Keine Scheu vor Wasser auf dem Öhringer Pferdemarkt
Trotz Dauerregen werden bei der Zuchtpferdeprämierung auf der Öhringer Herrenwiese 71 Stuten und vier Pferdefamilien vorgestellt. Zahl der Zuschauer ist bei dem miesen Wetter deutlich geschrumpft.
Wasserscheu dürfen am Montag weder Rösser noch Menschen sein. Im 197. Jahr des Öhringer Pferdemarkts beschert Tief Victoria dem Öhringer Nationalfeiertag Dauerregen. Zum Glück bleibt der ebenfalls vorhergesagte starke Wind aus. Noch in der Nacht zuvor sind kräftige Böen über Hohenlohe hinweggezogen.
Drei Vorführringe an neuem Platz
So mancher Pferdebesitzer ist angesichts des miesen Wetters mit seinen Tieren nicht zur Zuchtpferdeprämierung auf der Herrenwiese erschienen. Und dennoch: Von 107 Stuten und sechs Pferdefamilien, die gemeldet waren, werden 71 Stuten und vier Pferdefamilien vorgestellt - eine bei diesen äußeren Bedingungen beachtliche Zahl. Diejenigen, die gekommen sind und zum Teil recht weite Anfahrtswege in Kauf genommen haben, werden mit einer Neuerung überrascht. Erstmals hat der Baubetriebshof die drei Vorführringe auf der Herrenwiese auf dem neu gerichteten Platz auf der gegenüberliegenden Seite der Berliner Straße präpariert - in direkter Nachbarschaft zum Abstellplatz für die Pferdehänger und Pferde-Lkws. Eine Lösung, die von den Beschickern allgemein gelobt wird. Kurze Wege zu den Ringen, die Pferde können bis kurz vor der Vorstellung im Hänger bleiben - was gerade bei dem Dauerregen gut ist. Und die Sicherheit für die Zuschauer ist ebenfalls besser gewährleistet. Deren Zahl ist an diesem Vormittag im Gegensatz zu den Vorjahren ebenfalls deutlich geschrumpft. Auch hier fordert Victoria ihren Tribut.
Regen schreckt nicht ab
Doch Pferdeleute sind nicht aus Zucker. Das meinen auch die Familien Theuerweckl aus Waldbrunn im Odenwald und Neuenstadt-Stein. Mit vier Haflingerstuten sind sie nach Öhringen gekommen. "Der Regen macht uns nichts aus, wir kennen keine Scheu", lacht Petra Theuerweckl. "Hätten wir aber das Wetter von vor einer Woche gehabt, hätten wir abgesagt." Und auch die Zuschauerinnen Silke Schmidt aus Hengstfeld und Sabine Döring aus Eschenau sind dieser Meinung. Beide haben selbst Holsteiner Pferde zu Hause und haben jahrelang auf dem Öhringer Pferdemarkt ihre Stuten ausgestellt. "Mittlerweile sind wir in dem Alter, wo wir nicht mehr selbst Pferde vorführen müssen, weil es viel Zeit und Nerven erfordert", lacht Schmidt. Doch ganz ohne tierische Begleitung sind sie dennoch nicht. Döring hat ihren drei Monate alten belgischen Schäferhund Mon Ami mitgebracht. "Der soll die ungewohnte Umgebung kennenlernen."
Unheimliche Wasserpfütze am Ringeingang
Pünktlich um 9 Uhr fährt Günter Wieland mit seinen schweren sächsischen Warmblütern Oberbürgermeister Thilo Michler, Landrat Matthias Neth und Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck in einer weißen Kutsche in den Ring. Die Chefin des Haupt- und Landgestüts Marbach ist an diesem Morgen von der Schwäbischen Alb nach Öhringen gekommen und führt die achtköpfige Richterriege an. Zusammen mit Siegfried Weippert, dem Vorsitzenden des Fränkischen Pferdezuchtvereins Öhringen, bewertet sie die Warmblutstuten in Ring eins. Und deren hohe Qualität überzeugt sie voll und ganz. Obwohl vor allem die eine oder andere unerfahrene Jungstute an diesem Vormittag etwas Scheu hat, in den Warmblut-Ring zu gelangen. Denn genau vor diesem hat sich eine große Wasserlache gebildet. Und über die muss man erst einmal drüber kommen. In den drei Ringen selbst ist ebenfalls Vorsicht geboten. Denn der dicke Rindenmulch ist komplett durchfeuchtet und kann in den Ecken, wenn die Pferde im Trab an der Hand vorgeführt werden und dabei mal ein Sätzle lassen, rutschig sein. Doch alles geht gut.
Lob bei der Preisverleihung
Und so kann sich OB Thilo Michler bei der Preisverleihung am Nachmittag in der Kultura freuen. Nach einem sonnigen Pferdemarkt-Sonntag mit Besucherrekord ist auch die Pferdeprämierung am Montag trotz Dauerregen gut vonstatten gegangen. "Sie können sich glücklich schätzen, in der Region solche Pferde zu haben", lobt Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck in ihrer Manöverkritik. Es sei ihr eine Freude gewesen, so eine hohe Qualität und Qualitätsdichte im Warmblutring zu sehen. Deutlich sei auch der Zuchtfortschritt von den älteren zu den jüngeren Stuten. "Sie sind mit ihren Pferden auf der Höhe der Zeit." Bis auf wenige Ausnahmen seien die Pferde top herausgebracht und in bestem Zustand vorgestellt worden. Dies gelte auch für die anderen beiden Ringe, wie ihr die dortigen Richter gesagt hätten. "Die Qualität ist so, dass es Spaß macht zu richten", unterstreicht die Landoberstallmeisterin. Und schön sei es auch, die Rassevielfalt auf dem Öhringer Pferdemarkt zu erleben.
Landesehrenpreis und Ringsiegerinnen
Mit Spannung erwartet wird bei der Preisverleihung, wer den Landesehrenpreis erhält. Er geht 2020 an die deutsche Reitponystute Express Cardigan Bay aus Zucht und Besitz von Urte Maier-Roth, Dettenheim. Die 24 Jahre alte Stute ist mit ihrem zwölften Fohlen tragend. Siegerin in Ring eins wurde die acht jährige Warmblutstute Belana von Baracuda aus der Ulla XII aus dem Besitz von Irene Walter, Lippach. Siegerin in Ring zwei wurde die siebenjährige Schwarzwälder Kaltblutstute Nele von Vogtsberg aus der Nicky aus dem Besitz von Silke Abel, Oberohrn. In Ring drei siegte Dartmoor-Pony Raya aus Zucht und Besitz von Petra und Jürgen Wagner, Michelfeld.


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