Kulinarische Spezialitäten und Musik beim Kermes-Fest

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Türkische Gemeinde lässt sich durch Aprilwetter nicht vom Feiern in der Moschee abhalten

Von Gerhard Gutbrod
Wie in jedem islamischen Gotteshaus findet man in der Aksemseddin-Moschee eine Gebetsnische (links) und eine Kanzel für die Predigt (hinten rechts).Foto: Gutbrod
Wie in jedem islamischen Gotteshaus findet man in der Aksemseddin-Moschee eine Gebetsnische (links) und eine Kanzel für die Predigt (hinten rechts).Foto: Gutbrod

Öhringen - Die vieldiskutierte Frage, ob Unterschiede in der Abstammung und in der religiösen Orientierung ein Problem im Zusammenleben darstellen, beantwortet sich in der Lebenswirklichkeit manchmal von selbst. Wie am Sonntag: Da feierte die islamische Gemeinde in der Öhringer Aksemseddin-Moschee ihr Kermes-Fest, das man mit einer hiesigen Kirmes vergleichen kann. Neben landestypischer Musik, Bewirtung und Folklore konnten sich Besucher auch durch die Räume des Gotteshauses führen und die Einrichtungen erklären lassen.

Führung Und an einer solchen Führung nahm auch eine Familie teil, deren Mitglieder sowohl von deutscher und türkischer Abstammung, als auch von gemischter, nämlich katholischer und islamischer, Religionszugehörigkeit sind. Im Gespräch gab man aber zu verstehen, dass weder die unterschiedliche Abstammung noch die Religionszugehörigkeit das Zusammenleben erschweren würden und die siebenjährige Tochter über ihre religiöse Ausrichtung später einmal selbst entscheiden solle.

Interessiert folgte die kleine Gruppe den Ausführungen von Turhan Kalayci, die über den großen Betsaal unter der Kuppel und seine Einrichtungen Interessantes zu berichten wusste: "Das ganze Moscheegebäude ist nach Südosten ausgerichtet, weil ja das wichtigste islamische Heiligtum, die Kaaba in Mekka, in südöstlicher Richtung liegt." Bei den christlichen Kirchen ist Jerusalem der Fixpunkt, deshalb blickt auch die christliche Gemeinde nach Südosten beim Gottesdienst. Die Gebetsnische, der "Mihrap" in der Mitte der Südostwand ist am prächtigsten mit gemusterten Kacheln ausgekleidet, eingerahmt von Koransprüchen in dekorativer arabischer Schrift. "Mimber" heißt die Kanzel für die Predigt an Feiertagen, zu der eine Treppe führt. In der linken Ecke befindet sich die Kanzel zur Weitergabe von religiösem Wissen, die "Kürsü" genannt wird. Ein weiteres Podest hinten rechts dient dem Gebetsruf und heißt "Müezzinlik". So mancher Tourist, der in einer muslimischen Stadt übernachtet hat, ist wohl durch die mikrophonverstärkte Aufforderung zum Gebet schon aus dem Schlaf gerissen worden. Bestimmt wird er sich aber gefragt haben, ob die Gläubigen den richtigen Zeitpunkt für die Gebete nicht selbst wissen. "Das ist sehr schwierig, denn die Gebetszeiten verschieben sich jeden Tag wegen des Sonnenstandes", erklärte Aslihan Karagöz, Gemeindevorstand und Imam, die Notwendigkeit des Rufes durch den Muezzin.

Im Außenbereich vergnügte sich eine große Menschenmenge bei türkischen Spezialitäten, mit passender Musik und genoss einfach das Zusammensein mit Landsleuten aus der ganzen Region. Dabei fiel auf, dass fast nur noch bei Älteren türkische Laute zu hören waren, das junge Volk spricht deutsch. "Ich verstehe meine Großeltern in der Türkei nur ganz schlecht und ihnen geht es mit mir genau so", sprach ein Mädchen im Schulalter eines der typischen Zuwandererprobleme an.

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