Krautheims Schulden sinken
Gute Steuereinnahmen im Jahr 2021 führen in Krautheim zu hohen Abgaben im aktuellen Haushalt der Stadt. Dennoch sinkt der Schuldenstand.

Der Landkreis feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen. Darauf weist Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler in der jüngsten Gemeinderratssitzung hin. Nicht ohne sich eine kleine Stichelei zu gönnen: "Ich möchte an dieser Stelle auf unsere starke Unterstützung des Landkreises hinweisen - denn unsere Kreisumlage ist so hoch wie nie." Damit startet Köhler in die Verabschiedung des Haushaltsplanes für das aktuelle Jahr, den der Gemeinderat am Ende einstimmig verabschiedet.
Krautheim hat ein Minus von 5,4 Millionen
Alles in allem wird Krautheim im Jahr 2023 Ausgaben von 15,7 Millionen Euro haben. Dem stehen 10,3 Millionen Euro Einnahmen entgegen. 5,4 Millionen Euro fehlen damit am Ende des Jahres in der Stadtkasse. Im vergangenen Jahr war es lediglich ein Minus von 700.000 Euro.
Wirklich besorgt klingt der Noch-Bürgermeister, der Ende Juli dieses Jahres sein Amt niederlegt (wir berichteten) nicht. Denn der Grund für das Defizit ist schnell gefunden: Es gibt in diesem Jahr keine Schlüsselzuweisungen vom Land. Diese spülten im vergangenen Jahr noch zwei Millionen Euro in die Kasse. Da sich aber die Zuweisungen immer auf die Steuereinnahmen des Vorvorjahres beziehen - "wir hatten 2021 einmalig hohe Gewerbesteuereinnahmen", wie Köhler erklärt - bleiben die Zuweisungen in diesem Jahr aus. Die hohen Einnahmen 2021 verursachen zudem, dass die Stadt 3,3 Million Euro an Kreisumlage zu bezahlen hat.
Puffer wegen Tarifverhandlungen
Als Krautheims Kämmerin Alexandra Keller mit ihren Ausführungen des Haushalts beginnt, muss sie erstmal seufzen. "Die Zinsen in diesem Jahr gehen nach oben, wir haben fast sechs Millionen Euro Steuern und Abgaben zu bezahlen, während Zuweisungen und Zuwendungen weniger werden." Die Verwaltung hat für dieses Jahr in einigen Bereichen Puffer eingeplant, erklärt sie. So etwa bei den Personalkosten. "Hier stehen ja Tarifverhandlungen an, deshalb haben wir mal acht Prozent Erhöhung mit eingerechnet, dann sind wir bei 3,7 Millionen Euro Personalkosten."
Auffällig im Haushalt: Es wird dieses Jahr kein Kredit aufgenommen. Das ist auch gar nicht möglich, wie Keller erklärt. "Die Kreditobergrenze haben wir gerissen." Dass der Bürgermeister nicht allzu besorgt ist, liegt auch daran, dass sich der Schuldenstand dank Tilgungsleistungen dennoch um 800.000 Euro verringert, am Ende wird er bei 3,2 Millionen Euro liegen. Zusätzlich erhöhen sich die liquiden Mittel um rund 1,2 Millionen Euro.
"Der Gemeinderat hat 2023 viel vor", erklärt Köhler. Dabei sind die meisten Projekte der Stadt Fortführungen aus den vergangenen Jahren: Schlusszahlungen für den Kindergarten-Neubau Unterginsbach (100.000 Euro), Breitbandausbau (100.000 Euro), energetische Sanierung des Kindergartens Klepsau (50.000 Euro), Sanierung der Eduard-Knoll-Straße (687.000 Euro) und vor allem: die Umgestaltung des Bahnhof- und ZG-Areals im Herzen der Stadt. Alleine für den Neubau des Busbahnhofs ist rund eine halbe Million eingeplant, für Abbruchkosten und weiteres am ZG Areal werden 572.000 Euro fällig. Insgesamt sind für alle Bauprojekte fünf Millionen Euro eingeplant.
Ungewöhnlicher Haushalt
"Der Haushalt ist ungewöhnlich", sagt Ratsmitglied Thomas Dubowy am Ende der Etatvorstellung. "Nicht nur, weil es Ihr letzter ist, sondern weil die Zahlen ganz besonders sind." Er verweist nochmals auf die 8,4 Millionen Gewerbesteuereinnahmen, die es im Jahr 2021 für die Stadt gab, und die nun Auswirkungen auf die Finanzen haben. "Aber dank sparsamer und umsichtiger Planung des Rates gibt es Rücklagen von 7,16 Millionen Euro." Gut auch, so Dubowy weiter, dass der Haushalt mit Reserven geplant sei. Nur die hohen Personalkosten bei Kindergärten und Musikschule, "da sind Gebührenanpassungen nötig."
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