Landwirtschafts- und Veterinäramt sind nach Kupferzell gezogen
Der Umzug von Öhringen nach Kupferzell erzeugt kaum Wehmut, denn der neue Containerbau ist moderner, geräumiger und klimatisiert. Die Fachklassen für Hauswirtschaft werden ab Herbst in der benachbarten Akademie unterrichtet.

Die Bauern aus dem Hohenlohekreis haben seit 1. Juli eine neue Anlaufstelle, wenn sie fachlichen Rat suchen oder den Gemeinsamen Antrag abgeben, um ihre Direktzahlungen oder andere Fördermittel zu erhalten. Das Landwirtschaftsamt ist samt Veterinäramt in der letzten Juniwoche umgezogen: von der Hindenburgstraße 58/60 in Öhringen in die Schloßstraße 3 in Kupferzell, von den zwei altehrwürdigen Gebäuden (Baujahr 1923 und 1957) in ein modernes Containergebäude, das in 15 Monaten errichtet wurde.
Fachklassen für Hauswirtschaft in Akademie
Auch angehende Hauswirtschafterinnen sowie die Fachdienstleiterin Gabriele Lutz und ihr Team müssen sich umgewöhnen: Ab September werden die Fachklassen nicht mehr im Landwirtschaftsamt in Öhringen, sondern in der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell unterrichtet, die nur wenige Meter entfernt liegt von dem Modulbau in der Schloßstraße.

Bis 31. Juli müssen die Gebäude in der Öhringer Hindenburgstraße vollständig geräumt sein. Auf dieser Fläche entsteht der Neubau des Hohenloher Krankenhauses (HK). Besitzerin des 7800 Quadratmeter großen Grundstücks ist dann die HK gGmbH mit der BBT-Gruppe als Mehrheitsgesellschafterin. Über die Höhe des Verkaufspreises wurde Vertraulichkeit vereinbart.
Der Termin für den Abriss ist noch unklar
Wann die beiden Gebäude abgerissen werden, steht immer noch nicht fest. "Im Moment laufen die Ausschreibungen für die Abrissarbeiten", erklärt BBT-Sprecherin Ute Emig-Lange. "Einen genauen Termin für den Beginn des Rückbaus können wir erst dann nennen, wenn das Verfahren abgeschlossen ist."
Allzu lange dürfte dies aber nicht mehr dauern, schließlich müssen auf dem freigeräumten Baufeld erst Archäologen nach Resten des einstigen Römerkastells graben, bevor Ende 2020 oder Anfang 2021 der eigentliche Baustart erfolgen kann und das neue Krankenhaus im zweiten Halbjahr 2023 stehen soll.
Arbeitsplätze entsprachen nicht mehr modernen Standards

Wolfgang Eißen leitet das Landwirtschaftsamt seit 1993. Er sitzt in seinem alten Büro. Außer einem Tisch, ein paar Bildern und einem Organigramm ist alles in Kupferzell. Eißen erzählt von der illustren Geschichte des Altbaus und frischt viele Erinnerungen auf. Doch seine Wehmut hält sich in Grenzen. "Das Haus ist ziemlich in die Jahre gekommen", will heißen: Die Arbeitsplätze entsprachen schon länger nicht mehr modernen Standards.
"In dem neuen Containerbau fühlen sich die Mitarbeiter nun sehr wohl", so Eißen. Und er selbst natürlich ebenso. Während das meiste Mobiliar komplett erneuert wurde, wollte Eißen sein altes Büro-Inventar mitnehmen. So ganz kann er die vergangenen 26 Jahre eben doch nicht loslassen.
Sachbearbeiterin ist froh

Rundum neu ausgestattet ist der Raum mit der Nummer eins neben dem Eingang. Hier werden die Gemeinsamen Anträge angenommen und bearbeitet: 1200 von Mitte März bis Mitte Mai. "Den Rest des Jahres sind wir dann damit beschäftigt, die Anträge zur Auszahlung zu bringen", sagt Sachbearbeiterin Tülay Lemke.
Künftig wird das Team dabei im Sommer nicht mehr schwitzen. Und im Winter wird es nicht mehr durch undichte Ritzen ziehen. Die von allen ersehnte Klimaanlage leistet bereits beste Dienste. "In Öhringen mussten wir die Fenster mit Altpapier abdichten", so Lemke. Um die Hitze und die Zugluft wenigstens etwas zu lindern. "Außerdem sind alle Möbel neu, das Licht ist viel heller. Und wir haben viel mehr Platz und genügend Ablagemöglichkeiten für die Landwirte." Für die Veterinäre und Außendienstmitarbeiter gibt es nun Duschen. Die Öffnungszeiten bleiben gleich, die Ansprechpartner und Kontaktdaten ebenso.
Nähe zur Akademie
Die Nähe zur Akademie für Landbau schafft viele Synergien. Und bietet auch den vormals in Öhringen angesiedelten Fachklassen für Hauswirtschaft eine neue Heimat. "Im Herbst starten wir dort neu", sagt Gabriele Lutz, die den Fachdienst leitet. "Die Lehrküche wurde extra umgebaut, auch die Lehrsäle stehen uns dann zur Verfügung." So greifen Inhalte und Abläufe bei diesem kombinierten Standort-Modell gut ineinander - und es ist zudem am wirtschaftlichsten.
Der Containerbau
15 Monate dauerte es, das zweigeschossige Containergebäude in der Schloßstraße 3 in Kupferzell zu errichten, wo seit 1. Juli das Landwirtschafts- und Veterinäramt untergebracht sind. Das kostet den Kreis 2,1 Millionen Euro. Während die Module gekauft wurden, gehört das Grundstück dem Land. Zuvor war dort eine Sammelunterkunft für Asylbewerber. Der Containertrakt entspricht in Form und Zuschnitt dem Gebäude D in Künzelsau, wo seit Sommer 2017 das Umwelt- und Baurechtsamt sitzt. Er ist nur größer und nicht grau, sondern grün. 78 Arbeitsplätze gibt es. Sie bleiben dort so lange, bis das neue Landratsamt in Künzelsau komplett fertig ist.
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