loch. Der Verein Bahnengolf-Interessen-Gemeinschaft trainiert an den 18 Bahnen: Stephan Weißer, Stefan Hempel, Klaudia Körle und Angela Weißer (von links).  Foto: Philip-Simon Klein

Beim Minigolf definiert sich der Spieler über die Bälle und nicht über die Schläger – so erklärt Stefan Hempel einen der Unterschiede zwischen Minigolf und dem anderen Golf, das Fans der Miniatur-Variante „Großgolf“ nennen. Hempel ist 40 Jahre alt, kommt aus Waldenburg und steht der Bahnengolf-Interessen-Gemeinschaft (BIG) vor. Gegründet im November 2020, ist der Club seit Januar 2021 im Vereinsregister eingetragen. Trainiert wird an der Anlage neben dem Hallenbad. Der noch junge Verein hat Visionen.

Hempel berichtet, er habe seinen Weg zum Wettkampf-Minigolf gefunden, seit ihn ein Profi angesprochen hat, als er mit seiner Freundin in einem Parcours spielte. Das ist nunmehr vier Jahre her. „Bei den Profis hat es mir richtig Spaß gemacht – ich habe strategisch nachgedacht, und mich später eingefuchst“, sagt Hempel. Zum engeren Kern des Vereins gehören Stephan und Angela Weißer – er zweiter Vorstand, sie Kassier – sowie Klaudia Körle. Sie kümmert sich um technische Angelegenheiten auf dem Platz und betreut das Lager.

Renovierung des Minigolf-Parcours hatte sportlichen Neustart ermöglicht

Die 63-Jährige ist laut der anderen Vorstände „Urgestein“, zudem ist sie die einzige Ingelfingerin. „Vor der Renovierung 2014 war die Anlage marode – quasi eine Ruine“, doch dem Platz sei neues Leben eingehaucht worden, nun lasse es sich gut spielen. Der Stadt sei die Sanierung wichtig gewesen, sagt Körle.

Sie begann in den 1980ern mit Minigolf, dank der Renovierung „ist es professioneller geworden“, zuvor seien hauptsächlich Familien „aus Spaß an der Freude“ gekommen. Stephan Weißer betont, Minigolf habe mit Golf nichts zu tun, „so wenig wie Tischtennis mit Tennis“, sagt Weißer. Im Verein spielt Weißer schon seit Langem, gestartet hatte er in Darmstadt. Was ihn an dem Sport fasziniert?  „Es ist fast ein perfekter mathematischer Zusammenhang“, ob der Ball ins Loch gehe.

Den Ball mit einem Schlag in das Loch zu befördern ist die Kunst

„Das ist kein Glück, du kannst es komplett beeinflussen“, sagt Weißer. „Anfänger hauen dagegen, aber du musst den Ball streicheln.“ Die Kugel mit einem einzigen Schlag bis ins Loch zu bewegen, so das Ziel beim Minigolf, das sei die Kunst – „bei jeder Bahn kannst du eine Eins erzwingen“, heißt das bei Weißer im Fachjargon. Dabei gibt es Techniken, aber auch Fallstricke – nicht nur die Hindernisse, die bei allen Minigolf-Anlagen auf 18 Bahnen stehen, je eine Auswahl von 26 denkbaren Formationen. Zwar zähle einerseits Strategie, daher sei Minigolf auch vergleichbar mit Billard, sagt Weißer.

Andererseits geht es auch um das Material. Sowohl der Bodenbelag spielt eine Rolle, das Wetter, und allen voran die Bälle, mit denen man auf die Umstände ausgleichend einwirken kann. Für Angela Weißer, die ein Jahr lange in der Minigolf-Bundesliga aktiv war, gehören somit die Minigolf-Bälle ganz fest zur Faszination für den Sport. „Die Bälle müssen auch zum Spieler und dessen Schläger passen“, sagt Weißer.

Für jede Bedingung der richtige Ball. Profis wie Stephan Weißer treffen ihre Wahl mit Bedacht.
Für jede Bedingung der richtige Ball. Profis wie Stephan Weißer treffen ihre Wahl mit Bedacht.  Foto: Philip-Simon Klein

Im laufenden Jahr konnte der Verein bereits an der Saison der Landesliga des Württembergischen Bahnengolf-Sport-Verbands teilnehmen. So hatte am 4. September auch ein Turniertag in Ingelfingen stattgefunden. Die Saison absolvierte der BIG mit dem zweiten Platz. „Die Würdigung mit Pokal ist schon etwas Tolles“, sagt Angela Weißer.

Daraufhin kam Post, sagt die 44-Jährige, „von der Bundesliga, mit der Anfrage, ob man hier einen Turniertag abhalten könne“. Dass sich der Verein geehrt fühle, betont Weißer, doch es fehle an Grundsätzlichem: „Wir brauchen ein Vereinsheim hier“. Nötig sei das für Lagerkapazitäten, aber auch für Bewirtung der auswärtigen Spieler, zudem wolle man Mannschaften bei schlechtem Wetter einen Unterstand anbieten. Die Stadt wolle die Minigolfanlage weiterhin als öffentliches Areal, erklärt Stefan Hempel, sei aber froh dass der Verein sich um den Platz kümmere.

Engagement des Vereins für die Minigolf-Anlage wird wertgeschätzt

Auch Vertreter des Hallenbads seien froh, wenn an der Anlage etwas los sei. Die Bahnen reinige der Verein. Über Pläne für ein Vereinsheim stünde man mit Bürgermeister Michael Bauer in Kontakt. „Uns geht es nur darum, dass wenn Minigolfer herkommen, dass es hier aktuell weder etwas zu essen noch zu trinken gibt“, ergänzt Stephan Weißer. Das sei für einen Minigolfplatz total unüblich, erklärt der 56-Jährige. Gäste erwarteten das auch, weil es sonst überall an Minigolf-Plätzen Kiosks gebe.

Bahnengolf-Bälle seien „High-End-Produkte“, erklärt Stephan Weißer, 20 Euro kostet ein Ball. Heute sei das Material nicht länger vorgeschrieben, es gelte , dass der Ball bei einer Fallhöhe von einem Meter auf Beton bei 25 Grad Außentemperatur nicht höher springen darf als 85 Zentimeter. Zudem muss der Ball zwischen 37 und 43 Millimeter groß sein.

 

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