Jubiläum für den Straßenersatz: Standseilbahn ist zehn Jahre alt
Künzelsau - Die Idee war einst in Blaue gesponnen, als überlegt wurde, wie das Wohngebiet Taläcker eine zweite Erschließungsstraße bekommen könnte. "Ich bin als gebürtiger Stuttgarter jeden Tag über die Gleise der Zahnradbahn geradelt", erzählte Bürgermeister Volker Lenz.

Die Idee war einst in Blaue gesponnen, als überlegt wurde, wie das Wohngebiet Taläcker eine zweite Erschließungsstraße bekommen könnte. "Ich bin als gebürtiger Stuttgarter jeden Tag über die Gleise der Zahnradbahn geradelt", erzählte Bürgermeister Volker Lenz. So etwas hoch zu den Taläckern zu bauen, stellte sich zwar als nicht realistisch heraus - doch statt dessen schlugen Ingenieure eine Standseilbahn vor. In Betrieb gegangen ist sie vor zehn Jahren. Und das wurde am Sonntag auf den Taläckern gefeiert.
Noch einmal erinnerten die Beteiligten an die intensiven Diskussionen, die es damals in der Stadt gab. "Viele befürchteten, Künzelsau sei danach pleite", erzählte Lenz. Doch diese Angst bestehe immer wieder bei Großprojekten - noch geht es der Kreisstadt aber finanziell gut. Letztendlich gab es in einem Bürgerentscheid eine knappe Mehrheit für das Projekt.
Kämmerer Eckhard Angelmaier berichtete, dass das Verkehrsmittel in seinen zehn Jahren Betrieb weniger Verluste gemacht habe, als kalkuliert worden war. 2005 sei das beste Jahr gewesen, lediglich 10 000 Euro mussten ausgeglichen werden. Veranschlagt waren ursprünglich - je nach Einwohnerzahl der Taläcker - zwischen 70 000 und 125 000 Euro. Im vergangenen Jahr waren knapp 50 000 Euro Ausgleich nötig. Wobei der Kämmerer klarstellte: "Öffentlicher Nahverkehr ist immer ein Zuschussbetrieb."
Eine Bergbahn im Flachland ist auch nicht so ungewöhnlich, wie es Skitouristen empfinden mögen. "Die ersten dieser Bahnen wurden in Städten gebaut", erinnerte Fritz Berger von der Schweizer Garaventa AG, die seinerzeit die Standseilbahn errichtete. "Und so flach ist es hier ja auch wieder nicht", meinte er. "Es ist nichts Ungewöhnliches, eine Bahn mit einer so geringen Neigung zu bauen." Heute gehe der Trend in Großstädten sogar wieder hin zu diesem Verkehrsmittel. Größtes Problem in Künzelsau seien der instabile Hang und die Trasse mit ihren vielen Brücken gewesen, ergänzte Peter Eberwein vom Planungsbüro Fritz.
Für die Bürgerinitiative von den Taläckern, die im Vorfeld der Abstimmung im Jahr 1996 leidenschaftlich für das Projekt kämpfte, habe sich der Einsatz rückblickend gelohnt, fasste Professor Hermann Lanfer zusammen. Dadurch habe sich das Wohngebiet erst so gut entwickeln können. "Ohne die Standseilbahn wären die Taläcker nichts gewesen", meinte er. Sie sei vor allem wichtig, wenn die Bewohner einmal älter werden und dann nicht mehr so mobil seien.
Mit einem zünftigen Weißwurstessen, Musik, Besichtigungen der Bergstation und kostenlosen Fahrten bis in den Nachmittag klang der Tag schließlich aus.
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