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Kreismülldeponie Beltersrot: Mehrfach Müll gestohlen und illegal abgeladen

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Seit die Mülldeponie des Hohenlohekreises eine Großbaustelle ist, häufen sich unschöne Vorfälle. Im Januar schnappte die Polizei einen Dieb, seit 2021 lief eine Einbruchserie. Außerdem gibt es illegale Müllanlieferungen.

Der eine Abschnitt der Kreismülldeponie wird stillgelegt (rechts oben), der andere erweitert (links oben). Deshalb fahren täglich bis zu 60 Laster ein und aus, auch wenn der Wertstoffhof (überdacht) geschlossen ist. Das Areal ist mit Bauzäunen abgesperrt.
Der eine Abschnitt der Kreismülldeponie wird stillgelegt (rechts oben), der andere erweitert (links oben). Deshalb fahren täglich bis zu 60 Laster ein und aus, auch wenn der Wertstoffhof (überdacht) geschlossen ist. Das Areal ist mit Bauzäunen abgesperrt.  Foto: privat

Die lokale Stammtischkultur hat arg gelitten, seit Corona die Welt im Griff hat. Zum Glück kann man solche Zusammenkünfte auch online simulieren. Und mitunter kann auch das sehr aufschlussreich sein. So wie beim jüngsten Baustellenstammtisch zum Umbau der Kreismülldeponie in Beltersrot. Die Anwohner schauen genau hin, was dort passiert. Und sie stellen viele Fragen.

Die Abfallwirtschaft will diesen Austausch und diese Transparenz. Schließlich war es mit beidem früher nicht zum Besten bestellt. Im Herbst 2016 eskalierte der Konflikt, die Parteien schafften es aber, zueinander zu finden. Seitdem ist die Konfrontation einem Dialog gewichen. Die regelmäßigen Baustellenstammtische sollen dazu beitragen.

Seit 3. Januar wird das Areal mit Kameras und grellem Licht überwacht.
Seit 3. Januar wird das Areal mit Kameras und grellem Licht überwacht.  Foto: privat

Und so erfahren die Teilnehmer bei der achten Auflage, dass sich unschöne Vorfälle häufen, seit die Deponie eine Großbaustelle ist: eine Einbruchserie ist das eine, illegale Anlieferungen von Müll das andere. Deshalb ist seit Sommer 2021 ein Sicherheitsdienst im Einsatz, seit 3. Januar taucht eine "Bau-Watch-Anlage" mit Überwachungskameras die Einfahrt und den Wertstoffhof in grelles Licht. Das ruft die Anwohner auf den Plan.

Andreas Rühle, der in Sichtweite der Deponie wohnt, will wissen, was dahinter steckt. Die Hohenloher Zeitung recherchiert weiter und schaut sich nach der Online-Veranstaltung vor Ort genauer um.

Alles in allem ergibt sich folgendes Bild: Die über Monate dauernde Einbruchserie gipfelt in einem größeren Polizeieinsatz am 22. Januar 2022. Dies bestätigt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn. Mehrere Streifenwagen eilen spätabends herbei, nachdem der örtliche Sicherheitsdienst um kurz vor 22 Uhr Alarm geschlagen hatte. Auch eine Hundestaffel rückt an.

33-jähriger Wiederholungstäter festgenommen

Das Gelände wird abgesucht und ein 33-jähriger Mann aus dem Kreis Schwäbisch Hall festgenommen. "Er wurde bereits wegen eines versuchten Einbruchs am 26. Juni 2021 in den Wertstoffhof in Beltersrot verurteilt", so die Polizei. In beiden Fällen habe der Täter Elektroschrott stehlen wollen. Beide Versuche hätten eine Strafanzeige zur Folge gehabt. Die zu dem jüngsten Fall werde in diesen Tagen an die Staatsanwaltschaft Heilbronn geschickt.

Joachim Bahr, Bereichsleiter der Abfallwirtschaft, an einem Container mit Elektroschrott. Hier hatten sich die Diebe vor allem zu schaffen gemacht.
Joachim Bahr, Bereichsleiter der Abfallwirtschaft, an einem Container mit Elektroschrott. Hier hatten sich die Diebe vor allem zu schaffen gemacht.  Foto: privat

Die Kreismülldeponie wird seit Mai 2020 in großem Stil umgebaut. Auch der zentrale Wertstoffhof wurde erneuert und ist seit April 2021 im Regelbetrieb. Die Einbrüche begannen aber schon 2020: punktuell. "Ab und zu wurde mal ein Container durchwühlt", erklärt Joachim Bahr, Bereichsleiter der Abfallwirtschaft. Im Jahr 2021 hätten sie zugenommen. "Zeitweise kamen die Diebe bis zu dreimal die Woche" - fast immer mit dem Ziel, Elektrogeräte zu stehlen. Anzeige gegen unbekannt zu stellen, sei aussichtslos gewesen.

"Der materielle Schaden war überschaubar", sagt Bahr. Hier und da sei ein Schloss aufgebrochen oder der Zaun beschädigt worden. Das Hauptproblem war "der zeitliche Aufwand, um die durchwühlten Materialien wieder einzusammeln, die aus den Containern mit Elektromüll geworfen wurden". Das habe bis zu drei Stunden gedauert.

Gezielt nach hochwertigem Elektroschrott gesucht

Die Täter hätten gezielt nach hochwertigem Elektroschrott gesucht, der ausgeschlachtet oder repariert werden kann: etwa Handys oder Bildschirme. Im angrenzenden Wald sei ein "Zwischenlager" gefunden worden. Bahr geht davon aus, dass mehrere Banden organisiert vorgegangen seien und verortet die Tätergruppen im osteuropäischen Raum.

Am 26. Juni 2021 wurde der Dieb aus Hall auf frischer Tat ertappt, nachdem ein Anwohner ihn bemerkt hatte und die Polizei verständigt wurde. Damit war klar: Ein Sicherheitsdienst muss her, um die Lage in den Griff zu kriegen. Erst wurde der Wertstoffhof in kleinerem, dann in größerem Umfang überwacht.

Illegale Müllanlieferungen: Ganzes Ausmaß wird erst später sichtbar

Denn im Zuge der Diebstahl-Kontrollen stellte sich heraus, dass Bürger massiv Müll abladen, auch wenn der Wertstoffhof geschlossen ist. Diese illegalen Anlieferungen hatte Bahrs Team bis dato nur vermutet. "Erst nachdem wir den Sicherheitsdienst eingestellt haben, wurde das Volumen deutlich." Allein im zweiten Halbjahr 2021 wurden so mehr als 200 versuchte illegale Abladungen verhindert. Um die Sicherheits-Kosten zu drosseln, wurde im Januar eine Überwachungsanlage installiert.

Auf der Deponie-Baustelle müssen täglich Laster ein- und ausfahren, auch wenn der Wertstoffhof geschlossen ist. Deshalb sind solchen Praktiken Tür und Tor geöffnet. Diebe werden angelockt, weil die Bauzäune leicht zu knacken sind. Der Elektroschrott wird von den Krautheimer Werkstätten für Behinderte teilweise wiederverwertet, sie erleiden also finanzielle Einbußen. Die Abfallwirtschaft braucht mehr Zeit fürs Aufräumen. Und ihr entgehen Einnahmen wegen nicht bezahlter Gebühren. Hinzu kommt die Haftung bei Unfällen. Dies rechtfertige die Überwachungskosten, so Bahr.


Was beim Baustellenstammtisch sonst noch ans Tageslicht kam

Einbruchserie und illegale Müllanlieferungen: Nicht nur diese Punkte kommen beim virtuellen Baustellenstammtisch zum Umbau der Kreismülldeponie ans Tageslicht. Kupferzells Bürgermeister Christoph Spieles kritisiert, dass der Gemeinderat die Baugenehmigung für die Bürocontainer erst behandeln konnte, nachdem diese schon aufgestellt worden waren. Die Anträge hätten vorher eingereicht werden müssen. Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft, entschuldigt sich für diesen Formfehler: "Das war keine böse Absicht. Wir hatten gar nicht auf dem Schirm, dass wir für solch eine Interimslösung eine Baugenehmigung benötigen."

Bis dato nicht bekannt war auch, dass die neue Maschinenhalle jetzt wohl direkt hinter dem Wertstoffhof gebaut wird. Vorteil: Sie stünde noch näher am neuen und erweiterten Deponieabschnitt, der ab Juli 2022 mit Bauschutt und Erden gefüllt wird. Zudem wäre der für Mitarbeiter und Anlieferer des Wertstoffhofs sehr ungemütliche Windeinfall von den Waldenburger Bergen geschlossen. Dieses Problem hatte man bei der Planung nicht bedacht.

Dass Lkw-Fahrer zuweilen auf der Straße nach Beltersrot rasten und ihre Hinterlassenschaften an Büschen und Hecken loswerden, ist Anwohner Andreas Rühle ein Dorn im Auge. Verwunderlich ist ferner, dass sich in dem teuren Öko-Tümpel am Hang zwar Reptilien, Vögel und Insekten tummeln, nicht aber Gelbbauchunken, für die er eigentlich gedacht war. Jakob Joos aus Löcherholz hatte danach gefragt. 

 
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