In Gaisbach wird es in Kindergarten und Schule eng
Der Künzelsauer Stadtteil Gaisbach wächst. Das sorgt für Platznot in Kindergarten und Schule. Was nun zu tun ist, darum ging es im Gemeinderat.

Martin Joos ist ein Mann klarer Worte: "Wenn wir nichts machen, saufen uns die Zahlen ab." Was der für Kindergarten- und Schulentwicklung zuständige Projektmanager der Stadt Künzelsau meint ist, dass man in Gaisbach auf 247 fehlende Kindergartenplätze zusteuert, wenn in den kommenden 15 Jahren nicht gebaut und erweitert wird. Neben dem Stadtteil Taläcker, wo Maßnahmen und Investitionen in ähnlichen Dimensionen erforderlich sind, sei Gaisbach "der zweite große Brocken", der auf die Stadt zukommt, erklärt Joos in der jüngsten Gemeinderatssitzung.
Ein Grund dafür: "Wenn man die Neubaugebiete Haselhöhe I und II berücksichtigt, wird sich Gaisbach von der Einwohnerzahl her mehr als verdoppeln." Dieses Wachstum hat seinen Preis, denn die Infrastruktur muss mitwachsen.
Interimskrippe als erster Schritt
Derzeit gibt es im Kindergarten Gaisbach weder Ganztagesplätze (GT) noch Gruppen für unter Dreijährige (U3). In einem ersten Schritt soll deshalb noch in diesem Jahr eine Interimskrippe mit zwei U3-Gruppen geschaffen werden. Dafür prüfe man ein privates Wohngebäude. Noch im März soll der Gemeinderat über den Standort entscheiden. Dann geht es an Erweiterung und Umbau des bestehenden Kindergartengebäudes in der Silcherstraße. Das entspricht alleine altersbedingt - es stammt von 1966 und wurde Mitte der 80er schon einmal erweitert - nicht mehr den heutigen Anforderungen.
Der Anbau ist auf dem bestehenden Grundstück möglich, weil der Außenbereich des Kindergartens mit Spielplatz bislang sehr großzügig ist. Die Erweiterung ermöglicht - je nach letztendlich umgesetzter Variante - bis zu sechs Gruppen, derzeit sind es drei. Beginn der Maßnahme soll 2024 sein. Ein Abbruch des Bestandsgebäudes sei auch noch nicht vom Tisch, man prüfe das derzeit noch, erklärt Joos. Im Mai/Juni müsse ein Grundsatzbeschluss vom Gemeinderat gefällt werden.
Grundschule zu klein
Damit der enorme Platzbedarf - insgesamt bis zu 15 zusätzliche Gruppen - gedeckt werden kann, reichen diese Maßnahmen jedoch nicht. In einem dritten Schritt ist deshalb der Neubau einer sechsgruppigen Einrichtung geplant. Ist diese fertig, schließt die Interimskrippe wieder. Der Kita-Neubau steht jedoch in direktem Zusammenhang mit der Zukunft der Reinhold-Würth-Grundschule. Denn auch die wird aufgrund von steigenden Schülerzahlen absehbar zu klein. "Im Moment ist die Schule einzügig", sagt Martin Joos. Er rechne damit, dass man künftig eine zwei-, eventuell sogar eine dreizügige Grundschule brauche.
Mit dem Bestandsgebäude von 1990 sei das nicht machbar. Bereits 2008 gab es Untersuchungen am Schulhaus, die bautechnische Mängel aufgezeigt hätten und eine Sanierung und Erweiterung eher ausschließen. In unmittelbarer Nähe befinden sich Sportanlagen und eine kleine Halle, aber auch noch ausreichend Freifläche um den sogenannten "Zentralbereich" neu zu überplanen.
Auf der rund 1,9 Hektar großen Fläche wäre laut Martin Joos denkbar, anstelle der Grundschule den Neubau der Kita zu verwirklichen. Im nördlichen und westlichen Bereich des Grundstücks könnten dann Grundschulneubau, Schulhof und eine Mensa entstehen. Ein Familienzentrum, ein Spielplatz oder eine weitere kleine Halle würden ebenso noch Platz finden. Wie das Plangebiet am Ende im besten Fall ausgestaltet wird, soll ein städtebaulicher Wettbewerb ergeben. Über diesen entscheidet der Gemeinderat spätestens im Juni. Der Grundschulneubau ist derzeit für 2026 vorgesehen, die sechsgruppige Kita (Gaisbach II) sowie die Mensa, die von beiden Einrichtungen genutzt werden soll, 2027.

Diskussion im Rat
Die Gemeinderäte sind nicht sicher, ob der Bedarf an Kindergartenplätzen und Schulklassen tatsächlich im prognostizierten Maß erreicht wird. Gemeinderat und Schulleiter Rainer Süßmann (Die Freien) findet, man solle das Thema Grundschule defensiver angehen und diese zweizügig planen - mit einer Erweiterungsmöglichkeit auf Dreizügigkeit. Hans-Jürgen Saknus (SPD/Grüne) fragt sich, ob die Plätze im Waldkindergarten bei den Berechnungen berücksichtigt sind. Ebenso rechne man ja mit viel Zuzug von Mitarbeitern der Firma Würth, die mit dem firmeneigenen Kindergarten aber eine Alternative zu den städtischen Einrichtungen haben.
Projektleiter Martin Joos bestätigt, dass die Plätze der Kita Würtholino bereits berücksichtigt seien und demnach zu keiner Entlastung führen. "Auch der Waldkindergarten ist in der Gesamtschau der benötigten Plätze mit drin", jedoch nicht im einzelnen Planbezirk. Das heißt: Er ist im Gesamtbedarf an städtischen Betreuungsplätzen verrechnet, nicht aber allein auf Gaisbach oder Taläcker.
Sabine Janny (UBK) sorgt sich vor allem darum, ob die ganzen Maßnahmen überhaupt finanziell zu schultern sind. Kämmerer Ulrich Walter beruhigt: "Wir können uns bei Taläcker und Gaisbach auf den Weg machen, so viel ist bereits kalkuliert." Er räumt jedoch ein, dass die Rücklagen dafür nicht ausreichen werden und je nach wirtschaftlicher Entwicklung in anderen Bereichen der Rotstift angesetzt werden müsse. "Wir bemühen uns natürlich auch um Fördermittel", ergänzt Bürgermeister Stefan Neumann. Es sei zudem eine Frage, wie viele Projekte man personell in der Verwaltung schultern könne.
Der Gemeinderat beschließt am Ende, die Projekte wie vorgeschlagen weiterzuverfolgen und diese regelmäßig auf den tatsächlichen Bedarf und Finanzierbarkeit zu prüfen.

Stimme.de
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