Im Swinger-Club siegt die Neugier über Scham
In Hohenlohes einzigem Pärchen-Club ist die blonde Sabine der Star - Nackte Haut, schwarze Dessous und eng anliegende Slips

Zwei Paare sind in einem Abteil verschwunden, leises Stöhnen dringt nach außen. Die Gäste heben die Köpfe. Weitere Männer und Frauen postieren sich an den Sehschlitzen, schauen, was auf der Matratze passiert.
Ein anderes Paar unter den Zuschauern hält Händchen, fängt langsam an, sich zu streicheln.
Caipirinha geht gut. Seit 20 Uhr hat der einzige Hohenloher Swingerclub im Öhringer Katharinengraben geöffnet. An der Bar von Pächter Jürgen tummeln sich ein Dutzend leicht Bekleidete im Alter von 25 bis 55 Jahren. Die Luft knistert. Bei den Frauen dominieren schwarze Dessous, bei den Männern eng anliegende Slips. Barkeeper Sven lässt Wolfgang Petry "Der Himmel brennt" singen, am Buffet wandern Fleischbällchen, Nudeln und Häppchen auf die Teller.
Andrea (47) aus Schwetzingen ist mit ihrem Mann Uwe (48) gekommen. In seiner Firma hat Uwe ein Heft mit Adressen von Swinger-Clubs in die Hände bekommen, erzählt Andrea. Rasch siegte Neugier über Scham. In Clubs in Grünstadt (Hessen) und Murr machten die beiden erste Erfahrungen, inzwischen sind sie Stammgast in Öhringen. "Die Leute hier sind okay", findet Andrea, "man kommt leicht ins Gespräch." Wenn sie sich mit einem anderen Paar gut verstehen, verschwinden sie schon einmal zu viert auf der Spielwiese. Ansonsten bleiben sie die meiste Zeit unter sich.
Der Star des Abends ist die blonde Sabine. Wenn sich die 35-Jährige mit ihren schwarzen High-Heels von der Bar in Richtung Irrgarten bewegt, folgt ihr nicht nur Ehemann Carsten (37). "Die Atmosphäre, die Leute - das macht mich an", sagt Sabine, die betont, dass sie außerhalb des Clubs keinen Gedanken an Sex mit anderen Männern verschwendet.
Marcel (30) und Heike (31) aus Ludwigsburg denken genauso. "Es geht im Swinger-Club nur um das Körperliche", sagt Heike, "nicht um Gefühle." Die beiden sind seit 14 Jahren ein Paar, verheiratet seit vier Jahren. Früher gab es Affären, Trennungen, neue Liebesschwüre. Heute leben sie ihre sexuellen Bedürfnisse im Club aus, erzählt Heike. Davon habe ihre Beziehung profitiert, sie sei so eng wie nie zuvor. Mit Pärchen, die sie aus dem Öhringer Club kennen, haben sie sich auch außerhalb getroffen. Erst zum Eisessen, dann zum Sex.Es ist spät geworden im "Feel it", die Uhr zeigt kurz vor drei. Auf den Matratzen im rötlichen Dämmerlicht sind noch zwei Männer und eine Frau miteinander beschäftigt. Zuvor hat Jürgen die Box mit Kondomen und Kleenex aufgefüllt.
Das Etablissement in Öhringen hat er im Mai 2002 eröffnet. "Die Leute sollen sich wohl fühlen. Niemand wird zu etwas gezwungen", sagt der solariumgebräunte 37-Jährige, während er im Tanga der Marke "Stars and Stripes" noch einen Cocktail mixt. Serviert bekommt ihn Sabine. Sie hatte viel zu tun.
Info: "Feel it", Katharinengraben 18, Öhringen. Mittwoch bis Samstag ab 20 Uhr. Paare 40 Euro, Single-Männer 100 Euro, Single-Frauen frei (inkl. Getränke und kalt-warmes Buffet). Tel. 07941 /95 92 23. www.swingerclub-feelit.de
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