Lotsendienst in Pandemiezeiten
Die IBB-Stelle im Hohenlohekreis bietet ein niederschwelliges Beratungsangebot für psychisch Kranke.

Es gibt sie schon seit 2017, die IBB-Stelle im Hohenlohekreis. Die Abkürzung steht für Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle. Dahinter verbirgt sich eine unabhängige und kostenfreie Anlaufstelle für Menschen, die mit ihren psychischen Problemen nicht alleine fertig werden und einen Ansprechpartner brauchen.
"In diesen Pandemiezeiten ist die Nachfrage mit Sicherheit da", erklärt Thomas Scherer, Mitarbeiter beim Sozialpsychiatrischen Dienst im Hohenlohekreis unterm Dach der Caritas Heilbronn-Hohenlohe. Denn in den bereits vor der Pandemie überlasteten Therapeutenpraxen sind Termine mit oft sehr langen Wartezeiten verbunden. Und auch die Mitarbeiter des sozialpsychiatrischen Dienstes haben viel Arbeit. Selbsthilfegruppen können sich wegen der Kontaktbeschränkungen aktuell leider nicht treffen.
Isolation und Zukunftsangst
Viele der üblichen Möglichkeiten, um etwas Energie zu tanken - ob Sport und Bewegung, Kino- oder Cafébesuche mit Freunden - sind zurzeit nicht erlaubt. Und je höher die Inzidenzzahlen sind und je länger der Lockdown dauert, desto größer sind die Isolation und die Zukunftsängste - erst recht bei Menschen, die bereits mit psychischer Erkrankung belastet sind, und auch bei deren Angehörigen.
Scherer unterstützt als fachlicher Begleiter Elke Sterzenbach und Jürgen Dietz, die ehrenamtlichen Mitarbeiter der IBB-Stelle. Sie kennen - als Betroffene und Angehörige - viele der Probleme, die bei psychischer Erkrankung den Alltag prägen, aus eigener Erfahrung. So kann das IBB-Team Unterstützung aus verschiedenen Blickwinkeln anbieten.
Zeit nehmen und zuhören
Und wie können sie Ratsuchenden helfen? "Oft hilft es schon, sich Zeit zu nehmen und einfach zuzuhören. Denn viele sind im Lockdown ja sehr allein", sagt Elke Sterzenbach. "Allein das Thema Corona an sich kann einen mit all den Negativnachrichten schon fertig machen", ergänzt Jürgen Dietz. Mut zusprechen, die Sorgen und Nöte der Ratsuchenden ernst nehmen, das ist eine wichtige Grundlage der Beratungsgespräche. Dabei ist das IBB-Team mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert: von Geldsorgen bis hin zu Rentenfragen, von der Angst um den Arbeitsplatz bis zur Einsamkeit oder der vergeblichen Therapeutensuche.
"Wir sehen uns als Lotsen", betont Thomas Scherer, denn gezielte Beratung zu den verschiedensten Themenkomplexen können die Mitarbeiter nicht bieten. "Aber wir können die Probleme anhören, Wege aufzeigen und im psychiatrischen und sozialen Hilfssystem weitervermitteln", so Scherer. Dafür sind die ehrenamtlichen Kräfte in Fortbildungen geschult. Persönliche Treffen in den Räumen der IBB am Öhringer Cappelrain sind derzeit zwar nicht möglich, aber das Team ist zweimal pro Woche, montags von 10 bis 11.30 Uhr und donnerstags von 16 bis 17.30 Uhr telefonisch zu erreichen. Weitere Gesprächstermine sind dann auch als Zoom-Meeting möglich.
Kontakt
Die IBB-Mitarbeiter sind zu ihren Sprechzeiten unter 07941 20741-43 telefonisch, per E-Mail unter kontakt@ibb-hohenlohekreis.de oder über die Homepage www.ibb-hohenlohekreis.de zu erreichen. Außerhalb der Sprechzeiten können Anrufer Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen und werden baldmöglichst zurückgerufen.
Mitarbeit
Das IBB-Team sucht noch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter. Sie erhalten vor Beginn ihres Dienstes eine mehrteilige Ausbildung. Weitere Informationen bei Thomas Scherer, Caritas Heilbronn-Hohenlohe, unter Telefon 07941 64709820 oder E-Mail scherer@caritas-heilbronn-hohenlohe.de.

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