Koch-Gruppe übernimmt Autohaus Ochs
Martin Häußermann gibt seinen VW-Betrieb an den deutlich größeren Schwäbisch Haller Familienbetrieb ab.

Aus Ochs wird Koch: Auf diesen Nenner lässt sich die nächste Veränderung in der regionalen VW-Landschaft bringen. Martin Häußermann, der das Möckmühler Autohaus Ochs 2006 kaufte und 2010 zusätzlich von der ASW-Gruppe den völlig heruntergewirtschafteten Öhringer VW-Standort übernahm, verkauft sein inzwischen bestens aufgestelltes Autohaus auf Druck des VW-Konzerns an seinen Schwäbisch Haller Nachbarn: Durch Fusionen möchte der Hersteller im Handel Synergien schaffen und Kosten sparen.
Von sechs auf 90 Mitarbeiter ist das Unternehmen unter seiner Ägide gewachsen, in Öhringen hat er zudem ein neues Gebäude erstellt, das sämtliche VW-Richtlinien erfüllt. Und er hat den Marktanteil in Öhringen und im Jagsttal wieder nach oben gebracht. Dennoch ist Martin Häußermann jetzt offenbar durchs Raster gefallen - schon im Oktober hatte der Hersteller angekündigt, die alten Verträge mit den Händlern aufzukündigen und weniger neue zu vergeben.
Außer dem Namen soll sich nichts ändern
Jetzt ist der Verkauf besiegelt - nach einer sechsmonatigen Übergangsphase werden am 1. Juli die neuen Firmenschilder an die beiden Betriebsstätten geschraubt. Für Kunden und Mitarbeiter soll sich außer dem neuen Namen nichts ändern, versprechen Martin Häußermann und Lutz Härterich, der die Geschäftsführung der neu zu gründenden Autohaus Koch GmbH übernehmen wird. Weil er in der Koch-Gruppe auch andere Aufgaben hat, wird es zudem eine Betriebsleiter für die Standorte in Öhringen und Möckmühl geben. "Sämtliche Mitarbeiter werden durch die Koch-Gruppe übernommen", betont Härterich - zu den bisherigen Bedingungen.
Häußermann wird sich künftig anderen unternehmerischen Aufgaben stellen. "Wenn man die Möglichkeit hat, seine Firma und seine Mitarbeiter in gute Hände abzugeben, dann darf man da nicht im Weg stehen", sagt er. Dem Unternehmer, der früher selbst in der Vertriebsabteilung des VW-Konzerns arbeitete, war wichtig, dass der neue Eigner ein Familienunternehmen ist, dass die Standorte erhalten bleiben und dass das Preisgefüge für die Kunden vergleichbar ist - etwa beim Stundensatz für Reparaturarbeiten. "Ich kenne die Firma Koch schon sehr lange", sagt er. Er empfinde den Verkauf eigentlich mehr als ein Zusammenschluss.
Koch-Gruppe peilt 150 Millionen Euro Umsatz an
Einschließlich der bisherigen Ochs-Standorte wird die Koch-Gruppe künftig etwa 420 Beschäftigte haben, 150 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften und im Jahr 2900 Neuwagen und 4400 Gebrauchtfahrzeuge verkaufen. Neben dem Stammhaus in Schwäbisch Hall hat das Unternehmen Standorte in Ellwangen, Gaildorf und Crailsheim. Neben VW hat die Unternehmensgruppe auch die Marken Audi, Seat und Skoda im Angebot. In Öhringen werde man aber weiterhin mit Partnern wie dem Audi-Stützpunkt von Volker Graf zusammenarbeiten. Dennoch sei man künftig in der Lage, unter Wahrung des Gebietsschutzes zumindest im Gebrauchtwagen- und im Flottengeschäft mehr Autos aus dem Markenportfolio auch an den Standorten in Öhringen und Möckmühl anbieten zu können.
Koch-Seniorchef Thomas Härterich sieht sein Unternehmen als Spezialist für den ländlichen Raum und für Mittelzentren - so soll es auch bleiben, sagt er. An mehr als zehn Standorten bearbeite man den Markt auf einem großen Gebiet in vier Landkreisen. Dennoch ergäben sich durch den Zusammenschluss Synergien - etwa in Sachen Elektromobilität. "Neue Technologien stellen den Handel künftig noch vor viel größere Herausforderungen", sagt er. Schon jetzt seien die Betriebe in Schwäbisch Hall zertifizierte Hochvoltstützpunkte für die Wartung und Reparatur von Elektrofahrzeugen.
Kritik
Heftige Kritik an den neuen Händlerverträgen übt der VW- und Audi-Partnerverband - weil der Hersteller "maximale Kontrolle" erreichen wolle und die Spielräume der Vertriebsorganisation weiter beschneide. Geplant sind offenbar harte Einschnitte: Die Zahl der Firmen mit VW-Vertrag soll, wie in Branchenkreisen gemunkelt wird, von derzeit 700 auf 300 zusammengestrichen werden.
Stimme.de
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