Immer schön cool bleiben
Vom Freibad bis zum Campingplatz: Wie die Menschen im Hohenlohekreis der großen Hitze trotzen.

Das Quellwasser im Michelbacher Freibad ist normalerweise recht frisch. Mit 13 Grad fließt es zu Saisonbeginn ins Becken. Im Sommer sind 18 bis 20 Grad die Regel, aufgewärmt durch die Sonne. Am Samstagnachmittag zeigt das Messgerät 24,5 Grad. Das ist Rekord. Und nicht der einzige.
Die Affenhitze hat in der ersten Stunde schon 200 Besucher ins Freibad getrieben. Bis zum Abend waren es 800. "Normal sind an guten Sommertagen 80 bis 100 Gäste da", sagt DLRG-Aufseher George Büchler (49). Schon am Freitagabend war dass Bad proppenvoll. "Über 500 Besucher: Das hatten wir noch nie." Selbstredend wurde auch am Sonntag die 800-Marke locker erreicht.
36,5 Grad heiß ist die Luft. Draußen. Im Kiosk sind es 60 Grad. Nadine Kalisse (29) und ihre Helfer schuften am Fließband und schwitzen, schwitzen, schwitzen. "Am Freitag war das Trinken und Essen komplett aus." Fürs Wochenende haben sie mehr eingekauft. "Weizenbier und Radler geht am besten."
Tennis
Nur ein paar Meter entfernt flirrt die Hitze über den Tennisplatz. Claus Martin (56) und Andreas Michler (53) vom TC Erlenbach sitzen zwischen zwei Autos im Schatten und trinken ein Hefe. Sie hätten um 14 Uhr gegen das Öhringer Altkreis-Team spielen sollen. "Wegen der Hitze haben wir die Partien auf 9 Uhr verlegt", sagt Michler. Trotz Wassereimer, Eispaketen und kühlenden Handtüchern: Für Claus Martin war es eine Tortur. "Ich habe nur 50 Prozent von dem gespielt, was ich könnte." Es reichte dennoch zum Sieg, auch wenn die Öhringer am Ende mit 6:3 gewannen.
Am Neumühlsee in Waldenburg sind am Samstag alle Schattenplätze belegt. Und mehr als 100 Menschen baden im See. "Das ist ungewöhnlich viel", erklärt Manuela Leichtle (36), die DLRG-Wache. Ungewöhnlich hoch ist auch die Wassertemperatur: 24 Grad. "Sonst liegen wir zwischen 20 und 22 Grad."
Helmut Schneider (32) aus Künzelsau hat es sich mit seinen Kumpels am Ufer gemütlich gemacht. Sie essen Schaschlik und trinken Bier. Sonst angeln sie auch. Heute ist das unmöglich. "Es ist zu heiß. Die Fische suchen sich ein kühleres Plätzchen am Grund des Sees." Da nützt der fetteste Köder nichts. Schlaucht die Hitze? "Wir machen das Beste draus".
Trinken
Thomas Häußler (42) aus Vogelsberg schaut seinen fünf Kindern beim Planschen zu. In der Sonne. Das schlaucht. "Ich bin alles andere, nur nicht hitzebeständig." Gleich geht er wieder in den Schatten. Dort haben es sich vier Camper längst gemütlich gemacht. Roland Glashauser (51) aus Gaildorf hat den Platz vor drei Jahren gemietet. "So heiß war es noch nie. Sonst schaffen wir immer ein bisschen was, heute nicht." Ihr Tagesablauf: ins Wasser hüpfen, quatschen, dösen, grillen - und natürlich viel trinken. Wie viel genau? "Drei bis vier Liter pro Person. Natürlich hauptsächlich Wasser." Anja Glashauser (44) lacht: "Ihr Lügenbeutel."
In der Öhringer Innenstadt ist es nachmittags leer. Auch im Eiscafé Simonetti ist nicht viel los. "Die Leute kommen erst abends, dann aber geballt", sagt Inhaber Maros Zammatteo (42). Nach 22 Uhr: Das ist auch im Biergarten vom Hamballe die gefragteste Zeit, sagt Ralf Wahl (47). "Davor ist es einfach zu heiß."





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