Ist in Sachen Jagsttalbahn eine Einigung in Sicht?
Der Gemeinderat Krautheim billigt den Kompromiss im seit Jahren schwelenden Konflikt mit der Jagsttalbahn AG. Die Trasse könnte nun Richtung Möckmühl entwidmet werden.

Es ist eine Gemeinderatssitzung von historischer Bedeutung in Krautheim. Sie legt den Grundstein über die Zukunft der Jagsttalbahn. Aber wieder einmal ist es - wie das Thema über Jahre gelehrt hat - kompliziert.
Denn was unter dem Titel "Jagsttalbahn - Einigungspapier" auf der Tagesordnung des Krautheimer Rats so klingt, als sei nun endlich eine allumfassende Einigung zwischen der Jagsttalbahn AG und der Stadt erzielt worden, lässt viele Fragen offen. Immerhin, so scheint es, sind die Streitparteien auf einem guten Weg.
Jagsttalbahn ist in Krautheim ein hochemotionales Thema
"Alle Beteiligten wollen in dieser Sache weiterkommen", ist Bürgermeister Andreas Insam überzeugt, der die unliebsame Aufgabe hat, in seiner ersten Gemeinderatssitzung als neuer Stadtchef das seit Jahrzehnten schwelende und hochemotionale Thema abzuhandeln.
Dem Einigungspapier, das im Grunde ein Protokoll aus den Schlichtungsgesprächen im Verkehrsministerium ist, müssten weitere Schritte folgen: So müsse etwa das künftige Betriebskonzept der Jagsttalbahn AG für die Strecke von Dörzbach nach Krautheim noch erarbeitet werden. Außerdem soll der Rechtsstreit zwischen AG und Stadt beigelegt und eine finale Einigung in allen Punkten erzielt werden.
Gültigen Beschluss zur vollständigen Entwidmung zurücknehmen
Der Gemeinderat ist nun aber zunächst gezwungen, seinen bisher gültigen Beschluss zurücknehmen. Der besagte nämlich, dass die Jagsttalbahntrasse auf Gemarkung Krautheim vollständig entwidmet werden soll. Hier setzt nun das Einigungspapier an, das zeitnah von allen Beteiligten unterzeichnet werden soll. Darin steht, dass die Trasse ab dem geplanten Busbahnhof in Krautheim, also ab der Einbiegung der Trasse auf die Götzstraße, entwidmet werden kann. Das gilt für die gesamte Strecke Richtung Schöntal.
Ein wichtiger Schritt für die Stadt, das macht Andreas Insam deutlich. Denn ohne die Entwidmung an dieser Stelle, könnte der neue Busknotenpunkt nicht gebaut werden, weil die entsprechenden Fördergelder nicht bewilligt würden. Aus städtischer Sicht ist nun Eile geboten. Schleunigst soll entwidmet und dann der Zuschussantrag gestellt werden. Das müsse, so Insam, alles noch in diesem Jahr passieren.
Die Trasse Richtung Dörzbach soll der Jagsttalbahn AG durch einen Pachtvertrag zu einem symbolischen Preis von einem Euro überlassen werden. Der Vertrag sorgt dann dafür, dass der AG die "abschnittsweise Reaktivierung und Wiederinbetriebnahme" ermöglicht wird. Was das Papier jedoch auch offenbart ist, dass bislang keineswegs eine Einigung in Sachen restliches Bahnhofsareal erzielt wurde. Und genau daran scheiterten bislang alle Kompromiss-Versuche.
Denn die Entwicklung der Fläche zusammen mit dem angrenzenden ZG-Areal ist ein zentrales Anliegen der Stadt. Sie will hier eine Stadtmitte mit Wohnen, Gastronomie und Dienstleistung, sprich mit Aufenthaltsqualität, schaffen. Auch die Parkflächen sollen neu gestaltet werden. An dieser Stelle ist die Jagsttalbahn AG jedoch nicht zu einer Entwidmung der Trasse bereit, denn man möchte irgendwann den Traum realisieren, vom Dörzbacher Bahnhof bis zum Krautheimer Bahnhof einen Museumszug fahren zu lassen.
Gemeinschaftliche Nutzung des Areals
Was sagt nun also das Einigungspapier? "Diese Bahnnutzung müsste sich mit den städtebaulichen Plänen zur Nutzung des Geländes als Verkehrs- und Parkfläche vertragen." Und weiter: "Sollte sich diese gemeinschaftliche Nutzung des Bahnhofsareals eisenbahnrechtlich, bahnbetrieblich und straßenverkehrsrechtlich umsetzen lassen, so werden die Jagsttalbahn AG und die Stadt Krautheim dieses Gelände in den Pachtvertrag aufnehmen." Doch gerade das Eisenbahnrecht verhinderte bislang, dass auf der Trasse die geplanten Parkflächen baulich umgesetzt werden können. Eine Lösung scheint hier also noch nicht gefunden.
Im Gemeinderat wiederum verwehrten lediglich die Räte Wolfgang Ringeisen und Eberhard Stauch - beide Verfechter der Jagsttalbahn - ihre Zustimmung. Für sie wog die Aufgabe der Trasse und damit der bisherigen Durchgängigkeit Richtung Möckmühl zu schwer. Ringeisen merkte an, dass man sich durch diese Entscheidung eine künftige Nutzung der Trasse - nicht nur in Sachen Museumszug und Tourismus im Jagsttal, sondern auch für zukunftsfähige ÖPNV-Konzepte - für immer verbaue. "Ich sehe es weniger als Kompromiss, sondern als Niederlage der Jagsttalbahn."

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