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Künzelsau

Hospiz in Künzelsau soll in einem Jahr in Betrieb gehen

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Der Umbau für das St. Elisabeth-Hospiz in Künzelsau ist gestartet. Damit löst die BBT-Gruppe eines ihrer Versprechen ein, die man den Künzelsauern nach dem Krankenhaus-Aus 2019 gemacht hat.

Im Gebäude in der Rösleinsbergstraße in Künzelsau (links) hat der Umbau begonnen. In einem Jahr, wenn das Hospiz dort in Betrieb gehen soll, wird es ein anderes Gesicht haben.
Visualisierung: Architekt Single
Im Gebäude in der Rösleinsbergstraße in Künzelsau (links) hat der Umbau begonnen. In einem Jahr, wenn das Hospiz dort in Betrieb gehen soll, wird es ein anderes Gesicht haben. Visualisierung: Architekt Single  Foto: Ludwig, Tamara

Männer in Anzügen und mit gold-glänzenden Vorschlaghämmern in der Hand üben rohe Gewalt aus, dreschen auf die mit einem gelben X markierte Wand ein. Die quittiert das Ganze zunächst mit massiver Gleichgültigkeit, lediglich ein paar Staubkörner rieseln zu Boden. Doch es ist Bürgermeister Stefan Neumann, der der Wand den Kampf ansagt und den Hammer nicht ruhen lässt, bis zumindest die Hälfte in Bruchstücken zu seinen Füßen liegt.

Damit ist sie nun auch offiziell eröffnet, die Umbauphase für das neue Künzelsauer Hospiz in der Rösleinsbergstraße, gegenüber dem ehemaligen Klinikgebäude. Damit erfüllt sich für die Kreisstadt endlich eines der Versprechen, die nach dem Aus des Krankenhauses 2019 von der BBT-Gruppe gemacht und bisher nicht eingelöst wurden.

Langer Kampf

Ein symbolischer Hammerschlag zum Start (von links) : BBT-Regionalleiter Thomas Wigant, Bürgermeister Stefan Neumann und Landrat Matthias Neth.
Fotos: Ludwig
Ein symbolischer Hammerschlag zum Start (von links) : BBT-Regionalleiter Thomas Wigant, Bürgermeister Stefan Neumann und Landrat Matthias Neth. Fotos: Ludwig  Foto: Ludwig, Tamara

Wie sehr die Künzelsauer dieses Hospiz wollen und wie lange sie dafür gekämpft haben, lässt sich einerseits an Neumanns energischen Hammerschlägen ablesen, wie auch an der "schnellsten Baugenehmigung, die ich in den letzten 30 Berufsjahren erlebt habe", wie Architekt Karl-Heinz Single anerkennend feststellt. Andererseits an der Anteilnahme, die der Förderverein bereits erfahren hat: "Wir hatten die ersten Spenden schon, da hatten wir dessen Gründung noch gar nicht kommuniziert", sagt Christiane Sigloch, Vorsitzende des Fördervereins.

Allerdings, das wird an diesem Tag auch deutlich, sind noch weit mehr Spenden nötig, um das Hospiz langfristig auf ein solides Fundament zu stellen. Die Krankenkasse und die Pflegekasse übernehmen zwar die Kosten der Tagessätze zu 95 Prozent, für die restlichen fünf Prozent muss der Träger mit Unterstützung des Fördervereins jedoch selbst aufkommen.

Um letzte Lebensphase kümmern

 Foto: Ludwig, Tamara

Die Baukosten belaufen sich auf rund vier Millionen Euro, 750.000 Euro zahlt der Hohenlohekreis. "Mit diesem Hospiz tun wir, was die Bevölkerung von uns erwartet, nämlich dass wir uns um die letzte Lebensphase der Menschen kümmern", sagt Landrat Matthias Neth. Und jeder wisse, dass es einiges brauche, um einem Menschen auf seinem letzten Weg zu begleiten.

In den kommenden Monaten wird die Firma Gauer Bau das Gebäude, das der Hohenloher Krankenhaus gGmbH mit der BBT-Gruppe als Mehrheitseigentümerin gehört, sanieren und umbauen. Es passe in die Zeit, dass man ein bestehendes Gebäude saniere, statt neu zu bauen, betont Thomas Wigant, Regionalleiter der BBT-Gruppe, in deren Trägerschaft das Hospiz sein wird. Bis zu acht Gäste können im St. Elisabeth-Hospiz Hohenlohe - so der vollständige, offizielle Name - dann in ihrer letzten Lebensphase versorgt und betreut werden.

Gemeinschaft auf Zeit

Für Architekt Karl-Heinz Single ist dieses Projekt eine "ganz besondere Aufgabe". Wer diese ernst nehme, müsse "mehr als nur eine Baumaßnahme planen". Es sei ein Ort für eine besondere Gemeinschaft auf Zeit, der eine gänzlich andere Atmosphäre benötige als etwa ein Krankenhaus. Deshalb sei das Hospiz sehr wohnlich geplant. Die Einzelzimmer sind jeweils mit einem barrierefreien Bad ausgestattet und so groß, dass auch eine zusätzliche Schlafgelegenheit für Angehörige möglich ist. Große, bodentiefe Fenster bringen viel Licht in die Räume. Zusätzlich wird ein Zimmer für Angehörige eingerichtet. Ein großer Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss mit Zugang zur Terrasse ist ebenso geplant. "Dieser soll Dreh- und Angelpunkt der Einrichtung sein", wünscht sich Single.

"Im letzten Quartal 2024 soll das Hospiz in Betrieb gehen", sagt Thomas Wigant. Mit Silke Feinauer ist auch bereits eine Leiterin für die Einrichtung gefunden und zahlreiche weitere Stellen konnten ebenfalls besetzt werden, damit der Betrieb planmäßig starten kann.

Trostpflaster

Das Künzelsauer Krankenhaus wurde am 15. November 2019 geschlossen. Als eines der versprochenen Trostpflaster für die Kreisstadt sollte ein Hospiz realisiert werden. Kurzzeitig war dafür das Klinik-Gebäude im Gespräch. Doch das schied als mögliche Nachnutzung aus - zu groß seien einerseits die baulichen Mängel und andererseits die Auflagen in Sachen Brandschutz. Das Hospiz entsteht deshalb nun in der Rösleinsbergstraße 29, wo bislang der Pflegestützpunkt Hohenlohekreis untergebracht war.

Weitere Infos zum St. Elisabeth-Hospiz und zum Förderverein gibt es unter www.hospiz-hohenlohe.de.

 
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