„Kerle, komm’ nach Öhring’“

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Rechtsanwalt im Ruhestand Helmut Volz (80) ist ein Urgestein der Großen Kreisstadt

Lesen ist eine der Lieblingsbeschäftigungen von Helmut Volz.Foto: Müller
Lesen ist eine der Lieblingsbeschäftigungen von Helmut Volz.Foto: Müller

Öhringen „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werde können“, zitiert Helmut Volz den Dichter Jean Paul. Wer 80 Jahre alt geworden ist und wie Volz auf ein bewegtes und erfülltes Leben zurückblicken kann, der hat eine Menge Erinnerungen gespeichert. Erinnerungen an gute und schlechte Zeiten, an fröhliche Stunden und Feschtlich.

Helmut Volz, bekannt als bodenständiger Rechtsanwalt und Öhringer Urgestein, hat seine Wurzeln in Degmarn am Kocher. Der Bauernbub kam zum Arbeitsdienst nach Graz, später in französische Kriegsgefangenschaft und musste in einem Kohlebergwerk schuften. In dieser Zeit lernte er Mitgefangene kennen, die aus dem Sudetenland stammten und nicht, wie er, in die alte Heimat zurückkehren konnten.

In Krieg und Gefangenschaft sah er viel Leid und hat sich vorgenommen: „Wenn ich heim komm’, werd’ ich Jura studiern und dann arme Leut’ helfâ“. Volz machte 1950 Abitur und studierte. In Tübingen trat er dem Cartellverband (CV) farbentragender katholischer Studenten bei.

Als Assessor traf er in Öhringen Bürgermeister Richard Laidig. Der sagte zu ihm: „Kerle, komm’ nach Öhring’. So einen wie dich können wir gebrauchen“. Und Rechtsanwalt Volz kam. Er übernahm 1960 die Praxis von Max Stöhr in der Bahnhofstraße.

Hier begegnete er auch Doris Groß, die im Versicherungsbüro Kranepuhl arbeitete. „Wenn ich sie sehe, lacht für mich die Sonne“, ließ er sie wissen. 1961 war Hochzeit in Schöntal. Zwei Töchter gingen aus der Ehe hervor.

Volz machte sich einen guten Namen als Rechtsanwalt und übernahm auch Ehrenämter in Öhringen. Er war Ortsvorsitzender der CDU, Mitglied des Gemeinderats von 1965 bis 1975, Kirchengemeinderat der katholischen Kirche sowie Vorsitzender der Kaufmännischen Schule, wo er Ehrenvorsitzender ist.

„Ich habe viele Strafsachen gemacht, von Hamburg bis München“, blickt Volz auf sein berufliches Leben. Mit seinem Büro Volz & Kollegen zog er in das Haus mit dem Türmle an der Ecke Schillerstraße/Ebertstraße. Nicht ohne Stolz erinnert er sich an seinen 60. Geburtstag, als er eine besondere Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg erhielt: die Staufer-Medaille. Für ehrenamtliches Engagement und dreißigjährige Tätigkeit in der Rechtspflege.

Mit seiner Frau genießt Helmut Volz heute sein Eigenheim in Öhringen. Ohne Alkohol und Nikotin. Etwa vier Stunden lesen, auch die HZ, und drei Stunden fernsehen gehören zum Tagesablauf. So ist er stets gut informiert über Gott und die Welt und Öhringen. „Die Stadt hat sich positiv entwickelt“, sagt Volz.

Sein eigenes Tun schätzt er so ein: „Ich war sicher ein guter Anwalt“. Und ein herzensguter, muss man hinzufügen. Wenn ein Mandant gar kein Geld hatte, sagte er zu dem: „Beten sie für mich ein Vater unser“.

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