Malermeister Wilhelm Hägele bleibt bis heute unvergessen
Stets ein frecher Spruch auf den Lippen - der langjährige Besitzer eines markanten Fachwerkhauses in der Künzelsauer Innenstadt ist vielen auch fast 20 Jahre nach seinem Tod in Erinnerung geblieben. Ein frischer Anstrich des Hauses bietet eine gute Gelegenheit zurückzublicken.

Wer vom Wertwiesenparkplatz in die Künzelsauer Altstadt wandert, kommt in der Schlossmühlgasse an einem Häuschen vorbei, das in vielerlei Hinsicht einzigartig ist. Das Fachwerkgebäude ist nicht nur mit prächtigen Blumen geschmückt, es wird auch von zahllosen lustigen Sprüchen geziert.
"Bauen ist ein schön Lust, dass es so teuer, habs nit gewusst!" steht da. Oder auch: "Für viele Arbeiten, für die es im Sommer zu heiß ist, ist es im Winter zu kalt", ist mit "36 Grad Hitze, August 1994"vermerkt.
Gleich zwei Originale

Dieser Tage haben die Maler das Häuschen liebevoll aufgefrischt. Doch nicht nur das Fachwerkgebäude ist ein besonderes Original, sein langjähriger Besitzer war es auch - und er ist bis heute im Bewusstsein vieler Künzelsauer geblieben.
"Der Wilhelm Hägele hatte immer einen tollen Spruch auf den Lippen, wenn er Dir begegnet ist", erinnert sich Hartmut Lange gerne an den Malermeister zurück, der im Jahr 2001 im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Und der Gießermeister Lange ist dem Original oft begegnet, so wie so viele Künzelsauer.
Denn Wilhelm Hägele war häufig in der Stadt unterwegs. "Mein Vater war unheimlich aktiv, er hat wie ein Schwamm alles aufgesaugt, was um ihn herum vorging", erinnert sich seine Tochter Margret Maier-Hägele.
Vieles davon hat die 69-Jährige gesammelt und später aufgeschrieben. So entstanden ab dem Jahr 2000 drei Bücher mit "Künzelsauer Gschichtlich", mitten aus dem Leben des Malermeisters, der sich von Jugend an dem Heimatmuseum in seiner Stadt verbunden fühlte.
Museums- und Stadtführer

Ab den 1950er Jahren übernahm er Stadtführungen und wurde auf seine eigene Art Museumsbetreuer sowie Museumsführer. So hat er unzählige Gruppen und Schulklassen durch Stadt und Museum geführt. "Er wusste zu allem etwas zu sagen - natürlich auch zur Stadtgeschichte", erklärt der heutige Stadtarchivar Stefan Kraut. "Glaabt em net, s' isch verlouche", war ein ganz typischer Spruch von ihm", weiß Kraut. "Ich wollt nur mal sehen, ob Ihr auch was schafft", war ein weiteres seiner unzähligen geflügelten Worte. Das hat er immer gesagt, wenn er aufs Rathaus kam", erinnert sich die Künzelsauer Pressesprecherin Elke Sturm.
Renoviert und umgebaut
Und geschafft hat Wilhelm Hägele Zeit seines Lebens viel - als Malermeister und ehrenamtlich. "Eigentlich hat mein Vater nie im Ruhestand gelebt", berichtet Margret Maier-Hägele. Zwar gab er offiziell seinen Beruf im Alter von 80 Jahren auf, doch auch später gab es in seiner Werkstatt immer was zu tun: Zum Beispiel Gegenstände für das städtische Museum zu restaurieren.
Auch das "Scheuerle" im sogenannten Honigzipfel, dem ehemaligen Gerberviertel der Stadt, das wegen des dort herrschenden, süßlichen Geruches so genannt wurde, hat Wilhelm Hägele 1965 gekauft. 1969 und 1987 hat der Handwerker das Gebäude liebevoll umgebaut und renoviert. Gewohnt hat er in dem denkmalgeschützten Haus allerdings nie. Er blieb Zeit seines Lebens seiner Werkstatt mit Wohnung treu, die direkt gegenüber des "Scheuerle" in der Schlossmühlgasse liegt.
Zur Person
Wilhelm Hägele wurde am 10. September 1915 im Elternhaus am Sixtenbergele in Künzelsau geboren. 1930 begann er eine Malerlehre bei Johannes Schick in der Schnurgasse. 1937 kam er zur Wehrmacht und kämpfte schließlich im Zweiten Weltkrieg in Frankreich, Griechenland und Russland, wo auch er schwer verwundet wurde. Nach dem Krieg legte er die Meisterprüfung ab und gründete in Künzelsau sein Malergeschäft, das es bis über das 70. Lebensjahr hinaus führte. Hägele war verheiratet mit Margot Marschall und hat mit Hans, Margret und Dorothe drei Kinder.

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