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Mehr als ein prominentes Gesicht

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Fotograf Czeslaw Czaplinski zeigt "Famous Faces" im Museum im Schafstall

Von unserer Redakteurin Vanessa Müller
Czeslaw Czaplinski hat Michael Jackson auf einer Polenreise begleitet.
Czeslaw Czaplinski hat Michael Jackson auf einer Polenreise begleitet.

Sophia Loren schaut mit kokettem Augenaufschlag in die Kamera. Um die sorgfältig geschminkten Lider ziehen sich Falten. Der Mund ist ist bei einem halben Lächeln festgefroren. Eine schöne, eine alternde Diva im Jahr 1999. Ein paar Schritte weiter hängt Jimmy Carters Foto. Sein Blick verliert sich in der Ferne. Schweiß glänzt auf der Stirn. Müsste die Loren nicht strahlen, Hollywood-Glamour versprühen? Müsste der Ex-US-Präsident nicht generös wirken?

Rockefeller Eigentlich sind berühmte Menschen die ungünstigsten Motive für einen Fotografen. Die Sängerin, der Politiker oder der Sportstar haben sich nach jahrelanger Beobachtung meist Haltungen angewöhnt, die sie für Betrachter und Künstler gleichermaßen langweilig machen. Bei Fotograf, Journalist und Filmdokumentator Czeslaw Czaplinski ist das anders. Auf den 100 Porträtaufnahmen, die seit Sonntag unter dem Titel "Famous Faces" im Museum im Schafstall zu sehen sind, sucht man das Klischee vergeblich.

In den 30 Jahren seines Schaffens veröffentlichte der Pole Czaplinski, der heute in Warschau und New York lebt, tausende Fotos. Sie zeigen bekannte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport. Seine Bilder und Artikel wurden in der ganzen Welt publiziert, etwa in der "New York Times", der "Washington Post" oder in "Newsweek". Doch die Schwarz-Weiß-Fotografien im Schafstall, für die Ausstellung großformatig auf Leinwand gezogen, bilden mehr ab als ein berühmtes Gesicht.

"Persönlichkeiten wie David Rockefeller wollen sich in der Öffentlichkeit zurückhalten", sagt Museumsleiter Hubert Sawatzki und deutet auf ein Bild des Wirtschaftsmoguls, aufgenommen 1987 in New York. "Aber Czeslaw Czaplinski zeigt, dass sie auch Menschen sind." Vor vier Jahren haben sich beide kennengelernt. Czaplinski reist 2009 aus Warschau an, weil er sich für die Bernstein-Ausstellung im Schafstall interessiert. Der Fotograf, der mit dem Gedanken spielt, einen Dokumentarfilm über die Werke und ihren Weg nach Neuenstadt zu drehen, überlässt Sawatzki einige seiner Ausstellungskataloge. Darunter auch einen Fotoband über eine Polenreise von Michael Jackson. Als der Popstar zwei Wochen später stirbt, zögert Sawatzki nicht lange und organisiert eine Ausstellung mit Czaplinskis Jacko-Bildern.

Sparsam Schon damals habe ihn die Art begeistert, wie der Fotograf Menschen in Szene setzt, sagt Sawatzki. "Er baut im Gespräch sehr schnell einen persönlichen Zugang auf. Die Leute öffnen sich ihm." Und so fehlen auf Czaplinskis Portraits die sich ewig wiederholenden Posen, die nicht selten dazu führen, dass Prominente nur als Karikatur wahrgenommen werden. Mit sparsamer Beleuchtung in Szene gesetzt, schauen Besucher in nachdenkliche Gesichter, ernste und lachende. Vor allem aber in sehr menschliche.

Geöffnet bis 23. Februar 2014, jeweils Mittwoch und Sonntag von 11 bis 17 Uhr und nach Absprache unter Telefon 07139 3924. Eintrittskarten kosten vier, ermäßigt zwei Euro.

Tina Turner kommt an ihren Platz: Museumsleiter Hubert Sawatzki hat die Bilder für die neue Ausstellung im Schafstall arrangiert. Damit die Portraits richtig zur Geltung kommen, wurden sie auf Leinwand gezogen.Foto: Mario Berger
Tina Turner kommt an ihren Platz: Museumsleiter Hubert Sawatzki hat die Bilder für die neue Ausstellung im Schafstall arrangiert. Damit die Portraits richtig zur Geltung kommen, wurden sie auf Leinwand gezogen.Foto: Mario Berger
Immer noch Diva: Auch ein Portrait von Sophia Loren ist zu sehen.
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