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Schöntal
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Lieblingsort in prächtiger Natur

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Beim Spaziergang durch Neusaß wird augenscheinlich, warum die Schöntaler Einzelsiedlung ein beliebtes Ziel von Wallfahrern, Wanderern und Ausflüglern ist.

Von Renate Väisänen
Blick auf die Wallfahrtskapelle in Neusaß von Norden aus: zur Grotte mit der Quelle Heiligbrünnlein führt ein schmaler Pfad.
Fotos: Renate Väisänen
Blick auf die Wallfahrtskapelle in Neusaß von Norden aus: zur Grotte mit der Quelle Heiligbrünnlein führt ein schmaler Pfad. Fotos: Renate Väisänen  Foto: Renate Väisänen

Umgeben von tiefgrünem Wald, fruchtbaren Feldern und sattgrünem Weideland liegt die kleine Ortschaft, die gerademal aus zwei Hauptgebäuden und mehreren kleinen Nebengebäuden besteht. An Besuchern mangelt es dem Schöntaler Teilort deswegen nicht. Und schon gar nicht, wenn wie an diesem Nachmittag Sonnenschein und sommerliche Temperaturen herrschen.

Autokennzeichen verraten viel

Auf dem von Wald umgebenen Parkplatz an der schmalen Straße, die nach Neusaß führt, lassen die Autokennzeichen der abgestellten Fahrzeuge erahnen, dass nicht wenige eine lange Anfahrt in Kauf genommen haben, um zum Hohenloher Wallfahrtsort mit Marienkirche zu kommen.

Wie Elke König aus dem Neckar-Odenwaldkreis, die gerade mit dem Wanderstock auf dem Rückweg zum Parkplatz ist. Zum zweiten Mal ist die Seckacherin auf den Wanderwegen um das ehemalige klösterliche Anwesen unterwegs. Und heute bestimmt nicht zum letzten Mal: "Ich genieße vor allem die prächtige Natur hier", erklärt sie der Redaktionsmitarbeiterin.

Umgeben von Natur

Etwas weiter die schmale, sich windende Straße entlang, erspäht man auch schon die Turmspitze der Marienkapelle, die hinter dem etwas höher gelegenen, historischen Forsthaus und ausladenden Baumkronen herauslugt. Davor befindet sich jedoch noch, umgeben von dichten Hecken und Jägerzäunen, ein ganz besonderes Naturdenkmal: die rund 400 Jahre alte Linde.

Kein Wunder, dass die Schöntaler Einzelsiedlung zu einem der Lieblingsorte von Monika Suppan-Karschkesk geworden ist. Mindestens zwei Mal im Jahr stattet die Österreicherin ihrer Freundin Gertrude Kastner in deren Heimatort Schlierstadt (Neckar-Odenwald-Kreis) einen Besuch ab. Dann ist es den beiden Damen ein Bedürfnis, nach Neusaß zu fahren.

"Der Ausflug hierher ist für uns mittlerweile zur Tradition geworden", erzählt Suppan-Karschkesk. Die beiden Freundinnen lassen sich es ebenso nicht nehmen, bei dieser Gelegenheit zwei Marienlieder in der Wallfahrtskapelle zu singen. Aber rein religiöser Natur ist ihr Besuch in Neusaß deswegen trotzdem nicht. "Wir lieben die alte Linde und freuen uns jedes Mal, wenn wir hier sind an diesem wunderbar gewachsenen Baum", verrät Kastner.

Zugewucherte Wege

Ein schattiges Plätzchen unter altem Baumbestand finden Spaziergänger in Neusaß an mehreren Stellen, wie hier am Wanderwegweiser an der Straße.
Ein schattiges Plätzchen unter altem Baumbestand finden Spaziergänger in Neusaß an mehreren Stellen, wie hier am Wanderwegweiser an der Straße.  Foto: Renate Väisänen

Spontanes Wandern ohne bestimmtes Ziel hat dagegen Martin Springer im Sinn. Mit seiner Partnerin erreicht der Heilbronner gerade die Kreuzung mit den zahlreichen gelben Wanderwegweisern, an der es auch zu Forsthaus und Kapelle geht.

In der Schöntaler Ecke sei er immer gerne unterwegs, aber etwas hat er heute doch zu bemängeln: "Teilweise herrscht auf den Wanderwegen hier ein richtiges Dickicht, was es schwer macht, vorwärts zu kommen." Doch Kompensation für die strapaziöse Tour durch das Gestrüpp ist für das Paar bald in Sicht: "Am Ende unserer Wanderung geht es an die Tiroler Seen nach Forchtenberg zum Baden."

Grotte mit Quellwasser

Im wohltuenden Schatten des überdachten Haupteingangs der Marienkirche nimmt derweil eine Gruppe von Besuchern ihre mitgebrachte Wegzehrung ein. Kein Wallfahrer ist dagegen auf dem schmalen Pfad links neben der Kapelle zu sehen, der am ehemaligen Fischweiher des einstigen Klosters vorbei zur Grotte mit der gefassten Quelle führt.

Nur an der steinernen Bank daneben döst ein Pärchen entspannt im Halbschatten der hochgewachsenen Bäume. In der Grotte strömt dem Besucher der Geruch des warmen Wachses der zahlreichen brennenden Gebetskerzen entgegen. Schließt man jetzt die Augen, ist fast nur noch das muntere Plätschern der Quelle zu hören. Entspannung pur.

Blick in die Geschichte

Die Schöntaler Ortschaft wurde als Nuweseze 1157 ersterwähnt, als Wolfram von Bebenburg sein Anwesen Neusaß als Gründungsgut für ein Kloster stiftete. Offenbar löste er so ein Gelübde für seine glückliche Heimkehr vom zweiten Kreuzzug (1147-1149) ein. Neusaß gilt als Urzelle von Kloster Schöntal.

Schon 1395 entwickelte es sich zum Wallfahrtsort . Die einstige Holzkirche wurde durch eine spätgotische Marienkirche ersetzt. 1667 erhielt die Wallfahrtskapelle einen neuen Chor und die Quelle, die die ehemaligen klösterlichen Fischweiher speiste ("das Heiligbrünnlein), wurde neu gefasst. Sie sprudelt heute in einer Art Grotte mit Marienstatue. 1706 wurde die Kapelle vergrößert.

 
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