Infekt nach OP ist kein Einzelfall
Künzelsau - Auch in meiner Operationswunde haben sich Keime festgesetzt. Auch ich musste an einer anderen Klinik viermal nachoperiert werden. Wie kann das in einem zertifizierten Krankenhaus passieren?" Das ist nur eine der Leserreaktionen auf den HZ-Artikel, der am 20. November erschienen war.

Künzelsau - Auch in meiner Operationswunde haben sich Keime festgesetzt. Auch ich musste an einer anderen Klinik viermal nachoperiert werden. Wie kann das in einem zertifizierten Krankenhaus passieren?" Das ist nur eine der Leserreaktionen auf den HZ-Artikel über die langwierige und folgenreiche Infektion einer Patientin am Hohenloher Krankenhaus Künzelsau nach einer Blinddarmoperation, der am 20. November erschienen war.
Vor allem Patienten, die nach Hüft- und Knieoperationen an Infektionen der Operationswunde litten, meldeten sich bei der HZ-Redaktion. Die Angehörigen eines betroffenen Patienten wissen gleich von mehreren Infektionsfällen − alle hätten sie im selben Zimmer gelegen. Dem Künzelsauer Krankenhaus werden dabei nicht nur Hygienemängel vorgeworfen. Die Ärzte würden "Patienten mit Dauerbehandlungen und Versprechen unmenschlich hinhalten". Einige der Patienten werden mittlerweile an anderen Kliniken weiterbehandelt.
Hygieneverordnung
Der ärztliche Direktor des Hohenloher Krankenhauses und Vorsitzende der Hygienekommission reagiert betroffen auf die Vorwürfe. "Jede Infektion ist eine Katastrophe und ein Fall zu viel", sagt Dr. Andreas Eckle im HZ-Gespräch. Doch er betont auch: "Wir erfüllen an beiden Klinikstandorten die Vorschriften der Hygieneverordnung des Landes. Unsere Operationssäle sind steril." Das sei bei der jüngsten Kontrolle des Landesgesundheitsamtes im Oktober des Jahres wieder bestätigt worden.
Intern sorge nicht nur die Hygienekommission, sondern auch eine Hygienefachkraft und Hygienevorschriften für jede Abteilung dafür, dass die Standards eingehalten werden. Komme es zu einer Infektion, werde sofort reagiert. Wundabstriche werden gemacht und außerhalb des Hauses in Schwäbisch Hall untersucht. Bis die Ergebnisse da seien, werde mit einem Breitspektrumantibiotikum behandelt, danach mit Medikamenten, die auf die Keime abgestimmt seien. Sollte es sich dabei um multiresistente Keime MRSA oder ESBL handeln, würden die Patienten sofort isoliert.
Da die meisten Bakterien über die Hände weitergegeben würden, seien überall im Krankenhaus für Mitarbeiter wie Patienten Desinfektionsapparate aufgestellt. "Am Verbrauch sehen wir: Sie werden auch benutzt." Doch wie kommt es dann zu den Infektionen?
Steril
"Es gibt zwar sterile Bereiche wie die OP und Verfahren, etwa Verbandswechsel, bei denen Sterilität gewährleistet sein muss, aber es gibt kein bakterienfreies Krankenhaus", sagt Eckle. Es gebe Patienten, die nicht nur Bakterien mitbringen würden, sondern auch ein angeschlagenes Immunsystem hätten.
Vor allem ältere Patienten seien dabei besonders anfällig. Ein Problem sei auch, dass Antibiotika immer öfter verordnet würden und zunehmend in Nahrungsmitteln enthalten seien. Das schädige nicht nur das Immunsystem, sondern sorge auch dafür, dass Keime immer stärkere Resistenzen entwickeln würden. Auch wenn es sich dabei noch nicht um multiresistente MRSA- oder ESBL-Keime handle, sei die Behandlung sehr langwierig. Vor allem wenn es sich um Operationen im Knochenbereich handle.
"Knochen sind viel empfindlicher, und die Folgen sind schwerer." Dass Patienten dabei Geduld und Vertrauen verlieren könnten, kann er nachvollziehen. "Der Arzt, der als letzter behandelt, erntet den Erfolg. Aber wir hätten das auch gekonnt", ist er sicher.
Stimme.de
Kommentare
am 26.11.2010 08:07 Uhr
Richtig Dr. Eckle, der Arzt, der als letzter einen Patienten behandelt, erntet den Erfolg....stimmt durchaus, vorausgesetzt dessen Ableben, sollte soetwas auch einmal passieren, wird ebenfalls als ein solcher bewertet. Diese Anmerkung bezieht sich selbstverständlich ausschließlich auf Ihren Kommentar und nicht auf ev. Ergebnisse des Krankenhauses, zu denen ich wirklich nichts sagen kann.
Aber nun zur Sache. Als Träger von zwei Implantaten habe ich mich vor meinen Operationen ausgiebig im Internet über Krankenhäuser informiert. Wichtig waren für mich Hinweise auf Infektionsraten, Operationen in gemischten OPs oder reinen Knochen OPs, operierender Arzt usw. usw. Bereits nach kurzer Zeit hatte ich Künzelsau für mich abgehakt. Trotz einer Entfernung von 270 km entschied ich mich schließlich für das Lorettokrankenhaus in Freiburg mit anschließender AHB im Hausbaden in Badenweiler.
Das Ergebnis: Krankenhausaufenthalte von 5 bzw. 8 Tagen mit einer sich anschließenden AHB von jeweils 4 Wochen bewirkten, dass ich ohne Gehilfen die Anschlußheilbehandlung verlassen konnte.
Aber jetzt zum wesentlichen. Unter welchen Bedingungen wird im Lorettokrankenhaus operiert:
"....steht in der Abteilung for Orthopädische Chirurgie das Prinzip der Reinstraumtechnik in Verbindung mit Schutzhelmen für die aktive Luftabsaugung zur Verfügung. Bei der turbulenzarmen Verdrängungsströmung wird in das für die Unfallchirurgie und Orthopdie zur Verfügung stehende OP-feld keimfreie Luft eingeblasen. Durch den entstehenden dynamischen Überdruck gegenüber den Außenbereichen entsteht eine Schutzzone, in der keine Keimeindringung über die Luft in eine Operationswunde möglich ist. Damit können Infektionen im Knochen reduziert werden."
Das Ergebnis, leider habe ich hier nur ältere Zahlen zur Hand, ist eine Infektionsrate von 0,4%, die weit unter dem Landesdurchschnitt liegt.
Ich bin zufrieden mit meinen OPs im lorettokrankenhaus. Trotz Knie- und Hüft-TEP fahre ich im Sommer bis zu 100 km Rad täglich und spiele, heute natürlich nicht mehr wettkampfmäßig, Tennis.
Es wäre deshalb für alle Leser hilfreich, nicht Sätze wie den Eingangs zitierten zu lesen, sondern vielmehr Hinweise zu erhalten, wie und unter welchen Bedingungen in Künzelsau operiert wird. Nur so kann Vertrauen hergestellt werden.