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Hohenlohe

Neue Containeranlage für Geflüchtete – "wir gehen von fünf Jahren aus"

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Die Ingelfinger Stadträte zeigen Verständnis für die Notwendigkeit einer Containeranlage und segnen das Baugesuch für ein gemeinsames Wohnheim zusammen mit dem Landkreis ab.

Ähnlich wie diese Container in Niedernhall, bloß zweistöckig und mit zwei Trakten, wird die Anlage im Ingelfinger Kelterweg wohl aussehen.
Foto: Archiv/Ludwig
Ähnlich wie diese Container in Niedernhall, bloß zweistöckig und mit zwei Trakten, wird die Anlage im Ingelfinger Kelterweg wohl aussehen. Foto: Archiv/Ludwig  Foto: Ludwig

Deutlich mehr Zuhörer als üblich besuchen die Gemeinderatssitzung am Dienstagabend in Ingelfingen. Für viele war der Grund ein Baugesuch auf der Tagesordnung: Die "geplante temporäre Wohncontaineranlage für Asylbewerber", die zwischen Mariannenstraße und Kelterweg, hinter der Weinkellerei Hohenlohe aufgestellt werden soll. Landkreis und Stadt Ingelfingen wollen dort gemeinsam geflüchtete Menschen unterbringen.

Die Anlage wird in zwei Trakte unterteilt – aus gutem Grund

In der Anlage sollen maximal 128 Personen unterkommen. Das berichtet Bauamtsleiter Roman Maier dem Gremium. Die Pläne sehen vor, dass die Container in zwei Trakte unterteilt werden: den einen für die Menschen, die das Landratsamt in der Erstaufnahme unterbringt und den anderen für die Anschlussunterbringung, als Aufgabe der Stadt. "Die Container werden ähnlich sein wie die in Niedernhall", so Maier. Allerdings soll die Anlage zweistöckig sein. Die genaue Ausstattung, beispielsweise die Zahl von Duschen und Toiletten, sei noch nicht sicher. "Die Container werden vom Kelterweg her erschlossen, beide Trakte sind über einen Gang verbunden."

Ausnahmsweise gibt es Hintergrundinfos zu einem Bauvorhaben

Auf Bitten des Stadtrats Hans Wallner gibt Bürgermeister Michael Bauer den Gästen in der Sitzung Hintergrundinformationen. "In diesem Fall werde ich das tun, auch wenn das bei Baugesuchen eigentlich nicht üblich ist". Die Stadt brauche die Anlage, weil die bisherigen Räume nicht ausreichen. "In der Vergangenheit haben wir mehrmals alte Gebäude gekauft." Jetzt sei die Stadt an einem Punkt, "an dem wir es so nicht mehr schaffen". Das Immobilienangebot werde geringer und "bei der Preisvorstellung kommen wir nicht zusammen".

Die Stadt habe die Pflicht, die zugewiesenen geflüchteten Menschen aufzunehmen. Die Fläche am Kelterweg sei die einzig schlüssige: "In den Ortschaften gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Schulen und Kindergärten." Und spätestens während der Ferien sei der Busverkehr sehr schlecht. Die einzige Alternative zur Containeranlage: "Wir müssten eine Halle anbieten." Nur die Heinrich-Ehrmann-Halle habe die nötigen sanitären Anlagen, "dann wären Schul- und Vereinssport nicht mehr leistbar".

Ingeflingen: Seit einem Monat treiben die Pläne die Bürger um

Die Pläne für die Anlage waren im Oktober im Amtsboten veröffentlicht worden. Seither sind sie im Rathaus einsehbar, die Verwaltung beantworte Fragen. Einige Menschen seien dagewesen oder haben sich telefonisch erkundigt, schreibt Bauamtsleiter Roman Maier auf Nachfrage unserer Redaktion. Dabei sei es um Bedenken der Bevölkerung gegangen, wie der Beleuchtung des Kelterwegs, "welche bereits auf LED umgestellt" ist, sowie "natürlich auch um Sicherheitsbedenken".

"Es war erstaunlich ruhig in der Sitzung", sagt Wallner am Mittwoch. Bei der Sitzung im Oktober hatte es eine Bürgerfragestunde gegeben; er habe erwartet, dass sich Menschen zu den Plänen äußern, "aber da kam gar nichts". Man höre ein "Grundmurmeln" in der Stadt, aber im Gespräch könne die Notwendigkeit erklärt werden. Denn die geflüchteten Menschen in der Halle unterzubringen, sei keine Lösung. "Die Pläne waren seit Oktober öffentlich. Es gehört auch dazu, dass sich die Leute selbst bemühen, wenn man etwas wissen will."

Mit einer Enthaltung protestiert ein Ratsmitglied gegen die Bundespolitik

Mit einer Enthaltung segnen die Räte das Baugesuch ab. Sie kam vom Lipfersberger Stadtrat Markus Hammel, als "Zeichen" gegen die Flüchtlingspolitik des Bundes: "Ich bin nicht für oder gegen die Anlage." Die Regierung sei schuld, dass man die geflüchteten Menschen jetzt unterbringen müsse.

"Ich habe den Eindruck, dass wir Nachbarn das entspannter sehen, als Teile der Menschen, die in der Sitzung waren", sagt Stadträtin Susanne Schmezer, die in der Umgebung des Grundstücks wohnt und arbeitet, am Mittwoch. Zwar sehe ein Nachbar mit einer jungen Tochter die Anlage kritischer, Frauen seien verunsichert, auch bei ihr in der Familie. "Aber jeder weiß, es geht nicht anders." Vielleicht könne gerade die Eingliederung in der Nachbarschaft helfen, dass die Bewohner sich gut benehmen.

Sie hoffe, "dass sich ein Asylfreundeskreis formieren kann", denn die Beauftragte der Stadt könne schwerlich den Aufwand mit mehr als 100 neuen Bewohnern zusätzlich stemmen. Von der Sitzung sei sie aufgewühlt heimgekommen: "Ich habe in den Zuschauerreihen hinter mir Kommentare gehört, die besorgen mich genauso wie diese Anlage, oder sogar noch mehr."

Wahrscheinlich wird die Anlage fünf Jahre lang genutzt werden

Die Anlage hatte der Gemeinderat in nichtöffentlichen Sitzungen früher schon besprochen. Sie ist vorerst auf zwei Jahre geplant, kann aber auf fünf Jahre verlängert werden, sagt Bürgermeister Michael Bauer - "wir gehen von fünf Jahren aus". Perspektivisch könnten damit die geflüchteten Menschen aus der Erstunterbringung des Kreises für die Anschlussunterbringung der Stadt dort wohnen bleiben. Auch eine Fläche beim Sportplatz sei in der Diskussion gewesen, heißt es aus den Reihen des Gemeinderats. Diese sei aber Hochwassergebiet und der Bau der Anlage dort nicht möglich.

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