Kleine Tafeln an den Bäumen erinnern an die Verstorbenen

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Bei Schloß Stetten ist der zweite Waldfriedhof im Hohenlohekreis entstanden – Urnenbestattungen sind ab sofort möglich

Von Erna Hauber
Der von Bäumen umgebene zwölfeckige Pavillon am Eingang des Waldfriedhofes lädt mit seinen Eichenbänken zum Verweilen ein.Foto: Erna Hauber
Der von Bäumen umgebene zwölfeckige Pavillon am Eingang des Waldfriedhofes lädt mit seinen Eichenbänken zum Verweilen ein.Foto: Erna Hauber

Künzelsau - Ist es die Stille im Wald? Ist es das Vogelgezwitscher, wenn die Sonne morgens durch den Nebel dringt? Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine letzte Ruhestätte am Fuße eines Baumes.

Mit dem Waldfriedhof Schloß Stetten steht ab sofort ein weiterer Gottesacker in freier Natur im Hohenlohekreis zur Verfügung. Die zweieinhalb Hektar große Anlage mit Pavillon befindet sich auf dem vorderen Schloßberg zwischen Schloß Stetten und dem Bienenhof, etwa zehn Kilometer von der Kreisstadt Künzelsau entfernt. Ein Wanderweg, der durch das Gelände in Richtung Langenburg führt, darf weiterhin benutzt werden. Ansonsten unterliegt der private Friedhof genauso strengen Regeln wie Gemeindefriedhöfe. In eine Flurkarte und Beisetzungsregister wird jede Urne und der dazugehörige Baum eingetragen. Laut Dr. Wolfgang von Stetten können ab sofort so genannte Familienbäume für maximal zehn Urnen, sowie Einzelplätze an vorgegebenen Gemeinschaftsbäumen erworben werden.

60 Jahre Liegezeit Die Liegezeit beträgt 60 beziehungsweise bei Familienbäumen maximal 99 Jahre. Verwendet werden dürfen ausschließlich so genannte Bio-Urnen, die nach Aussage eines hiesigen Bestattungsunternehmers entweder aus pulverisiertem Flüssigholz gefertigt, oder aus Eichenholz ohne Metallteile bestehen.

„Als Schmuck sind lediglich unter den Baum gelegte Schnittblumen erlaubt. Der Charakter des Friedhofes soll Wald bleiben“, erläutert von Stetten. „Grabschmuck und Denkmale sind nicht gestattet.“ Das Gelände wurde mit einer Hecke aus heimischen Sträuchern umfriedet, Farnpflanzen säumen den geschotterten Waldweg. Letztendlich werden nur kleine Tafeln an den Bäumen mit dem Namen des Verstorbenen sowie Geburts- und Sterbedaten an ein Grab erinnern.

Der Friedhof ist offen für alle Konfessionen und Geistesrichtungen. Je nach Ritual kann ein Priester oder Trauerredner mitgebracht oder ein Bestattungsunternehmen beauftragt werden. Anfragen seien bereits vorhanden, erklärt der Betreiber, der auch die 80 Personen fassende, gotische Schlosskapelle nach Absprache zur Verfügung stellt. „Die Preise für die Grabnutzung auf 60 beziehungsweise 99 Jahre betragen für einen selbst auszusuchenden Familienbaum einmalig 2900 Euro. Darunter finden dann, im Laufe der Zeit, zehn Urnen mit Familienmitgliedern Platz. Für einen einzelnen Platz unter einem ausgewiesenen Gemeinschaftsbaum werden pro Kopf 650 Euro fällig. Dann werden die zehn Plätze der Reihe nach belegt“, so von Stetten.

Waldcharakter Außerdem kommen laut eines örtlichen Bestatters für das Öffnen und Schließen des Urnengrabes, Urkunden, Registrierung sowie den Bestattungsordner und die eigentliche Urnenbeisetzung Kosten in Höhe von 300 Euro dazu. Bis die Urne zur Beisetzung kommt sind in der Regel im Vorfeld schon Kosten entstanden zum Beispiel für den Sarg, Blumenschmuck, zur Aussegnungsfeier und Krematoriums- sowie Überführungskosten.

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