Letzter Lebensmittelladen in Untersteinbach schließt
Manfred und Elke Metzger geben nach 38 Jahren ihr Geschäft auf, weil es nicht mehr rentabel ist. Sie sind verwundert, dass in Untersteinbach nun die Gründung eines genossenschaftlichen Dorfladens angedacht wird.

In Untersteinbach geht eine Ära zu Ende: Der Lebensmittelladen schließt für immer. 151 Jahre lang führten Mitglieder verschiedener Generationen der Familie Metzger im Ort Lebensmittel- oder Warengeschäfte. Zuletzt waren dies Manfred und Elke Metzger.
Vor 38 Jahren hatten sie ihren Laden in einem Neubau an der Heuholzer Straße eröffnet. In der jüngeren Vergangenheit gingen die Umsätze jedoch stetig zurück. "Wirtschaftlich gesehen waren die letzten Jahre nicht mehr profitabel", sagt Inhaber Manfred Metzger.
Was sich längst abzeichnete, kommt nun: Der letzte Lebensmittelladen in Untersteinbach schließt am 26. Januar für immer seine Türen.
Inhaber müssen sich nun woanders Arbeit suchen
"Als wir anfingen, waren wir in der Region der dritt- oder viertgrößte Laden bei Edeka. Wir hatten auch Auszubildende und heute sind wir das kleinste Licht", erzählt Metzger. Eigentlich plante der Einzelhändler seinen Laden solange zu führen, wie es seine Gesundheit zuließe. Der stetige Umsatzrückgang macht das schwer möglich.
Und dazu kommt nun auch noch, dass ein großes Frischkostregal ausgetauscht werden muss: Eine hohe Investition ins Geschäft lohnt sich angesichts des rückläufigen Umsatzes aber nicht. Die Metzgers schließen und werden sich nun beide anderswo noch Arbeit suchen.
Viele kommen nur, wenn sie woanders etwas vergessen haben
Manfred Metzger ist frustriert. Seit Jahren zeichnet sich ein schleichender Niedergang ab. In den 1960er Jahren, so erinnert er sich, habe es noch fünf Gemischtwarenläden im Ort gegeben. Doch das Leben der Menschen habe sich halt verändert, weiß er. Sie seien heute mobiler als damals, kauften ihre Lebensmittel anderswo - auch bei den günstigen Discountern - und deshalb viel seltener im kleinen Heimatort.
Es gebe durchaus Stammkunden, bestätigt er, aber mancher Untersteinbacher komme halt doch nur schnell vorbei, wenn er etwas vergessen habe.
Metzger berichtet von einer stichprobenartigen Umfrage, die er 2014 in Zusammenarbeit mit der IHK durchführte. Im Hinblick auf sein Geschäft zeigte die Umfrage damals: "Man will es, man braucht es, wenn ich etwas vergessen habe, ist es bequem." Doch das allein reiche nicht.
Keinen Nachfolger gefunden
Damit es auch in Zukunft in Untersteinbach einen Laden gibt, bemühte er sich jetzt um einen Nachfolger. Der Einzelhändler fand allerdings keinen Interessenten. Aufs Thema Dorfladen angesprochen kann Metzger seine Verwunderung nicht unterdrücken. Es befremdet ihn, dass "die Dorfgemeinschaft", die die Möglichkeit gehabt habe, bei ihm einzukaufen und es nicht in ausreichendem Maß getan habe, nun die Gründung einer Genossenschaft andenke, deren Mitglieder Anteile kaufen und die auch ehrenamtliche Stunden im Laden leisten müssen.
Falls der Dorfladen wirklich kommt, wird der dann in seinem ehemaligen Lebensmittelgeschäft unterkommen können? "Das wollen wir nicht, das geht nicht", verneint er klar.
Inhaber ist auch Ortsvorsteher
Metzger ist aber nicht nur Einzelhändler. Er ist seit 20 Jahren auch Ortsvorsteher in Untersteinbach. Auch als solcher bedauert er das "Schwinden von Infrastruktur". Dies geschehe, obwohl Untersteinbach doch ein so lebendiger Ort sei. Etwa 1300 Einwohner leben hier und ihre Zahl sei nicht rückläufig.
Ein halbes Dutzend Vereine, eine Grundschule und einen Kindergarten gibt es. Trotzdem sei jetzt die Schließung des Lebensmittelladens nicht zu verhindern. Ende März folge die Schließung der letzten Metzgerei im Ort und eines weiteren Gasthofs. "Es betrübt mich, dieser Verfall der Infrastruktur."
Bürgerwerkstatt soll Ideen sammeln
Zu einer Bürgerveranstaltung unter dem Motto Zukunftswerkstatt 2030 lädt die Gemeinde Pfedelbach am Freitag, 18. Januar, von 19 bis 22 Uhr in die Sporthalle Steinbacher Tal in Untersteinbach ein. Über Themen wie etwa Gastronomie, Nahversorgung, Infrastruktur, Vereine, Bauen und Wohnen, Mobilität, Generationen und Engagement will man sich gemeinsam Gedanken machen. Ideen, Ziele und Vorgehensweisen wurden bereits im Vorfeld von Bürgern gesammelt und sollen nun weiterentwickelt werden.
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