„Laufen ist wie ein Rausch“

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Bottwartal-Marathon sah gestern zufriedene Sportler und Organisatoren - Marco Diehl gewinnt

Von Barbara Barth
Prächtiger Hintergrund in Beilstein: Die Burg Langhans.Foto: Dittmar Dirks
Prächtiger Hintergrund in Beilstein: Die Burg Langhans.Foto: Dittmar Dirks

Grossbottwar - Die Luft ist klar und kalt. Sechs Grad plus. Doch das Fieber steigt. Rund 3000 Läufer und Walker treten beim Start zum vierten Bottwartal-Marathon in Großbottwar wie edelrassige Rennpferde tänzelnd auf der Stelle. Rechtes Bein geschüttelt, linkes Bein geschüttelt. Sitzt der Zeit-Chip fest am Schuh?

Countdown „Noch neun Minuten“, ruft Moderator Achim Seiter ins Mikrofon. Letzte Verhaltensregeln. Noch eine Minute. Michael Schilling aus Heilbronn wünscht sich „eine schöne Atmosphäre“, er will „an seine Grenzen stoßen“. „Laufen ist wie ein Rausch“, pflichtet ihm Kollege Günter Martin bei.

In der ersten Startreihe stehen die beiden Favoriten: Marco Diehl und Michael Sommer. Nummer M 1 und M 2 auf dem Leibchen. Drei, zwei, eins. Ohren zuhalten, der Knall der Böllerkanone dröhnt bis zur Burg Lichtenberg. 42 Kilometer liegen vor den Läufern. „Zeit, um sich das Weiße aus den Augen zu rennen“, sagt Seiter scherzhaft.

In zweieinhalb Stunden ist der Schnellste wieder zurück. Wer nur den halben Marathon läuft, und das ist die überwiegende Mehrheit, schafft’s in weniger als der halben Zeit. Während sich die Läufer gen Norden Richtung Oberstenfeld und Beilstein bewegen, starten die Walker in südliche Richtung. Auf diese Südschleife nach Murr begeben sich später auch die Marathonläufer, wenn sie die Nordschleife absolviert haben.

In den fünf Gemeinden Beilstein, Oberstenfeld, Großbottwar, Murr und Steinheim, durch die die Läufer kommen, ist was los. Denn einmal im Jahr rückt das Bottwartal ganz eng zusammen, den Läufern sei Dank. Überall stehen Helfer, sperren ab, geben Auskunft. In Gronau ist die Hölle los. In Beilstein, bei Kilometer 15 am Ilsfelder Weg, wartet ein Verpflegungsstand auf die Läufer. Links Wasser, rechts Iso, hinten Bananen. „Und Rostbraten mit Zwiebeln“, ruft der 12-jährige Scherzbold Nicolas vom TV Großbottwar. Wie den Sportlern der Becher richtig gereicht werden soll, ist eine Wissenschaft für sich. „Oben am Rand anfassen, damit der Läufer unten zupacken kann“, lautet die Regel. „Allez les Français“, haben Zuschauer für die Teilnehmer aus der Partnerstadt Pontault-Combault als Aufmunterung auf Pappe geschrieben. Armin Maurer und Bernd Kircher werden von ihren Kindern Lena und Tobi mit „Olé, olé, olé - Ihr schafft es“ angefeuert. Helmut und Mini Rupp stehen wie jedes Jahr als Zuschauer an dem erhöhten Punkt beim Seniorenheim. „Als moralische Unterstützung“, sagt er. Wer 40 Jahre Handball gespielt hat, weiß, wie wichtig Anfeuerung ist. Das DRK ist mit 80 Mann im Einsatz: Die Teilnehmerstädte sowie Ludwigsburg und Marbach stellen Ersthelfer, Sanitäter, Rettungssanitäter und Notärzte. „Toi, toi, toi“, sagt Organisationsleiter Berthold Schneider. „Unsere Hilfeleistungen haben sich auf Erschöpfungszustände wegen Überanstrengung, Abschürfungen und Pflästerle beschränkt. Nichts Dramatisches.“ Schnaufend steht Armin Dopfer aus Balzheim bei Ulm neben seinem Auto.Nach einer Stunde, 23 Minuten hat er den Halbmarathon bewältigt. Nicht ganz seine Bestzeit, aber er ist hoch zufrieden. „Die Landschaft ist wunderbar, die Organisation exzellent, die Zuschauer sind toll.“ Auch Tim Zander aus Stuttgart-Vaihingen ist des Lobes voll. „Ein wunderschöner Lauf, den muss ich mir merken“, sagt der Vielläufer. Hier habe alles gestimmt: die Organisation, das Wetter, die Landschaft und das Startgeld. „Wenn man oft startet, guckt man schon auf den Preis.“

In Höchstform Wie erwartet, rennt Marco Diehl aus Butzbach mit knapp über 2:30 Stunden als Erster ins Ziel. Der Vorjahressieger ist wieder mit Abstand der Schnellste. Der Bänker ist ein medizinisches Wunder. Zwölf Marathons ist der 38-Jährige in diesem Jahr schon gelaufen. „Ich bin in der Form meines Lebens“, hatte der Läufer schon vorher verkündet. Er hielt Wort.

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