Kleines Organ mit großer Wirkung
Vortragsreihe im Hohenloher Krankenhaus Öhringen - Drei Ärzte referieren über die Schilddrüse

Von Andreas Tschürtz
Die Schilddrüse sitzt am Kehlkopf, sieht aus wie ein Schmetterling und beeinflusst mit den von ihr produzierten Hormonen Wachstum und Funktion zahlreicher Organe von der Leber bis zum Herzen. Das A und O einer gesunden Schilddrüse ist ihre ausreichende Versorgung mit Jod. Kommt die Schilddrüse wegen Jodmangel aus dem Takt, tickt der ganze Mensch nicht mehr richtig.
Bei der so genannten Schilddrüsenunterfunktion können die Betroffenen teigige Haut und struppiges Haar bekommen, fühlen sich schlapp oder frieren. Das offensichtlichste Anzeichen aber ist der Kropf. Die Schilddrüse, die mangels Jod weniger Hormone produzieren kann, als sie soll, versucht dies - erfolglos - durch Größe auszugleichen und wächst.
Dr. Andre Schröder-Son, Endokrinologe und Oberarzt an der Inneren Abteilung im Öhringer Krankenhaus, erklärt: „Bei einer rechtzeitigen Behandlung mit Jodid-Tabletten oder mit dem Schilddrüsenhormon Thyroxin, kann das Schilddrüsenvolumen aber innerhalb eines Jahres wieder um bis zu 40 Prozent reduziert werden.“
Jodmangel kann auch zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen: es bilden sich Knoten, herdförmige Veränderungen in der Schilddrüse, die sich vom Hormonkreislauf abkoppeln und völlig unkontrolliert autonom Schilddrüsenhormone produzieren. Die Folgen beschreibt der Radiologe Dr. Michael Marx: „Diese Patienten wollen im Winter bei minus zehn Grad am liebsten im T-Shirt herumlaufen, sie könnten fünf Mahlzeiten am Tag essen oder werden zu Zappelphilippen.“ Würde er in diesem Fall eine Unterfunktion diagnostizieren und dem Patienten Jodtabletten verschreiben, würde die Krankheit weiter verschlimmert.
Vermeiden lassen sich Veränderungen der Schilddrüse nur schwer, vor allem im Alter nimmt die Gefahr, an der Schilddrüse zu erkranken, zu: Jeder dritte Deutsche hat eine vergrößerte Schilddrüse, ohne davon zu wissen. Jeder zweite über 45 Jahren ist an der Schilddrüse erkrankt und muss behandelt werden. Allein 60 000 Mal kamen im letzten Jahr radiologische Therapien zum Einsatz. Michael Marx ist Spezialist auf diesem Gebiet: „Bei der Radiojodtherapie etwa wird den Patienten eine Kapsel mit radioaktivem Jod verabreicht, das sich in den Knoten der Schilddrüse anreichert und diese von innen zerstrahlt.“
Noch öfter, 120 000 Mal im Jahr, greifen Chirurgen wie der Chefarzt der Öhringer Chirurgie, Dr. Werner Reinosch, zum Messer: „Operiert wird ab einer gewissen Übergröße der Schilddrüse und immer, wenn bei Knoten Krebs nicht ausgeschlossen werden kann.“
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