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Öhringen

Laufende Klospülung kostet tausende Euro

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Ein Vermieter muss eine Wasserrechnung von mehr als 7000 Euro zahlen, weil der Mieter seiner Wohnung nicht meldete, dass ein Defekt an der Toilettenspülung vorlag. Wie lässt sich ein Fall wie dieser verhindern?

Von unserer Redakteurin Juliane Renk
Wenn die Klospülung nicht mehr aufhört zu laufen, ist höchste Zeit zu handeln. Sonst laufen große Summen bei den Wasserkosten auf. 
Foto: akf/Fotolia
Wenn die Klospülung nicht mehr aufhört zu laufen, ist höchste Zeit zu handeln. Sonst laufen große Summen bei den Wasserkosten auf. Foto: akf/Fotolia

Ein Trauerspiel, das bis heute anhält, nennt Harald Herza (Name geändert), was er mit seinem Mieter erlebt hat. Kurt Kühnef (Name geändert) hatte in der Wohnung in der Öhringer Stadtmitte innerhalb des vergangenen Jahres einen Wasserverbrauch von 1,2 Millionen Liter. Die Kaltwasserkosten summierten sich auf 7190 Euro.

Zu dem gigantisch hohen Verbrauch war es gekommen, weil Kühnefs Klospülung sich nicht mehr abstellte, sondern permanent lief. Da Kühnef den Schaden nicht meldete, erhielt der Vermieter erst eine Information von der Hausverwaltung, als der hohe Wasserverlust bereits bestand. Da Kühnef auch mit der Miete im Rückstand war, kündigte Herza ihm.

Auf der Wasserrechnung, den Abwasserkosten und den Mietschulden bleibt Herza nun sitzen, da Kühnef nicht genügend Geld habe. Herza stellte bei der Stadt Öhringen einen Antrag, dass ihm die Abwassergebühren erlassen werden, da das Wasser frisch und unverbraucht war. Der Gemeinderat entschied sich jedoch in nicht öffentlicher Sitzung dagegen. "Es handelt sich nicht um höhere Gewalt. Wir glauben, dass der Nutzer oder Vermieter eine gewisse Aufsicht versäumt hat", erläuterte Dr. Michael Walter, der städtische Pressesprecher. Die Kosten stottert Herza nun in 500-Euro-Raten ab.

Mitleid

Inzwischen macht Herza sich Vorwürfe, dass er Kühnef als Mieter ausgewählt hat. Der Mann habe einen mitleiderregenden Eindruck auf ihn gemacht, sich bescheiden gegeben und kaum Ansprüche gestellt, daher habe er einen Mietvertrag mit ihm abgeschlossen. Heute würde er nicht mehr an einen Mann wie Kühnef vermieten. Mit der Hohenloher Zeitung wollte Mieter Kühnef nicht über den Vorfall sprechen.

Inzwischen hat er sich bei Haus und Grund Öhringen informiert, wie man ein möglichst geringes Risiko bei der Mieterauswahl eingeht. Rechtsanwalt Rainer Baumann, der Vorsitzende des Vereins, empfiehlt den Eigentümern, auf jeden Fall ein Mieterauskunftsformular ausfüllen zu lassen. Hier muss der Interessent angeben, wie viel er verdient, wo er arbeitet, seinen Familienstand angeben und zustimmen, dass der Vermieter einen Solvenz-Check durchführen darf.

Die Auskunft über die Finanzen des potenziellen Mieters holt der Verein bei einer Solvenz-Firma ein. "Wenn Mieter zahlungsunfähig sind, liegen die Kosten häufig bei einer Summe zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Mit kleinem Geld kann man aber den großen Schaden abwenden", sagt Baumann. Damit spielt er auf die Mitgliedschaft bei Haus und Grund an, die jährlich 50 Euro kostet. Für den Solvenz-Check zahlen Mitglieder zwölf Euro pro Person. Mit diesem Vorgehen sei der Verein in den vergangen Jahren sehr gut gefahren und er könne sich an keine nennenswerten Probleme mit Mietern erinnern, berichtet Baumann.

Empfehlung

Wie man Wasserschäden vorbeugen kann, weiß Sanitär- und Anlagenmonteur Marco Scheu von der Scheu GmbH aus Bitzfeld. Er empfiehlt, einen Wasserstopp einzubauen. Er muss dort angebracht werden, wo das Wasser von der Stadt oder Gemeinde in das Gebäude fließt.

Das Gerät hat einen Filter und man kann bis zu drei Parameter angeben, beispielsweise Wassermenge, Entnahmezeit und Durchfluss pro Stunde. Definiert man beispielsweise, dass der Wasserstopp bei einer Menge, die über 300 Liter pro Stunde liegt, reagiert, schaltet er dann ab. Das Gerät kostet um die 1000 Euro.

Es kann das komplette Trinkwassernetz eines Einfamilienhauses überwachen. Bei Rohrbrüchen schaltet es den Wasserzufluss ab. Allerdings geht Marco Scheu davon aus, dass dies für viele der Mietwohnungen nicht machbar ist, da man dort häufig nicht an die Wasserzuleitung kommt.

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